Venlafaxin (Trevilor)

AntidepressivaPsychopharmaka

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  • Feb. 2018 Spezifisches Wirksamkeitsprofil von SSRI und SNRI bei Depression? Vergleich von Venlafaxin und Sertralin … zum Artikel

Wirkung, Einsatz

Venlafaxin (Handelsname Trevilor) ist ein Phenylethylamin-Derivat, ein sogenannter Selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI).

Das Medikament kommt zum Einsatz bei Depressionen und Angststörungen; Off-Label bei diabetischer Polyneuropathie, ADHS.

Mögliche Nebenwirkungen:

Sehr häufig bei Venlafaxin tritt Übelkeit auf.

Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Gefühl von Schwindel,
  • trockener Mund,
  • Ejakulationsstörungen und Libidoabnahme, Orgasmusstörungen und Potenzstörungen beim Mann,
  • Probleme beim Urinieren,
  • Insomnie (Schlaflosigkeit), Gähnen, Sedierung, ungewöhnliche Trauminhalte, Schwäche oder Kraftlosigkeit/Erschöpfung,
  • Anpassungsstörung des Auges, ein- oder beidseitige Weitstellung der Pupille,
  • Erbrechen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Verdauungsstörungen,
  • Nachtschweiß oder allgemein mehr Schwitzen,
  • erhöhte Cholesterinwerte,
  • Abnahme des Gewichts,
  • Sehstörungen,
  • Nervosität, Zittern, erhöhte Muskelspannung,
  • Parästhesien,
  • Anstieg des Blutdrucks, Vasodilatation mit zumeist Hitzewallungen.

Gelegentlich kommt es zu folgenden Nebenwirkungen:

  • Empfindliches Reagieren auf Licht
  • Kreislaufkollaps, Herzrasen, zu niedriger Blutdruck, orthostatische Hypotonie
  • Blutungen der Haut (kleinflächig), Blutungen der Schleimhaut
  • meist nächtliches Zähneknirschen,
  • Durchfall,
  • Veränderungen der Leberwerte,
  • Zunahme des Gewichts,
  • Hyponatriämie,
  • Halluzinationen, Apathie, Myoklonus, Agitiertheit
  • Veränderungen im Geschmack,
  • Tinnitus
  • Ausschlag, Haarausfall
  • Orgasmusstörungen bei der Frau,
  • verlängerte Monatsblutungsdauer,
  • Harnverhaltung

Seltene Nebenwirkungen, die bei Venlafaxin auftreten können:

  • verlängerte Blutungsdauer,
  • Krampfanfälle,
  • Manie-Phasen,
  • Mangel an Blutplättchen,
  • Entzündung der Leber (Hepatitis),
  • Schwartz-Bartter-Syndrom (SIADH),
  • das lebensbedrohliche Krankheitsbild: Malignes Neuroleptika-Syndrom,
  • Krankheitszeichenkomplex durch Akkumulation von Serotonin (Serotonin-Syndrom).

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen, die vorkommen können, sind:

  • akute, krankhafte Reaktion des Immunsystems auf chemische Reize,
  • Blutbildveränderungen (starke Verminderung der Granulozyten, aplastische Anämie, Verminderung der neutrophilen Granulozyten, Panzytopenie),
  • Delirium,
  • Engwinkelglaukom bzw. Winkelblockglaukom,
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse,
  • multiforme Erythema,
  • extrapyramidale Reaktionen (Bewegungsstörungen, Dyskinesien, tardive Dyskinesien),
  • Hauterkrankung mit Quaddeln,
  • Kammerflimmern, ventrikuläres Herzrasen (Torsade de pointes),
  • Prolaktinspiegel-Erhöhung,
  • Juckreiz,
  • pulmonale Eosinophilie,
  • QT- u. QRS-Verlängerung,
  • Auflösung quergestreifter Muskelfasern,
  • Stevens-Johnson-Syndrom.

Dazu liegen Berichte über Feindseligkeit und Suizidgefährdung von Kindern und Jugendlichen vor.
Weiterhin über Verminderung des Appetits, erhöhte Cholesterinwerte, Bauchschmerzen, sowie Agitiertheit und Dyspepsie. Auch Nasenbluten kann vorkommen.

Absetzen – Absetzungssyndrom

Venlafaxin sollte unter ärztlicher Aufsicht ausgeschlichen werden, da es bei abruptem Absetzen zu einem Absetzungssyndrom kommen kann. Symptome dafür sind:

  • Appetitlosigkeit,
  • Angstgefühle, Depersonalisation,
  • Bewegungsdrang, Nervosität, Zittern, Hypomanie,
  • Verwirrung, Wahnideen und verzerrte Wahrnehmung.
  • krankhafte Empfindlichkeit gegenüber Schall, Ohrgeräusche, Geschmacksveränderungen, Parästhesie,
  • Durchfall,
  • Benommenheit, Schwäche,
  • Mundtrockenheit,
  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Albträume, Schlaflosigkeit oder andere Schlafstörungen,
  • Kopfschmerzen,
  • Schwitzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen,
  • verzerrtes Sehen.

Kontraindikationen, Anwendungsbeschränkungen

Gegenanzeigen

Venlafaxin nicht anwenden bei: gleichzeitiger Einnahme von MAO-A-Hemmern – Einnahme mindestens 14 Tage vorher absetzen. Überempfindlichkeit gegen Venlafaxin oder einen der sonstigen Bestandteile; Zurückhaltung, wenn Überempfindlichkeit gegen Tramadol besteht.

Anwendungsbeschränkungen

Venlafaxin nur bedingt anwenden wenn: Aggressivität, Arzneimittelabhängigkeit – Arzneimittelmissbrauch in der Vorgeschichte, Elektrokrampftherapie, Epilepsie in der Vorgeschichte, Krampfanfälle in der Vorgeschichte, Engwinkelglaukom, Alter bis einschließlich 24 Jahre: erhöhte Suizidalität, Glaukom, kurz zurückliegender Herzinfarkt, akuter Herzinfarkt, Herzkrankheit, Hypertonie, Manie..Hypomanie in der (familiären) Vorgeschichte, unter 18 Jahre: Zunahme von Suizidalität (Suizidgedanken und Suizidversuch) und Feindseligkeit (Aggressivität, oppositionelles Verhalten, Wut u.a.), Leberinsuffizienz, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz, Suizidalität.

In der Schwangerschaft: kontraindiziert.
Während der Stillzeit: Nicht stillen.

Handelsnamen

Medikamente, die den Wirkstoff Venlafaxin enthalten, sind:

Arzneimittelwechselwirkungen Venlafaxin

Folgende möglichen klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen sollten bei der Einnahme von Venlafaxin bzw. der Präparate, die den Wirkstoff enthalten, beachtet werden:

  • Agranulozytose: Cyamemazin
  • Blutungsneigung: Warfarin
  • erhöhte Spiegel von: Clozapin, Desipramin, Haloperidol
  • erhöhte Spiegel von: Venlafaxin: Bupropion-HCl, Propafenon-HCl, Ketoconazol
  • Erregungszustand: Isocarboxazid, Phenelzin
  • Halluzinationen: Isocarboxazid
  • Hyponatriämie – Risiko erhöht: Desmopressinazetat
  • Kombination meiden: Alkohol, Almotriptan, Citalopram, Clomipramin-HCl, Desvenlafaxin, Duloxetin, Eletriptan, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxaminhydrogenmaleat, Frovatriptansuccinat, Naratriptan, Oxitriptan, Paroxetin, Phenelzin, Rizatriptan, Serotoninagonisten, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, selektive, Sertralin, Sumatriptan, Tryptophan, Zolmitriptan, Isocarboxazid, Selegilin-HCl, Rimonabant, Tranylcypromin, Rasagilin
  • Lethargie: Phenelzin
  • gesteigerte Reflexe: Isocarboxazid
  • Serotoninsyndrom: Almotriptan, Citalopram, Clomipramin-HCl, Duloxetin, Eletriptan, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxaminhydrogenmaleat, Frovatriptansuccinat, Hypericin in Johanniskrautextrakt, Johanniskrautextrakt, Linezolid, Lithiumsalz, Naratriptan, Oxitriptan, Paroxetin, Rizatriptan, Serotoninagonisten, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, selektive, Sertralin, Sibutramin, Sumatriptan, Tramadol-HCl, Tranylcypromin, Trazodon, Tryptophan, Zolmitriptan, Mirtazapin
  • Tachykardie: Phenelzin
  • Toxizitätssteigerung von: Clozapin, Lithiumsalz:
  • Wasserretention: Desmopressinazetat
  • wechselseitige Toxizitätssteigerung: Desvenlafaxin, Rasagilin
  • Wirkungssteigerung von: Warfarin

Spezifisches Wirksamkeitsprofil von SSRI und SNRI bei Depression? Vergleich von Venlafaxin und Sertralin

Trotz der bekannten Wirksamkeit von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI – wie Sertralin) und Serotonin-Norepinephrin-Wiederaufnahme-Hemmern (SNRI – wie Venlafaxin) bei der Behandlung von schweren depressiven Erkrankungen fehlen die Indikationen für jedes Medikament bei verschiedenen Patientengruppen.

Rolle klinischer soziodemographischer Faktoren

Das Ziel dieser Studie von Gibiino S. von der Universität Bologna und Kollegen war es, die mögliche Rolle klinischer soziodemographischer Faktoren als Moderatoren des klinischen Ansprechens auf Venlafaxin (SNRI) und Sertralin (SSRI) zu untersuchen. Die Forschung wurde an Medline und EMBASE für randomisierte Kontrollstudien in englischer Sprache durchgeführt, die sich auf Sertralin und Venlafaxin bei der Behandlung von schweren depressiven Störungen konzentrierten, und 59 Studien wurden einbezogen.

Die klinische Wirksamkeit jeder Behandlung wurde anhand der Hamilton Depressive Rating Scale und der Montgomery-Asberg Depression Rating Scale beurteilt. Eine Metaregressionsanalyse wurde durchgeführt, um die Rolle der klinischen und soziodemographischen Faktoren als Moderatoren der Ergebnisse zu bewerten und die Wirkung jeder Variablen mit der Methode der Zufallseffekte zu berechnen.

Geschlecht, Ethnizität und Dauer der depressiven Episode

Geschlecht, Ethnizität und Dauer der depressiven Episode könnten eine Rolle bei der Vorhersage des klinischen Ansprechens auf beide Antidepressiva spielen.

Venlafaxin scheint bessere Effekte bei Frauen und weißen Patienten zu haben.

Sertralin scheint bei der Behandlung von Frauen wirkungsvoller zu sein.

Beide Medikamente waren bei Patienten mit einer kürzeren Krankheitsphase wirksamer.

Die Ergebnisse könnten einen interessanten Gesichtspunkt für die Perspektive hinsichtlich der Wahl der am besten geeigneten Therapie auf der Grundlage klinischer und sozialer Merkmale für jeden Patienten darstellen.

Metaregression ist eine retrospektive Analyse, basierend auf den kumulativen Ergebnissen früherer Studien, so dass der Mangel an Originaldaten die Haupteinschränkung in dieser Forschungsarbeit und in der Interpretation der erzielten Ergebnisse darstellen könnten, schreiben die Forscher.

© arznei-news.de – Quellenangabe: 2014, International Journal of Neuropsychopharmacology, 17(1):1-8; Universität Bologna; Feb. 2018

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