Lenalidomid (Revlimid)

Krebstherapie – Immunsuppressiva

Lenalidomid ist ein Medikament aus der Gruppe der Immunsuppressiva. Es wird bei der Behandlung des Multiplen Myeloms und weiteren Erkrankungen (s.u.) eingesetzt. Handelsname: Revlimid. Lenalidomid ATC-Code: L04AX04: L — Antineoplastische und immunmodulierende Mittel, L04 — Immunsuppressiva.

Schwere Leberschäden – Rote-Hand-Brief

Celgene / die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) und das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) haben einen Warnhinweis zu Revlimid (Wirkstoff Lenalidomid) bezüglich des Risiko des Auftretens von Lebererkrankungen herausgegeben.

Revlimid und Dexamethason in Kombination

In der Zusammenfassung der Warnung heißt es, dass bei Patienten mit multiplem Myelom, die Revlimid und Dexamethason gleichzeitig erhalten, dies bei einigen zu schweren Leberschäden geführt hat.

Todesfälle durch Leberschäden

Rote Hand

Rote Hand Brief
Wichtige Hinweise

Es kam zu Todesfällen bei denen

  • akute Leberinsuffizienz (teilweiser oder vollständiger Ausfall der Stoffwechselfunktionen der Leber),
  • toxische Hepatitis (Leberentzündung),
  • zytolytische Hepatitis,
  • cholestatische Hepatitis und
  • gemischte zytolytische/cholestatische Hepatitis

festgestellt wurde.

Weitere Warnhinweise zu Lenalidomid:

Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Lenalidomid-Dosis angepaßt werden, da es Risiken für häufigere schwerwiegende hämatologische Nebenwirkungen oder Hepatotoxizität gibt.
Risikofaktoren für ein arzneimittelbedingte Lebertoxizität können sein:

  • eine vorbestehende virale Lebererkrankung,
  • erhöhte Ausgangswerte der Leberenzyme und
  • eine Antibiotikabehandlung.

Empfehlung:

Es wird empfohlen die Leberfunktionen zu überwachen, insbesondere:

  • bei viralen Leberinfektionen oder
  • wenn gleichzeitig Medikamente gegeben werden, die mit Leberfunktionsstörungen in Verbindung stehen, wie z.B. Paracetamol.

Revlimid ist ein Medikament der Firma Celgene. Es beinhaltet die aktive Substanz Lenalidomid aus der Gruppe der Immunmodulatoren. Es ist für die Behandlung des Multiplen Myeloms und bei Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund eines myelodysplastischen Syndroms zugelassen.

© arznei-news.de – Quelle: BfArM, Dez. 2012

FDA-Zulassung bei Mantelzelllymphom

Die Celgene Corp. hat von der US-Regulierungsbehörde FDA die Genehmigung erhalten, Revlimid (Lenalidomid) bei Patienten mit Mantelzelllymphom anwenden zu dürfen.

Ausdrücklich hat die US-Food and Drug Administration das OK für  (Wirkstoff Lenalidomid) für die Patienten gegeben, deren Krankheit nach zwei vorherigen Therapien rezidivierend oder vorangeschritten ist. Die Genehmigung für die Behandlung des Mantelzelllymphom, einer seltenen Unterart des Non-Hodgkin-Lymphom (tritt bei weniger als 10% der Patienten mit letzterem auf), bedeutet auch die erste orale Therapie für Patienten mit Mantelzelllymphom.

Revlimid wurde ursprünglich von der FDA im Jahr 2006 für Patienten mit multiplem Myelom genehmigt, die mindestens eine vorherige Behandlung hatten. Sie dehnte dann die Zulassung auf Patienten mit myelodysplastischem Syndrom aus.

Die letzte Erweiterungsgenehmigung trifft die Zustimmung der Leukemia & Lymphoma Society. Clare Karten, Seniorchefin sagte, dass „trotz Fortschritten bei der Behandlung die meisten Mantelzelllymphom-Patienten Rückfälle haben; so ist Lenalidomid eine willkommene wirkungsvolle Behandlungsoption für diese Patienten“.

© arznei-news.de – Quelle: Celgene Corp, Juni 2013

EU-Zulassung auf seltene Blutkrankheit erweitert

Die Europäische Kommission hat die Zulassung von Revlimid (Lenalidomid) erweitert auf die Behandlung von Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie aufgrund eines myelodysplastischen Syndroms (MDS) mit einer zytogenetischen 5q-Deletionsanomalie, das mit oder ohne zusätzliche zytogenetische Anomalien einhergeht, wenn andere Optionen nicht infrage kommen.

MDS ist ein Krebsart, bei der die Produktion von Blutzellen und Plättchen des Knochenmarks außer Funktion gesetzt ist, was oft zu schwerer Anämie, Infektionen und Blutungen führen kann.

Etwa 50% der Personen mit MDS hat eine Form von zytogenetische oder chromosomale Abnormität und 30% hiervon haben wahrscheinlich die spezifische 5q-Deletionsanomalie. Sie ist mit einer schlechten Prognose verbunden – mit dem Risiko, dass sie zur akuten myeloischen Leukämie voranschreitet, die oft tödlich verläuft.

In den USA ist Revlimid von Celgene bereits für Niedrig- und Hoch-Risiko-MDS Patienten zugelassen worden. Revlimid ist bekannt als Medikament in Kombination mit Dexamethason für die Behandlung des Multiplen Myeloms.

© arznei-news.de – Quelle: EMA, Juni 2013

Rote-Hand-Brief – Schwangerschaftsverhütung

Celgene weist in einem Rote-Hand-Brief, wegen der Zulassungserweiterung von Lenalidomid (Revlimid), auf Risiken bei der Schwangerschaft und deren Minimierung und auf Informationen und Aufklärung bei Angehörigen der Heilberufe und Patienten hin.

Revlimid / Lenalidomid Studie mit Myelom-PatientenLenalidomid besitzt ein teratogenes Risiko (Fehlbildungen beim Embryo), sowie Risiken für Myelosuppression, thromboembolische Ereignisse und für eine Progression zur akuten myeloischen Leukämie. Die Fachinformationen wurden entsprechend überarbeitet.

Der letzte Rote-Hand-Brief zu Lenalidomid/Revlimid bezüglich des Risiko des Auftretens von Lebererkrankungen wurde im Dezember letzten Jahres herausgegeben.

Lenalidomid ist in Kombination mit Dexamethason indiziert bei:

  • Multiples Myelom bei erwachsenen Patienten (mindestens eine vorausgegangene Therapie)
  • transfusionsabhängige Anämie (infolge myelodysplastischer Syndrome mit Niedrig- oder Intermediär-1-Risiko in Verbindung mit einer isolierten Deletion 5q als zytogenetische Anomalie, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten nicht adäquat sind.

© arznei-news.de – Quelle: Celgene, Juni 2013

EU- und FDA-Zulassung bei Plasmozytom

22.02.2015 Die Europäische Kommission und die US-FDA haben die Zulassung für Revlimid auf die Behandlung des multiplem Myeloms (Plasmozytom) erweitert.

REVLIMID mit dem Wirkstoff Lenalidomid wurde erstmalig im Juni 2006 in Kombination mit Dexamethason für den Einsatz bei MM-Patienten, die mindestens eine vorherige Therapie erhalten haben, zugelassen.

Die Zulassungserweiterung sieht vor, dass nun auch therapienaive Patienten mit Plasmozytom mit der Lenalidomid/Dexamethason Kombination behandelt werden können, wenn sie nicht Kandidaten für eine Stammzell-Transplantation sind.

Nebenwirkungen

Die Studienergebnisse zeigten folgende Nebenwirkungen im Vergleich (1.Wert: kontinuierliche Gabe von REVLIMID in Kombination mit Dexamethason bis zur Krankheitsprogression (RD); 2. Wert: Melphalan, Prednison und Thalidomid (MPT) für 18 Monate; 3. Wert: RD für 18 Zyklen (RD-18)):

  • Durchfall (45,5%, 38,5%, 16,5%),
  • Anämie (43,8%, 35,7%, 42,3%),
  • Neutropenie (35,0%, 33,0%, 60,6%),
  • Müdigkeit (32,5%, 32,8%, 28,5%),
  • Rückenschmerzen (32,0%, 26,9%, 21,4%),
  • Schlaflosigkeit (27,6%, 23,5%, 9,8%),
  • Asthenie (28,2 %, 22,8%, 22,9%),
  • Hautausschlag (26,1%, 28,0%, 19,4%),
  • verminderter Appetit (23,1%, 21,3%, 13,3%),
  • Husten (22,7%, 17,4%, 12,6%),
  • Fieber (21,4% , 18,9%, 14,0%),
  • Muskelkrämpfe (20,5%, 18,9%, 11,3%) und
  • Bauchschmerzen (20,5%, 14,4%, 11,1%).

Die am häufigsten berichteten Grad 3 oder 4 Vorfälle im Rd Continuous Arm (bis zur Krankheitsprogression) waren:

  • Neutropenie (27,8%),
  • Anämie (18,2%),
  • Thrombozytopenie (8,3%),
  • Lungenentzündung (11,3%),
  • Asthenie (7,7%),
  • Müdigkeit (7,3%),
  • Rückenschmerzen (7%),
  • Hypokaliämie (6,6%),
  • Hautausschlag (7,3%),
  • Grauer Star (5,8%),
  • Dyspnoe (5,6%),
  • DVT (5,6%) und
  • Hyperglykämie (5,3%).

© arznei-news.de – Quelle: Celgene Corp., Feb. 2015

Studie: Kombination mit Rituximab bei Mantelzell-Lymphom

22.11.2015 Neue Forschungsergebnisse des Moffitt Cancer Center haben herausgefunden, dass die Arzneimittelkombination Rituximab plus Lenalidomid wirksam war und langfristiges Ansprechen bei Patienten mit Mantelzell-Lymphom bewirkte. Die Ergebnisse der multizentrischen Phase 2 Studie wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Die Moffitt und Weill Cornell Medical College Forscher untersuchten die Kombination von Lenalidomid (Markenname ist REVLIMID) und Rituximab bei Patienten mit Mantelzell-Lymphom, die vorher nicht behandelt worden waren (therapienaiv). Die Patienten erhielten die Kombinationsbehandlung für ungefähr ein Jahr, gefolgt von einer Periode der Niedrigdosis-Behandlung bis zu drei Jahren, um ein Anti-Tumor-Ansprechen aufrechtzuerhalten.

Insgesamt 38 Patienten nahmen an der Studie von Juli 2011 bis April 2014 an mehreren Krebs-Zentren in den Vereinigten Staaten teil.

Die Kombination war sehr effektiv bei zuvor unbehandelten Patienten mit Mantelzell-Lymphom. 92% der evaluierten Patienten zeigten entweder eine komplette Remission oder ein teilweises Ansprechen auf die Therapie – 64% der Patienten mit einer kompletten Remission.

Das Ansprechen auf die Behandlung war auch langfristig. 80% der Patienten waren zwei Jahre nach der Therapie noch am Leben ohne Fortschreiten der Krankheit.

Nebenwirkungen der Kombinationsbehandlung mit Rituximab

Die häufigsten hochgradig immunassoziierten Toxizitäten während der Behandlung waren:

  • reduzierte Anzahl der Neutrophilen bei 50% der Patienten,
  • verringerte Werte der Plättchen (13%) und
  • Anämie (11%).

Die häufigsten nicht-immunverbundenen Toxizitäten waren

  • Hautausschlag bei 29% der Patienten,
  • Tumor-Flare (11%) und
  • Müdigkeit und Lungenentzündung (jeweils 8%).

Die Studie wurde zum Teil von der Celgene Corporation finanziert.
© arznei-news.de – Quelle: H. Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute, Nov. 2015

Rezidiviertes o. refraktäres Mantelzell-Lymphom: EU-Zulassung

15.07.2016 Celgenes Revlimid (Wirkstoff Lenalidomid) wurde von der Europäischen Kommission für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom (MCL) zugelassen.

Die Entscheidung wurde auf der Grundlage von Daten aus MCL-002 getroffen – einer Phase-II-Studie zur Untersuchung von Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments gegen die Medikamentenwahl des Forschers – mit 254 Patienten, die bei ihrer letzten Therapie refraktär waren oder ein- bis dreimal ein Rezidiv hatten.

In der Studie zeigte Celgenes Medikament eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens um 8,7 Monate gegenüber 5,2 in der Kontrollgruppe.

In der Studie waren die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen, die im Revlimid-Arm häufiger auftraten als im Kontroll-Arm: Neutropenie, Anämie, Durchfall, Müdigkeit, Verstopfung, Fieber und Hautausschlag.
© arznei-news.de – Quelle: Celgene, Juli 2016

Rote-Hand-Brief: Fälle von Virus-Reaktivierung

08.11.2016 Die Firma Celgene GmbH informiert in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über neue wichtige Hinweise zum Medikament Lenalidomid:

  • Es wurden Fälle von Virus-Reaktivierung nach der Behandlung mit Revlimid berichtet, insbesondere bei Patienten, die zuvor mit Herpes-Zoster- oder Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert worden waren.
  • Bei einigen Fällen führte die HBV-Reaktivierung zu einem akuten Leberversagen und zum Tod.
  • Der HBV-Status ist vor Beginn der Behandlung mit Lenalidomid abzuklären.
  • Bei Patienten, die positiv auf eine HBV-Infektion getestet werden, sollte ein Arzt mit Erfahrung in der Behandlung von Hepatitis B herangezogen werden.
  • Patienten, die zuvor infiziert worden sind, müssen während der gesamten Behandlung engmaschig auf Anzeichen und Symptome einer Virus-Reaktivierung, einschließlich einer aktiven HBV-Infektion, überwacht werden.

arznei-news.de – Quelle: Mehr zu den Hintergrundinformationen bei der BfArM, Nov. 2016

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