Medikamente gegen Alkoholismus / Alkoholsucht

Liste der bei Alkoholismus eingesetzten Medikamente

Studie überprüfte Wirksamkeit Nalmefen, Naltrexon, Acamprosat, Baclofen oder Topiramat bei Patienten mit Alkoholkrankheit

27.09.2017 Eine neue Studie der Fachzeitschrift Addiction hat keine verlässlichen Belege für den Einsatz von Nalmefen, Naltrexon, Acamprosat, Baclofen oder Topiramat zur Kontrolle des Alkoholkonsums bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit bzw. Alkoholkrankheit gefunden.

Im besten Fall zeigten einige Medikamente eine geringe bis mittlere Wirksamkeit bei der Reduktion des Trinkverhaltens, aber diese Ergebnisse stammen aus Studien mit einem hohen Risiko für Verzerrungen. Keine von ihnen zeigte einen Nutzen für die Gesundheit.

Die aktuelle Studie umfasste die Ergebnisse von 32 randomisierten kontrollierten Doppelblindstudien mit 6.036 Patienten, die zwischen 1994 und 2015 veröffentlicht wurden.

Die Studien verglichen die Wirkungen von oralem

  • Nalmefen (n=9),
  • Naltrexon (n=14),
  • Acamprosat (n=1),
  • Baclofen (n=4) und
  • Topimarat (n=4)

im Vergleich zu Placebo.

Bias

Viele der Studien lieferten unzuverlässige Ergebnisse aufgrund des Risikos für Bias (potentielle Übertreibung der Wirkungen des Medikaments).

26 Studien (81%) zeigten ein unklares oder hohes Risiko unvollständiger Ergebnis-Daten aufgrund der großen Anzahl von Abbrüchen. Siebzehn Studien (53%) zeigten ein unklares oder hohes Risiko für selektive Berichte, da sie keine Protokollnummer enthielten, die es einem anderen Forscher ermöglichen würde, zu überprüfen, ob alle Ergebnisse gemeldet wurden.

Der leitende Autor Dr. Clément Palpacuer vom französischen INSERM sagte dazu, dass der Bericht auf allen frei verfügbaren Daten in der Öffentlichkeit dieses Zeitraumes basiert.

Keine eindeutige Aussage derzeit möglich

Jedoch fanden sie keine eindeutigen Belege für den Nutzen dieser Medikamente zur Kontrolle des Alkoholkonsums bei Alkoholabhängigkeit.

Das bedeutet nicht, dass die Medikamente nicht wirksam sind; es bedeutet, dass wir noch nicht wissen, ob sie wirksam sind, sagte Palpacuer.

Deshalb würden bessere Studien benötigt. Die Forscher müssen dringend belegen, welche dieser Medikamente wirksam in eine reale Strategie zur Schadensminderung umgesetzt werden können.

© arznei-news.de – Quellenangabe: INSERM; Addiction – DOI: 10.1111/add.13974; Sept. 2017

Studie untersuchte Wirksamkeit von pharmakologischen Behandlungen der Alkoholabhängigkeit in der Praxis

18.01.2021 Medikamente gegen Alkoholismus bzw. Alkoholsucht sind empfehlenswert, wird aber zu wenig eingesetzt, möglicherweise aufgrund mangelnden Wissens über die Medikamente, schreiben die Studienautoren einer in Addiction veröffentlichten Forschungsarbeit.

Ziel dieser Studie war es, die Real-World-Effektivität (also die Wirksamkeit in der Praxis) zugelassener pharmakologischer Behandlungen (Disulfiram, Acamprosat, Naltrexon und Nalmefen) bei Alkoholabhängigkeit zu untersuchen.

Die Studie

Die Studie basierte auf über 125.000 in Schweden lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter, deren Behandlungskontakt aufgrund von Alkoholkonsum-Störung aus landesweiten Registern ermittelt wurde.

Die Hauptanalysemethode in dieser pharmakoepidemiologischen Studie war ein sogenanntes intra-individuelles Design, bei dem jede Person als ihre eigene Kontrolle fungiert. Zeiträume der Nichtverwendung werden mit Zeiträumen verglichen, in denen ein Medikament von derselben Person verwendet wurde, indem für zeitlich variierende Faktoren wie Zeit seit der ersten Diagnose, zeitliche Reihenfolge der Behandlungen und gleichzeitige Verwendung anderer Medikamente adjustiert wurde.

Medikamente werden zu wenig eingesetzt

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Medikamente zur Behandlung von Alkoholismus zu wenig genutzt werden, da nur etwa ein Viertel der Personen, bei denen eine Alkoholkrankheit diagnostiziert wurde, eines der Medikamente verwendet.

Naltrexon senkte Risiko für Krankenhausaufenthalt

Personen, die Naltrexon in Kombination mit Acamprosat [Hazard Ratio (HR) = 0,74; 95 % Konfidenzintervall (KI) = 0,61-0,89], in Kombination mit Disulfiram (HR = 0,76, 95 % KI = 0,60-0,96) oder als Monotherapie (HR = 0,89, 95 % KI = 0,81-0,97) einnahmen, hatten ein deutlich niedrigeres Risiko für eine Krankenhausaufnahme verbunden mit Alkoholabhängigkeit als Teilnehmer, die keines der Medikamente gegen Alkoholsucht einnahmen.

Ähnliche Ergebnisse wurden für das Risiko einer Krankenhauseinweisung aufgrund jeglicher Ursache gefunden.

Benzodiazepin– und Acamprosat-Monotherapie waren mit einem erhöhten Risiko für eine Alkoholismus-Hospitalisierung assoziiert (HR = 1,18, 95% CI = 1,14-1,22 bzw. HR = 1,10, 95% CI = 1,04-1,17).

Es wurden keine statistisch signifikanten Effekte für Arbeitsunfähigkeit oder Mortalität festgestellt.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Addiction – DOI: 10.1111/add.15384.





Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

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