Degarelix zur chemischen Kastration

Degarelix reduziert das Risiko für Kindesmissbrauch / Pädophilie

30.04.2020 Ein Medikament, das den Spiegel des männlichen Hormons Testosteron im Körper senkt, verringert das Risiko, dass Männer mit einer pädophilen Störung Kinder sexuell missbrauchen laut einer in der Zeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie.

Forscher des Karolinska Institutet und der Universität Göteborg in Schweden haben die Wirkung von Degarelix (Handelsname Firmagon) untersucht, das für die Behandlung von Prostatakrebs zugelassen ist.

Das Medikament wirkt, indem es die Produktion von Testosteron unterbindet, den Hormonspiegel im Körper innerhalb weniger Stunden senkt und alle drei Monate durch Injektion verabreicht wird.

Wirksamkeit in Studie

Die doppelblinde Studie schloss 52 Männer mit pädophiler Störung in Schweden ein, die nach dem Zufallsprinzip einer Degarelix- oder einer Placebogruppe zugeordnet wurden.

Es zeigte sich, dass die Behandlung mit Degarelix als chemische Kastration zwei kritische Risikofaktoren für Missbrauch dämpft: hohes sexuelles Verlangen und sexuelle Anziehung in Bezug auf Kinder. Die Auswirkungen waren innerhalb von zwei Wochen spürbar.

Die Männer beschrieben vor allem positive Auswirkungen auf ihre Sexualität. Viele berichteten, dass sie eine innere Ruhe empfanden, dass Sexualgedanken nicht mehr dominierten und dass sie ihr sexuelles Interesse an Kindern verloren. Eine Mehrheit wollte das Medikament nach Beendigung der Studie weiter nehmen.

Nebenwirkungen

Während einige der Teilnehmer in der Degarelix-Gruppe Hitzewallungen und Reaktionen an der Injektionsstelle entwickelten, waren Rückschlüsse auf etwaige psychische Nebenwirkungen schwer zu ziehen, da viele der Teilnehmer bereits vor Beginn der Studie zur chemischen Kastration in einem depressiven Zustand waren, schreiben die Forscher um Valdemar Landgren.
© arznei-news.de – Quellenangabe: JAMA Psychiatry. Published online April 29, 2020. doi:10.1001/jamapsychiatry.2020.0440.



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