Aldosteron und chronische Nierenerkrankung / Niereninsuffizienz

Aldosteron mit erhöhtem Risiko für Progression von chronischer Nierenerkrankung und Niereninsuffizienz im Endstadium verbunden

Aldosteron und chronische Nierenerkrankung / Niereninsuffizienz

09.08.2022 Ein Steroidhormon namens Aldosteron wird mit einem erhöhten Risiko für Nierenversagen bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) in Verbindung gebracht. Dies geht aus einer im European Heart Journal veröffentlichten Studie hervor. Das Risiko, dass sich die chronische Nierenerkrankung verschlimmert und sich zu einer Nierenerkrankung im Endstadium entwickelt, war unabhängig davon, ob die Patienten an Diabetes litten oder nicht.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Aldosteron nicht nur beim Fortschreiten von CKD, sondern auch bei Herz- und Blutgefäßproblemen eine Rolle spielt und dass ein bestehendes Medikament, das auf die Wirkung von Aldosteron abzielt, dazu beitragen könnte, eine Verschlechterung der CKD zu verhindern.

Aldosteron ist ein Steroidhormon, das von den Nebennieren ausgeschüttet wird. Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers zu regulieren, und daher spielt es eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Blutdrucks. Ein Zuviel davon kann zu Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen führen.

Finerenon

Der Hauptautor der Studie Dr. Ashish Verma von der Boston University School of Medicine, USA, sagte: „Kürzlich durchgeführte randomisierte kontrollierte Studien haben gezeigt, dass ein Medikament namens Finerenon das Fortschreiten von CKD und negative kardiovaskuläre Folgen bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und Diabetes wirksam verzögern kann. Die Rolle von Aldosteron in diesem Prozess wurde jedoch nicht direkt untersucht, und die Spiegel des Hormons wurden nicht gemessen.“

Finerenon wirkt auf den nicht-steroidalen Mineralokortikoidrezeptor (MR). Wenn dieser Rezeptor durch Aldosteron aktiviert wird, führen erhöhte Spiegel des Hormons zu Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen.

Die Studie

Verma und seine Kollegen untersuchten den Zusammenhang zwischen der Aldosteronkonzentration im Blut und dem Fortschreiten der Nierenerkrankung bei 3.680 Teilnehmern der Chronic Renal Insufficiency Cohort Study, die zwischen 2003 und 2008 in sieben Kliniken in den USA durchgeführt wurde. Die Teilnehmer waren zwischen 21 und 74 Jahre alt.

Sie konzentrierten sich auf das Fortschreiten der CKD, die definiert wurde als 50 %ige Abnahme der Fähigkeit der Nieren, Blut durch die glomerulären Blutgefäße zu filtern, bekannt als geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), oder als Endstadium der Nierenerkrankung, je nachdem, was zuerst eintritt. Sie begleiteten die Patienten im Durchschnitt (Median) fast zehn Jahre lang. Während dieser Zeit kam es bei 1.412 (38 %) der Teilnehmer zu einem Fortschreiten der Nierenerkrankung.

Sie fanden heraus, dass höhere Aldosteronkonzentrationen mit einer niedrigeren eGFR, niedrigeren Kaliumspiegeln im Blut und höheren Kalium- und Proteinkonzentrationen im Urin verbunden waren.

Nach Bereinigung um mögliche Einflussfaktoren wie Medikamente, andere Erkrankungen, Alter, Rasse, Größe und Gewicht stellten sie fest, dass jede Verdopplung der Aldosteronkonzentration im Blut mit einem um 11 % erhöhten Risiko für das Fortschreiten der Nierenerkrankung verbunden war. Patienten mit Konzentrationen in den oberen 25 % der Gruppe hatten ein um 45 % erhöhtes Risiko im Vergleich zu den 25 % der Patienten mit den niedrigsten Aldosteronkonzentrationen. Das Risiko war ähnlich hoch, unabhängig davon, ob die Patienten auch an Diabetes litten oder nicht.

Verma sagte: „Diese Ergebnisse sind wichtig, da sie darauf hindeuten, dass höhere Konzentrationen von Aldosteron eine Rolle beim Fortschreiten der CKD und bei kardiovaskulären Erkrankungen bei Patienten mit CKD spielen könnten. Diese Studie liefert Belege für den Mechanismus, durch den Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten das Fortschreiten von CKD verzögern könnten, und spricht dafür, ihren Wert bei Patienten ohne Diabetes zu untersuchen“.

In den USA hat die Food and Drug Administration (FDA) die Verwendung von Finerenon für Patienten mit CKD und Diabetes genehmigt. Nun wird in einer randomisierten kontrollierten klinischen Studie die Wirksamkeit und Sicherheit von Finerenon bei nichtdiabetischen CKD-Patienten untersucht. „Diese Studie wird eine wichtige Rolle bei der Beantwortung der Frage spielen, ob eine Therapie mit MR-Antagonisten zur Verzögerung des Fortschreitens der chronischen Nierenerkrankung bei Patienten mit CKD und ohne Diabetes von Nutzen sein wird“, so Verma.

© arznei-news.de – Quellenangabe: European Society of CardiologyEuropean Heart Journal. doi:10.1093/eurheartj/ehac352





Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Aus Lesbarkeitsgründen bitte Punkt und Komma nicht vergessen (keine persönlichen Angaben - wie voller Name, Anschrift etc).