Nor-Ursodeoxycholsäure (Nor-Urso, Nor-UDCA)

Primär sklerosierende Cholangitis: Neue Gallensäure Nor-Urso wirkt

16.06.2017 In einer multizentrischen Phase II-Studie der medizinischen Universitäten Wien, Graz und Hannover zeigte sich die synthetische Gallensäure Nor-Ursodeoxycholsäure (kurz Nor-Urso oder Nor-UDCA) wirksam bei der Behandlung von PSC (nicht mit der Ursodesoxycholsäure zu verwechseln).

Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine chronische Inflammation der Gallenwege (Cholangitis) innerhalb / außerhalb der Leber. Sie führt zu Vernarbungen der Leber (Sklerose) und ist damit mit einer Gallenwegsverengung verbunden.

In der Phase II Studie wurden 161 PatientInnen aus 45 Zentren in zwölf europäischen Ländern mit Nor-Ursodeoxycholsäure behandelt. Die Forscher konnten zeigen, dass der Wirkstoff klinisch wirksam, sicher und gut verträglich ist.

Wirksamkeit

NorUDCA reduzierte die ALP-Werte (Serum alkalische Phosphatase) um -12,3%, -17,3% und -26,0% in den 500, 1000 und 1500 mg / d-Gruppen (p = 0,029, = 0,003 und <0,0001 im Vergleich zu Placebo), während ein a + 1,2% Anstieg in der Placebo-Gruppe beobachtet wurde.

Ähnliche dosisabhängige Ergebnisse wurden für die sekundären Endpunkte wie ALT, AST, γ-GT oder die Rate der Patienten beobachtet, deren ALP-Werte <1,5x ULN erreichten.

Sicherheit, Nebenwirkungen

Bei 7 Patienten in der 500 mg/d-, 5 Patienten in der 1000 mg/d-, 2 Patienten in der 1500 mg/d-Gruppe und 3 Patienten in der Placebo-Gruppe traten schwere Nebenwirkungen auf. Es gab keinen Unterschied beim berichteten Pruritus zwischen Behandlungs- und Placebo-Gruppen.

Die häufigsten Nebenwirkungen in allen Behandlungsgruppen waren Nasopharyngitis, Durchfall, Erschöpfung, Arthralgie, Rückenschmerzen, Pruritus und Kopfschmerzen.

Wirkweise

Nor-UDCA wirkt laut den Wissenschaftlern direkt am Gallengang und „spült die Gallenwege durch eine Erhöhung des
bikarbonatreichen Gallenflusses von Giftstoffen frei“. Studienautor Michael Trauner schreibt dazu, dass Nor-Urso dabei zwischen Galle und Leber kreise und genau dort wirke, „wo die entzündlichen Prozesse ablaufen, nämlich direkt im Gallengang“. Die Studienbefunde seien vielversprechend, und die Forscher hoffen, dass Nor-Ursodeoxycholsäure u.a. auch „dazu beitragen kann, Leberfibrose zu stoppen und das Bindegewebe zu verbessern“. Dies soll in einer folgenden dreijährigen Phase III-Studie untersucht werden.
© arznei-news.de – Quelle: norUrsodeoxycholic Acid Improves Cholestasis in Primary Sclerosing Cholangitis Independent of Ursodeoxycholic Acid Pre-treatment and Response.“ Fickert P, Hirschfield GM, Denk G, Marschall HU, Altorjay I, Färkkilä M, Schramm C, Spengler U, Chapman R, Bergquist A, Schrumpf E, Nevens F, Trivedi P, Reiter FP, Tornai I, Halilbasic E, Greinwald R, Pröls M, Manns MP, Trauner MJournal of Hepatology, Juni 2017, DOI: doi: 10.1016/j.jhep.2017.05.009



Dieser Beitrag wurde geposted in Verdauung.

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