Inotuzumab-Ozogamicin (Besponsa)

Krebs-Therapie / Krebsmedikamente

Medikament versagt bei Non-Hodgkin-Lymphom Studie

Pfizers Versuch sein Onkologie Portefeuille auszudehnen hat einen Rückschlag erlitten. Der Pharmakonzern hat verlautbaren lassen, dass Inotuzumab Ozogamicin (Handelsname Besponsa) bei Patienten mit einer aggressiven Form des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) versagt hat.

Pfizer hat eine Phase III Studie mit dem Arzneimittel abgebrochen, die Patienten mit Rückfällen oder refraktären CD22+ aggressiven NHL beinhaltet hatte, die nicht Kandidaten für eine intensive Hochdosis Chemotherapie sind.

In der Studie wurde Inotuzumab Ozogamicin einmal pro Monat in Kombination mit Roches Rituxan (Rituximab) verabreicht und wurde entweder mit Tevas Treanda (Bendamustin) plus Rituximab oder Eli Lillys Gemzar (Gemcitabin) plus Rituximab verglichen.

Während einer Interimanalyse schloss ein unabhängiger Datenüberwachungsausschuss, dass die Behandlung mit Inotuzumab ozogamicin plus Rituximab dem Hauptziel (Verlängerung des Lebens insgesamt) nicht entsprechen würde (im Vergleich mit den anderen Medikamenten).

© arznei-news.de – Quelle: Pfizer, Mai 2013

FDA: Breakthrough-Status bei akuter lymphatischer Leukämie

20.10.2015 Pfizers experimentelles Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin (Markenname Besponsa) hat in den USA den „Breakthrough“-Status für die Behandlung von akuter lymphatischer Leukämie erhalten, was für das Medikament evtl. eine schnellere Entwicklung und Überprüfung bedeutet.

Inotuzumab besteht aus einem monoklonalen Antikörper gegen CD22 – ein Zelloberflächenantigen, exprimiert bei etwa 90% der B-Zell-Malignitäten – verbunden mit einem zytotoxischen Mittel. Wenn der Wirkstoff an CD22 an bösartigen B-Zellen andockt, wird es in die Zelle eingeschleust, wobei das zytotoxische Agens Calicheamicin freigegeben wird, um sie zu zerstören.

Der Breakthrough-Status basiert auf Daten aus der Phase-III-INO-VATE Studie, die das Medikament mit Standard-Chemotherapie bei 326 erwachsenen Patienten mit rezidivierten oder refraktären CD22-positiven ALL verglich. Inotuzumab zeigte eine (mehr als) Verdoppelung der kompletten Remissionsraten.

Der koprimäre Endpunkt der kompletten Remission mit unvollständiger hämatologischer Erholung wurde von 80,7% der mit dem Pfizer-Medikament behandelten Patienten und 33,3% der mit der Standardtherapie behandelten nach vorläufigen Ergebnissen – die bei dem 2015 Meeting der European Haematology Association im Juni präsentiert wurden – erreicht.

Dies ist eine gute Nachricht für Pfizer angesichts dessen, dass das Medikament bisher versäumte, das Gesamtüberleben bei Patienten mit einer aggressiven Form von Non-Hodgkin-Lymphom zu verbessern.
© arznei-news.de – Quelle: Pfizer, Okt. 2015

Endgültige Ergebnisse aus der INO-VATE ALL-Studie

15.06.2016 Pfizer hat die endgültigen Ergebnisse aus der Phase-III-Studie INO-VATE ALL zu Sicherheit und Wirksamkeit von Inotuzumab-Ozogamicin bei akuter lymphatischer Leukämie (ALL) veröffentlicht.

In der Studie wurde Inotuzumab-Ozogamicin mit dem Chemotherapeutikum (nach Wahl der Forscher) bei 326 erwachsenen Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem CD22-positiven ALL verglichen.

Die Ergebnisse zeigten eine Verbesserung gegenüber Chemotherapie bei einer Reihe von Maßen einschließlich der vollständigen hämatologischen Remission und des progressionsfreien Überlebens (PFS).

Vollständiges Ansprechen, PFS und OS

Die INO-VATE ALL-Studie hatte zwei unabhängige primäre Endpunkte, vollständiges Ansprechen mit oder ohne hämatologische Remission und OS.

Die Studie erreichte ihren ersten primären Endpunkt – vollständiges Ansprechen, das unter Inotuzumab-Ozogamicin deutlich besser im Vergleich zur Chemotherapie (80,7% vs. 29,4%) ausfiel. Inotuzumab-Ozogamicin verlängerte auch deutlich das PFS im Vergleich zur Chemotherapie.

Der zweite primäre Endpunkt – das OS – zeigte einen starken Trend zu einem längeren OS im Vergleich zur Chemotherapie, aber das Niveau der statistischen Signifikanz konnte nicht erreicht werden. Die OS nach 2 Jahren betrug für Inotuzumab-Ozogamicin 23% im Vergleich zur Chemotherapie (10%).

Inotuzumab-Ozogamicin (IO) erreichte hohe Raten bei minimaler Resterkrankung (MRD) Negativität (78,4%), und zeigte eine Ansprechdauer (DOR) von 4,6 Monaten. Im Vergleich dazu erreichten 28,1% der mit Chemotherapie behandelten Patienten MRD-Negativität und die mittlere DOR betrug 3,1 Monate. Es erreichten auch mehr Patienten eine Stammzell-Transplantation im Vergleich zur Standard-Chemotherapie.

Nebenwirkungen

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse (AE) in beiden Behandlungsarmen waren:

  • Zytopenie, einschließlich febrile Neutropenie (16% vs. 22%),
  • Übelkeit, Kopfschmerzen und Fieber (IO),
  • Übelkeit, Pyrexie und Durchfall (bei Chemotherapie).

Zusätzlich trat venookklusive Lebererkrankung (VOD) häufiger bei mit IO behandelten Patienten gegenüber Chemotherapie (11% vs. 1%) auf. Fünf Patienten (IO) entwickelten VOD während der Behandlung und 10 Patienten entwickelt VOD nach anschließender Stammzelltransplantation. Unter Chemotherapie entwickelte ein Patient VOD nach der Transplantation; es gab keine Fälle von VOD während der Behandlung mit Chemotherapie.
© arznei-news.de – Quelle: Pfizer, Juni 2016

Akute lymphoblastische Leukämie: EU-Zulassungsempfehlung

21.04.2017 Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Zulassungsbehörde (CHMP) empfiehlt die Zulassung von Besponsa als 1 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (aktive Substanz Inotuzumab-Ozogamicin) der Firma Pfizer Limited für die Behandlung von akuter lymphoblastischer Leukämie.

Die aktive Substanz von Besponsa ist Inotuzumab-Ozogamicin, ein humanisierter Immunglobulin-Klasse G-Subtyp 4 (IgG4) Antikörper (ATC-Code: L01XC26), der speziell humanes CD22 erkennt.

Besponsa hat zeigen können, dass es den Anteil der Patienten mit vollständiger Remission und molekularer Remission erhöhen, sowie das Fortschreiten der Krankheit verzögern kann.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Thrombozytopenie,
  • Neutropenie,
  • Anämie,
  • Leukopenie,
  • Infektion,
  • Hämorrhagie und
  • Venöse okklusive Leberkrankheit.

Indikation

Die vollständige Indikation bei Zulassung wäre: Besponsa ist als Monotherapie für die Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierter oder refraktärer CD22-positiver B-Zell-Vorläufer akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) angezeigt. Erwachsene Patienten mit Philadelphia Chromosom-positiver (Ph+) rezidivierter oder refraktärer B-Zell-Vorläufer ALL sollten mindestens bei einer Behandlung mit einem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) nicht angesprochen haben.

Besponsa hatte von den europäischen Zulassungsbehörden am 7. Juni 2013 den Status Orphan-Drug – Arzneimittel für seltene Leiden – erhalten und zeigte sich in der INO-VATE ALL-Studie einer Behandlung mit Chemotherapie bei dieser Indikation überlegen.

Sowohl beim vollständigen Ansprechen als auch beim progressionsfreien Überleben zeigte sich Inotuzumab-Ozogamicin der chemotherapeutischen Behandlung signifikant bei der Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidivierender oder refraktärer CD22-positiver ALL überlegen.
© arznei-news.de – Quelle: EMA, April 2017

EU-Zulassung bei refraktärer oder rezidivierter B-Zell-Vorläufer ALL

30.06.2017 Pfizer Inc. gab heute bekannt, dass die Europäische Kommission Besponsa (Inotuzumab Ozogamicin) als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierter oder refraktärer CD22-positiver B-Zell-Präkursor akute lymphoblastische Leukämie (ALL) genehmigt hat.

Diese Indikation umfasst die Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom positiver (Ph+) sowie Philadelphia-Chromosom negativer (Ph-) rezidivierter oder refraktärer B-Zell-Vorläufer ALL. Erwachsene mit Ph+ rezidivierter oder refraktärer CD22-positiver B-Zell-Vorläufer ALL sollten auf die Behandlung mit mindestens einem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) nicht angesprochen haben.

Mit dieser Zulassung wird Besponsa zum ersten und einzigen Antikörper-Arzneimittel-Konjugat (ADC) für Patienten mit dieser Form von Leukämie in der Europäischen Union, schreibt Pfizer.

Die Zustimmung der Europäischen Kommission basiert auf den Ergebnissen der Phase 3 Studie INO-VATE ALL, in der 326 erwachsene Patienten mit rezidivierter oder refraktärer B-Zell-Vorläufer ALL eingeschrieben wurden und die Inotuzumab-Ozogamicin mit Standard-Chemotherapie verglichen hat. Die INO-VATE ALL Studie hatte zwei primäre Endpunkte: vollständiges Ansprechen mit oder ohne hämatologische Genesung und Gesamtüberleben. Ergebnisse aus der Studie wurden im New England Journal of Medicine im Juni 2016 veröffentlicht.

Die häufigsten (≥ 20%) Nebenwirkungen, die mit dem Medikament verbunden waren:

  • Thrombozytopenie (51%),
  • Neutropenie (49%),
  • Infektionen (48%),
  • Anämie (36%),
  • Leukopenie (35%),
  • Erschöpfung (35%),
  • Hämorrhagie (33%),
  • Pyrexie (32%),
  • Übelkeit (31%),
  • Kopfschmerzen (28%),
  • fiebrige Neutropenie (26%),
  • erhöhte Transaminasen (26%),
  • Bauchschmerzen (23%),
  • erhöhte Gamma-Glutamyltransferase ( 21%) und
  • Hyperbilirubinämie (21%).

Die häufigsten (≥ 2%) schwerwiegenden Nebenwirkungen, die mit Besponsa verknüpft waren: Infektionen (23%), fiebrige Neutropenie (11%), Blutungen (5%), Bauchschmerzen (3%), Pyrexie (3%), veno-okklusive Krankheit / sinusförmiges Obstruktionssyndrom (VOD / SOS) (2%) und Erschöpfung (2%).
© arznei-news.de – Quelle: Pfizer Inc., Juni 2017



Schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen mit diesem Medikament:

Kommentare werden nach Prüfung auf Arznei-News.de veröffentlicht.
Machen Sie bitte keine persönlichen Angaben (wie Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefon-Nr., Email-Adresse etc.)!
Benutzen Sie bitte aus Lesbarkeitsgründen auch Komma, Punkt und Absatz. :-)