Opioide und Antidepressiva

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesen Medikamenten

Bestimmte Opioide weniger wirksam mit SSRI-Antidepressiva

09.02.2019 Bestimmte Opioide sind weniger wirksam zur Behandlung von postoperativen Schmerzen bei Patienten, die selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Antidepressiva einnehmen laut einer in PLOS ONE veröffentlichten Studie.

Postoperative Schmerzbekämpfung

Arjun Parthipan von der Stanford Universität in Kalifornien und Kollegen ermittelten Patienten, die eine Kombination aus SSRI und Prodrug-Opioiden verschrieben bekamen, um die Wirkung dieser Kombination auf die postoperative Schmerzbekämpfung zu untersuchen.

Prodrug-Opioide

Bestimmte Opioide – sogenannte Prodrug-Opioide – benötigen ein Leberenzym, um sie in eine aktive Form umzuwandeln, die Schmerzen lindert – und SSRI-Antidepressiva hemmen diese Metabolisierung.

Die Autoren entwickelten Algorithmen zur Extraktion von depressionsrelevanten Informationen (Diagnose, SSRI-Einsatz, Symptome) und nutzten elektronische Gesundheitsakten zur Erfassung von Informationen über Medikamente, Vitalfunktionen und Demographie.

Die Forscher identifizierten 4.306 OP-Patienten mit Symptomen einer Depression. Von diesen bekamen

  • 14,1 Prozent sowohl ein SSRI als auch ein Prodrug-Opioid,
  • 29,4 Prozent ein SSRI und ein Non-Prodrug-Opioid,
  • 18,6 Prozent ein Prodrug-Opioid, aber ohne SSRI, und
  • 37,5 Prozent ein Non-Prodrug-Opioid und ohne SSRI.

Einfluss auf die Schmerzkontrolle

Patienten, die ein SSRI und ein Prodrug-Opioid einnahmen, hatten eine deutlich schlechtere Schmerzkontrolle bei der Entlassung und der drei- und achtwöchigen Nachsorge als Patienten, die ein SSRI und ein Non-Prodrug-Opioid einnahmen.

Es gab keinen Unterschied bei der Schmerzkontrolle durch Prodrug-Opioide unter den Patienten, die keine SSRI einnahmen. Eine Zunahme oder Abnahme der Schmerzwerte bei der Entlassung, der dreiwöchigen Nachbeobachtung und der achtwöchigen Nachbeobachtung wurde durch den Algorithmus des maschinellen Lernens genau vorhergesagt (0,87; 0,81 und 0,69).

Besser direkt wirkende Opioide verschreiben

Die stärksten Prädiktoren für die postoperative Schmerzkontrolle waren präoperative Schmerzen, Operationsart und Opioidverträglichkeit.

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die verschreibenden Ärzte Schmerzen bei SSRI-Patienten besser durch Non-Opioide oder direkt wirkende Opioide lindern sollten. Direkt wirkende Opioide, zu denen Morphium, Fentanyl und Oxycodon gehören, benötigen kein Leberenzym, um das Medikament in eine schmerzlindernde Form zu überführen.

Depressive Patienten sind einem größeren Schmerzrisiko ausgesetzt, und wir können ihnen nicht besser helfen, weil wir nicht ausreichend über die Medikamente Bescheid wissen, die wir ihnen geben, sagte ein Koautor in einer Erklärung.

© arznei-news.de – Quellenangabe: PLOS ONE – https://doi.org/10.1371/journal.pone.0210575

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