ADHS-Medikamente und Suizid

ADHS-Medikamente scheinen Suizidalität nicht zu erhöhen

30.06.2014 Medikamente, die bei Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt werden, scheinen das Risiko für Suizidversuche oder Selbstmord nicht zu erhöhen, und können tatsächlich eine schützende Wirkung entfalten, sagt eine neue schwedische Studie.

Frühere Forschungsstudien hatten angedeutet, dass ADHS-Medikamente das Risiko für suizidales Verhalten erhöhen können, schreiben die Autoren des neuen Berichts. Jedoch halten sie die Befunde jener Studien aufgrund der kleinen Größe oder der verwendeten Methoden für fragwürdig.

Die neue Studie von Henrik Larsson vom Karolinska Institut in Stockholm begleitete fast 38.000 Menschen in Schweden, die zwischen 1960 und 1996 mit ADHS diagnostiziert worden waren.

Larssons Team untersuchte die Häufigkeit suizidalen Verhaltens von 2006 bis 2009 – sowohl während der Phasen, in denen ADHS Medikamente eingenommen wurden, als auch währenddessen sie nicht zum Einsatz kamen.

Das Ergebnis: Die Studie fand keine Belege dafür, dass die Einnahme von ADHS-Arzneimitteln das Risiko für Suizidversuche oder Selbstmord erhöht, berichteten die Forscher im British Medical Journal (BMJ).
„Unsere Arbeit demonstriert sogar eher, dass ADHS-Arzneimittel eine schützende Wirkung haben können“, sagte Larsson.

Die Autoren sagten, die Befunde ihrer Studie sind besonders fest; zum einen aufgrund der hohen Anzahl der Teilnehmer und zum anderen, weil Patienten verglichen wurden, während sie die Medikamente nahmen und während sie sie nicht einnahmen.

Larsson bemerkte, dass viele Populationsstudien zu Risiken bei bestimmten Medikamenten „versäumen, die Unterschiede zwischen den Personen, die die Medikamente nehmen, und jenen, die sie nicht nehmen, zu berücksichtigen. Dies ist eine kritische Beschränkung, da (ADHS-)Medikamente-einnehmende Personen normalerweise schwerer erkrankt sind als die anderen.“

© arznei-news.de – Quelle: Karolinska Institut/British Medical Journal, Juni 2014

ADHS-Medikamente scheinen das Suizidrisiko tatsächlich eher zu senken

03.02.2016 Obwohl sich die öffentliche Aufmerksamkeit vorwiegend auf die potentiellen (unerwünschten) Nebenwirkungen von ADHS-Medikamenten fokussiert, zeigt eine aktuelle Forschung der Universität Montreal, dass sie das Suizidrisiko zu senken scheinen.

Im letzten Jahrzehnt erhöhte sich die medikamentöse Behandlung von ADHS in Quebec um fast das Dreifache: auf 9% bei 10 Jahre alten Jungen und 4% bei 15-jährigen. Die Suizidrate in Quebec halbierte sich jedoch um fast 50 Prozent in dieser Zeit bei 15-19 jährigen Jugendlichen.

Dies widerspricht der Gesundheitswarnung von Health Canada [und anderen Arzneimittel-Behörden], die Black-Box-Warnungen (besonders hervorgehobener Warnhinweis) zum suizidalen Potential dieser Medikamente herausgegeben haben, so die Wissenschaftler.

„Der verstärkte Einsatz von ADHS-Arzneimitteln zeigt eindeutig, dass sie das Risiko für Suizid tatsächlich reduzieren statt vergrößern können“, sagte Koautor Dr. Edouard Kouassi.

Die Forscher glauben, dass ein genauerer Blick auf die mit diesen Medikamenten verbundenen klinischen Ergebnisse ihren Nutzen für die psychische Verfassung zeigen würden – inkl. der Reduktion des Selbstmordrisikos.

Möglicher Grund – Erklärung

Randomisierte kontrollierte Studien haben gezeigt, dass die ADHS-Medikation die üblichen Symptome der Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsmangels lindern, sagten die Forscher in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry. Sie geht auch mit Verbesserungen bei Schulleistung, Selbstbewusstsein, Verhaltensstörungen, Drogenmissbrauch und Schwangerschaften bei Mädchen einher.

Tatsächlich sind diese Störungen und prekären sozialen Situationen mit einem besonders hohen Suizidrisiko verbunden, und nicht die Einnahme dieser Medikamente – die im Gegenteil, Suizid sogar verhindern können, sagten die Autoren.

Und so können die Black-Box-Warnungen von Health Canada [und anderer Arzneimittel-Regulierungsbehörden] zu einer Verringerung der Verschreibungen dieser ADHS-Arzneimittel führen, weil sich die Eltern Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder machen, obwohl grade diese Medikamente sie schützen könnten, schließen die Studienautoren.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Universität Montreal, The Lancet Psychiatry; Feb. 2016





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