MDMA (Ecstasy) bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS)

MDMA hilfreich bei posttraumatischer Belastungsstörung

08.12.2012 Eine Forscherteam privater Praktiker und medizinischer Experten führte eine Studie mit einer Nachtestung zu einem Versuch mit 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA, Wirkstoff in Ecstasy) bei Therapiesitzungen zur Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) durch.

MDMA während der Therapie gegeben

Bei der Beschreibung ihrer Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Journal of Psychopharmacology herausgegebenen wurden, schreibt das Team, dass 17 von 20 Patienten, die an der ursprünglichen Studie teilnahmen, über langfristige positive Ergebnisse berichteten.

Die Nachtestung basierte auf der Originalprobe aus dem Jahr 2010, in der 20 Patienten mit langfristiger posttraumatischer Belastungsstörung MDMA (normalerweise Hauptzutat in der Partydroge Ecstasy) als Bestandteil ihrer Psychotherapiesitzungen gegeben wurde, schreiben die Wissenschaftler.

Verbesserung des Zustandes

Die Forscher berichteten damals, dass 83% der Teilnehmer zwei Monate später Verbesserungen bezüglich ihres Zustandes gezeigt hatten.

In dieser neuen Studie besuchten die Forscher die ursprünglichen Patienten dreieinhalb Jahre später (ein Patient lehnte ab; es verblieben 19) wieder, um zu sehen, wie gut es ihnen ging.

Sie stellten fest, dass nur zwei der Patienten einen Rückfall erlitten hatten – die anderen zeigten immer noch die Verbesserung ihres Zustandes, den sie ursprünglich hatten.

MDMA hilft Emotionen zuzulassen

Die Forscher glauben, dass MDMA PTBS-Leidenden dadurch hilft, dass der Wirkstoff ihnen erlaubt, sich noch einmal emotional auf die traumatische Erfahrung einzulassen und sie noch einmal auf eine entspanntere und aufnahmefähigere Weise zu durchleben.
Quelle: Journal of Psychopharmacology, Nov. 2012

Kann Ecstasy die Wirkung von Psychotherapie verbessern?

18.08.2017 Eine vorherige Studie eines Forscherteams konnte bereits zeigen, dass MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin, auch bekannt als Ecstasy) als Katalysator für Psychotherapie fungieren kann und die Therapieresultate für Patienten mit hartnäckiger PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) offenbar verbessert.

Dauerhafte positive Persönlichkeitsveränderung

Nun hat eine im Journal of Psychopharmacology veröffentlichte Studie zeigen können, was der psychologische Schlüsselmechanismus sein könnte: eine dauerhafte positive Persönlichkeitsveränderung, insbesondere erhöhte Offenheit für Erfahrungen und einen verringerten Neurotizismus.

Dies scheint schlüssig, da viele Studien nahelegen, dass traumatische Ereignisse zu einer anhaltenden Persönlichkeitsveränderung führen, die durch einen erhöhten Neurotizismus gekennzeichnet ist.

Deshalb untersuchte die aktuelle Studie, ob erhöhte Offenheit und reduzierter Neurotizismus als Mechanismus der Veränderung innerhalb einer randomisierten Studie mit MDMA-unterstützter Psychotherapie bei chronischer, behandlungsresistenter PTBS dienen könnten.

Mit Hilfe psychologischer klinischer Tests wurden PTBS-Symptome, Offenheit und Neurotizismus erfasst.

Begleitend zur Psychotherapie

Die Daten stammten aus einer früheren Studie, an der zwanzig Teilnehmer (17 Frauen) mit einer Diagnose von PTBS im Zusammenhang mit Kriminalität oder kriegsbasierten traumatischen Erfahrungen teilgenommen hatten und die bisher mit Medikamenten oder Psychotherapie nicht erreicht worden waren.

Die Teilnehmerinnen nahmen an bis zu 12 Psychotherapie-Sitzungen teil. Während zwei der wichtigsten experimentellen achtstündigen langen Sitzungen in der Mitte des Therapieverlaufs erhielten die Hälfte der Teilnehmer eine Dosis MDMA (125 mg, mit der Option einer 62,5 mg Ergänzung), die anderen erhielten ein Placebo. MDMA kann u.a. Gefühle von Liebe, Empathie, Vertrauen und Freundlichkeit verstärken und Angst verringern.

Offenheit und Neurotizismus

Die Ergebnisse – die nun auch die beiden Persönlichkeitsmerkmale berücksichtigten – zeigten, dass die Veränderung bei der Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen eine moderierende Rolle in der Beziehung zwischen verringerten PTBS-Symptomen und der Ecstasy-Behandlung spielte.

Ein ähnliches Muster konnte für Neurotizismus festgestellt werden, der Effekt war allerdings kleiner und nicht signifikant.

Die MDMA-unterstützte Psychotherapie erhöhte langfristig die Offenheit und verringerte den Neurotizismus der Patientinnen im Vergleich zu den Persönlichkeitsmerkmalen bei Therapiebeginn.

Diese vorläufigen Befunde deuten darauf hin, dass die Wirkung der Ecstasy-gestützten Psychotherapie über die spezifische PTBS-Symptomatik hinausgeht und die Persönlichkeitsstruktur grundlegend verändert, was zu einer langfristigen beständigen Persönlichkeitsänderung führt, schließen die Psychologen um Mark T Wagner von der Universität Southern California.

Nicht mit Straßen-Ecstasy gleichzusetzen

Offensichtlich war dies eine kleine Studie und die Ergebnisse sind in einem sehr frühen experimentellen Stadium; größere Replikationsstudien werden benötigt.

Ein methodisches Manko der Studie war, dass die Teilnehmer manchmal in der Lage waren, richtig zu erraten, welcher Gruppe (MDMA oder Placebo) sie angehörten.

Die Forscher weisen auch darauf hin, dass MDMA bzw. Ecstasy möglicherweise keine positiven Epiphanie-bezogenen Effekte außerhalb eines Psychotherapie-Kontextes haben, ja, sogar gegenteilige Wirkungen haben könnte (sie fügten hinzu, dass medizinisch verabreichtes MDMA nicht mit Straßen-Ecstasy gleichzusetzen sei, was eine unbekannte Stärke habe und andere Zutaten enthalten kann, die schädlich sein können).

© arznei-news.de – Quellenangabe: Universität Southern California, Journal of Psychopharmacology – doi.org/10.1177/0269881117711712; Aug. 2017

MDMA kann Symptome von PTBS lindern

Die Euphorie verursachende Droge 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA) – besser bekannt als Ecstasy – scheint die Symptome von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) bei Kriegsveteranen, bei Feuerwehrmännern und Polizisten zu verringern laut einer im Fachblatt The Lancet Psychiatry veröffentlichte Studie.

In der Studie in den Vereinigten Staaten wurden drei verschiedene Dosen der Droge an 26 Probandem aus dem öffentlichen Dienst getestet, bei denen die belastende Störung diagnostiziert wurde, nachdem sie ein Trauma in Ausübung ihres Berufs erlitten hatten.

Höhere Dosen bewirkten mehr

Die mit den beiden höheren Dosen – 75 oder 125 Milligramm – behandelten Teilnehmern erreichten eine größere Entlastung der PTBS-Symptome als die unter der kleinsten Dosis von 30 mg.

Alle 26 wurden während der gesamten Studie psychotherapeutisch behandelt und wussten nicht, welche Dosis sie erhielten.

Remission, Heilung

Einen Monat nach ihrer zweiten Dosis, erfüllten 86 Prozent der 75 mg-Gruppe nicht mehr die diagnostischen PTBS-Kriterien, schreiben die Studienautoren.

Die Zahl lag bei 58 Prozent für die 125 mg-Gruppe und 29 Prozent für die 30 mg-Gruppe.

In einem zweiten Teil der Studie konnte bei den Teilnehmern, die zuvor 30 mg eingenommen hatten und ihre Dosis auf 100-125 mg MDMA erhöhten, ein „signifikanter“ Rückgang der Symptome festgestellt werden.

Nach einem Jahr blieb die Schwere der Symptome bei den 26 „deutlich reduziert“, berichteten die Forscher. 16 Teilnehmer, die unter PTBS litten, als sie sich der Studie anschlossen, erfüllten nicht mehr die Kriterien für die Diagnose.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser neuartige Ansatz der Psychopharmakotherapie dazu beitragen kann, die Behandlung der Patienten zu beschleunigen, indem er die Psychotherapie mit einem schnell wirkenden Medikament kombiniert, das nur wenige Male in monatlichen Abständen verabreicht wird, so das Wissenschaftlerteam.

Nur mit Psychotherapie

Aber das bedeute nicht, dass Menschen, die an einer psychiatrischen Störung leiden, sich auf die Suche nach Ecstasy – einer illegalen Droge – in der Hoffnung begeben sollen, sich dadurch besser zu fühlen, schreiben die Forscher.

Zumal auch keine Gewissheit beim Kauf auf der Straße darüber bestehen kann, ob überhaupt Methylendioxymethamphetamin im gekauften „Ecstasy“ enthalten ist.

Die MDMA-Behandlung sollte nur Hand in Hand mit einer Psychotherapie unter Aufsicht eines qualifizierten Arztes bzw. Psychiaters durchgeführt werden.

Nebenwirkungen bzw. unerwünschte Ereignisse

Während der Studie wurden 85 Nebenwirkungen – darunter Angst, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schlaflosigkeit – von 20 Studienteilnehmern berichtet. Es ist nicht klar, ob MDMA oder etwas anderes verantwortlich war. Ein Studienteilnehmer wurde mit Suizidgedanken ins Krankenhaus eingeliefert.

Posttraumatische Belastungsstörung wird durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst. Die Betroffenen leiden noch lange nach der Gefahr – manchmal Jahre – unter Stress und Angst.

Symptome sind Flashbacks und schlechte Träume, und PTBS-Patienten können leicht erschreckt werden oder schnell gereizt sein. Die Erkrankung ist mit einem hohen Suizidrisiko verbunden.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass MDMA helfen kann, PTBS-Symptome bei Opfern von Sexualverbrechen zu lindern.

Zur Studie

Die neueste Studie konzentrierte sich auf 22 Militärveteranen, drei Feuerwehrleute und einen Polizisten.

Die Studie enthielt keine Kontrollgruppe, die ein Placebo bekamen. Sie verglich auch nicht die Wirksamkeit von 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin mit vorhandenen Medikamenten.

Die Experten der Universität Oxford Andrea Cipriani und Philip Cowen beobachteten, dass einige MDMA-Anwender wenige Tage nach dem chemisch induzierten Hoch einen starken Stimmungseinbruch erlebten.

Ein solcher Nebeneffekt wäre besonders besorgniserregend bei Menschen, die für Depressionen und Suizidalität anfällig sind, schreiben sie.

Nun müssen weitere Forschungsarbeiten feststellen, ob die MDMA-Therapie einen wirklichen Nutzen für die Mainstream-Psychotherapie bietet.

© arznei-news.de – Quellenangabe: The Lancet Psychiatry (2018). DOI: 10.1016/S2215-0366(18)30135-4

Studienergebnisse zu Wirksamkeit und Sicherheit von ‚Ecstasy‘ bei PTBS

31.05.2019 Eine in Psychopharmacology veröffentlichte Forschungsarbeit zeigt erhebliche gesundheitliche Verbesserungen durch ‚Ecstasy‘ bei Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), die nicht auf frühere Behandlungen angesprochen hatten. Die Studie untersuchte Sicherheit und Wirksamkeit von MDMA-unterstützter Psychotherapie bei PTBS-Patienten.

Das internationale Forscherteam analysierte die Ergebnisse von sechs klinischen Studien mit 103 Männern und Frauen mit chronischer, behandlungsresistenter PTBS aus den unterschiedlichsten Ursachen.

54 Prozent der Teilnehmer erfüllten nach zwei Sitzungen mit MDMA (auch als Ecstasy oder Molly bekannt) nicht mehr die Kriterien für eine PTBS und es gab auch eine Verbesserung ihrer depressiven Symptome.

Basierend auf diesen Ergebnissen hat die US Food and Drug Administration der MDMA-unterstützten Psychotherapie bei PTBS den Breakthrough-Therapiestatus erteilt und weitere Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit genehmigt.

Das 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin wurde in allen Dosen gut vertragen, schreiben die Studienautoren.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Psychopharmacology – DOI: 10.1007/s00213-019-05249-5

MDMA-unterstützte Therapie bei schwerer PTBS: eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie

14.05.2021 MDMA-unterstützte Therapie ist sicher und wirksam bei der Behandlung von Menschen mit schwerer posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) laut einer in Nature Medicine veröffentlichten Phase-3-Studie. Diese klinische Studie wurde von der FDA als „Breakthrough Therapy“ eingestuft und bietet eine neue Behandlungsmöglichkeit für Menschen, die unter PTBS leiden.

„Ecstasy“

Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer sind die von den Regulierungsbehörden zugelassenen First-Line-Therapeutika für die Behandlung von PTBS, aber fast die Hälfte der Patienten spricht auf diese Medikamente nicht an. Das substituierte Amphetamin MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin; „Ecstasy“) zielt ebenfalls auf das Serotonin-System und hat sich in Tierversuchen und frühen klinischen Studien als vielversprechend für die Behandlung von PTBS erwiesen.

Jennifer Mitchell und Kollegen führten eine randomisierte klinische Phase-3-Studie durch, in der 90 Teilnehmern MDMA in Verbindung mit einer manualisierten Therapie über einen Zeitraum von 18 Wochen verabreicht wurde.

MDMA vs. Placebo

Die Autoren fanden heraus, dass MDMA bei Patienten mit schwerer PTBS gut verträglich war und beobachteten eine signifikante und robuste Reduktion der Symptome im Vergleich zu Patienten, die ein Placebo in Kombination mit einer ähnlichen Therapie erhielten. Dieser Behandlungsansatz war auch bei Patienten mit assoziierten Komorbiditäten, wie Kindheitstrauma, Dissoziation und Depression, wirksam.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die MDMA-unterstützte Therapie im Vergleich zu den derzeitigen pharmakologischen und verhaltenstherapeutischen Erstlinienbehandlungen das Potenzial hat, eine vorteilhafte neue Behandlung für Patienten mit PTBS zu werden, schließen die Studienautoren.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Nature Medicine (2021). DOI: 10.1038/s41591-021-01336-3.





Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

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