Antidepressiva vs. Placebo

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesen Medikamenten

Sind Antidepressiva bei Depression wirksamer als Placebos?

24.01.2015 Deutsche Forscher haben die Befunde von 66 Studien mit 15.161 Patienten mit einer depressiven Störung zusammengefasst, die zum Einsatz gekommenden Antidepressiva (u.a. SSRI, Mao-Hemmer, Trizyklika, Johanniskraut) mit einer Placebo-Behandlung verglichen und die Befunde in Annals of Family Medicine veröffentlicht.

Klaus Linde von der Technischen Universität München und Kollegen anderer deutscher Universitäten führten eine systematische Metastudie durch, um zu prüfen, ob Antidepressiva in der Grundversorgung wirkungsvoller als Placebo-Behandlungen sind, und ob es Unterschiede zwischen den Substanzklassen hinsichtlich Wirksamkeit und Akzeptanz gäbe.

Die Forscher fanden, dass

trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva (TZA), selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), Serotonin Antagonist und Wiederaufnahmehemmer (SARI) und Hypericumextrakte (Johanniskraut-Extrakte) der Placebo-Behandlung signifikant überlegen waren (wenn die Unterschiede auch nur moderat waren).

Es gab keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen den verschiedenen Antidepressiva-Klassen.

Johanniskraut-Extrakt/Hypericumextrakt

Überraschenderweise scheint Johanniskraut-Extrakt (mit deutlich weniger Nebenwirkungen) insgesamt genauso wirksam zu sein wie alle synthetischen Antidepressiva (wobei sich die Effekte wohl noch hinsichtlich der Stärke der Depression unterscheiden).

Reversible Hemmer der Monoaminoxidase A (rMAO-A) und Johanniskraut-Extrakte waren mit deutlich weniger Dropouts (Aussteiger) im Vergleich zu TZA, SSRI, SNRI, Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NRI) und Noradrenerge und spezifisch serotonerge Antidepressiva (NaSSA) wegen der Nebenwirkungen verbunden.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Technische Universität München, Annals of Family Medicine, doi: 10.1370/afm.1687; Jan. 2015

21 antidepressiv wirkende Medikamente wirksamer als Placebo

22.02.2018 Eine im Fachblatt The Lancet publizierte internationale Studie untersuchte die Befunde aus 522 klinischen Studien mit 116.477 Teilnehmern mit klinischer Depression zur Wirksamkeit und den Nebenwirkungen der 21 am häufigsten verschriebenen Antidepressiva (AD).

Dr. Andrea Cipriani vom Fachbereich Psychiatrie der Universität Oxford und Kollegen stellten einen Überblick über die Effektivität und die Nebenwirkungen der am häufigsten verwendeten Antidepressiva zusammen. Die meisten der Resultate stammen von Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen.

Die primären Endpunkte waren:

  • Wirksamkeit (die Anzahl der Patienten, die auf die Behandlung ansprachen, d.h. eine Reduktion der depressiven Symptome um 50% oder mehr auf einer validierten Ratingskala über 8 Wochen erreichten)
  • Akzeptanz, Verträglichkeit (Anteil der Patienten, die sich aus irgendeinem Grund bis Woche 8 aus der Studie zurückgezogen haben).

Die Befunde der Studie

Wirksamkeit

  • Alle 21 Antidepressiva waren effektiver als Placebo.
  • Die wirksamsten Antidepressiva waren Agomelatin, Amitriptylin, Escitalopram, Mirtazapin, Paroxetin, Venlafaxin und Vortioxetin.
  • Die im Durchschnitt am wenigsten wirksamen Antidepressiva (von diesen 21 AD) waren Fluoxetin, Fluvoxamin, Reboxetin und Trazodon.
  • Die anderen untersuchten AD lagen im mittleren Feld der Effektivität: Bupropion, Citalopram, Clomipramin, Desvenlafaxin, Duloxetin, Levomilnacipran, Milnacipran, Nefazodon, Sertralin, Vilazodon.

Alle 21 AD waren wirksamer als Placebo, unterschieden sich aber in der Effektivität und Verträglichkeit. Wobei einige AD ein besseres Verhältnis zwischen der Symptomlinderung und den unerwünschten Ereignissen hatten. Diese AD wirkten also besser, wobei gleichzeitig weniger Nebenwirkungen auftraten.

Verträglichkeit

  • Nur Clomipramin war weniger verträglich als Placebo.
  • Die verträglichsten Antidepressiva waren Agomelatin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Sertralin und Vortioxetin.
  • Die am wenigsten verträglichen Antidepressiva im Schnitt waren Amitriptylin, Clomipramin, Duloxetin, Fluvoxamin, Reboxetin, Trazodon und Venlafaxin.

Limitationen der Studie

Die Forscher führten noch an:

  • Die enthaltenen Daten deckten 8 Wochen Behandlungsdauer ab, so dass sie nicht notwendigerweise auf den längerfristigen Gebrauch von Antidepressiva (und deren Nebenwirkungen) anwendbar sind.
  • Die Unterschiede in Wirksamkeit und Verträglichkeit zwischen verschiedenen Antidepressiva waren geringer, wenn man auch Daten aus plazebokontrollierten Studien in Betracht zog.
  • Die Finanzierung durch die Pharmaunternehmen war nicht mit erheblichen Unterschieden bei den Ansprech- oder Abbrecherquoten verbunden.
  • Antidepressiva zeigten tendenziell ein besseres Wirksamkeitsprofil, wenn sie neuartig waren und als experimentelle Behandlungen eingesetzt wurden, als wenn sie schon alt waren.
  • Die Qualität einiger Vergleiche wurde für Amitriptylin, Bupropion und Venlafaxin oft als niedrig oder sehr niedrig bewertet, während sie für Agomelatin, Escitalopram und Mirtazapin oft als moderat eingestuft wurde.
  • Das Fehlen von Daten auf individueller Ebene machte es unmöglich, Faktoren wie Alter, Geschlecht, Schwere der Symptome oder Dauer der Erkrankung zu untersuchen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: The Lancet – http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)32802-7; Feb. 2018

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