Erythropoetin (EPO) bei Frühgeborenen

Hochdosiertes Erythropoetin bietet extremen Frühgeburten wohl keinen Nutzen

17.01.2020 Bei extrem frühgeborenen Kindern führt eine hochdosierte Erythropoetin-Behandlung ab 24 Stunden nach der Geburt nicht zu einem verringerten Risiko für schwere Beeinträchtigungen der neuronalen Entwicklung oder Tod im Alter von 2 Jahren laut einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie.

Hochdosiertes Erythropoietin vs. Placebo

Sandra E. Juul von der University of Washington in Seattle führte zusammen mit Kollegen eine randomisierte Studie mit hochdosiertem Erythropoetin (auch Erythropoietin / EPO genannt) an 941 Kindern durch, die nach 24 Wochen bis 27 Wochen und 6 Tage nach der Geburt geboren wurden. Insgesamt wurden 741 Kinder randomisiert, die innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt entweder Erythropoetin (376 Kinder) oder Placebo (365 Kinder) erhielten.

Erythropoetin wurde intravenös in einer Dosis von 1.000 U/kg Körpergewicht alle 48 Stunden in insgesamt sechs Dosen verabreicht, gefolgt von einer niedrigeren Erhaltungsdosis von 400 U/kg Körpergewicht dreimal pro Woche, die durch subkutane Injektion bis zu 32 Wochen im postmenstruellen Alter verabreicht wurde.

Sterblichkeit, Neuroentwicklung, unerwünschte Ereignisse

Die Forscher beobachteten keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen bei der Sterblichkeit oder einer schweren Beeinträchtigung der Neuroentwicklung im Alter von 2 Jahren (26 versus 26 Prozent; relatives Risiko 1,03; 95 Prozent Konfidenzintervall, 0,81 bis 1,32; P = 0,80).

Es wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen bei den Häufigkeiten von Frühgeborenen-Retinopathie, intrakranieller Blutung, Sepsis, nekrotisierender Enterokolitis, bronchopulmonale Dysplasie, Sterblichkeit oder bei der Häufigkeit schwerer unerwünschter Ereignisse festgestellt.

Die Wissenschaftler konnten nicht feststellen, dass die Behandlung mit hochdosiertem Erythropoetin bei extrem frühgeborenen Kindern zu einem geringeren Sterberisiko oder zu besseren Ergebnissen in der Entwicklung des Nervensystems im Alter von 2 Jahren führt als Placebo, fassen die Autoren zusammen.
© arznei-news.de – Quellenangabe: New England Journal of Medicine – DOI: 10.1056/NEJMoa1907423.

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