Anabolika und das Gehirn

Anabole androgene Steroide beschleunigen die Gehirnalterung

25.03.2021 Anabole androgene Steroide (AAS, auch einfach als Anabolika bezeichnet, obwohl es noch andere Anabolika-Medikamentengruppen gibt), eine synthetische Version des männlichen Sexualhormons Testosteron, werden manchmal als medizinische Behandlung für ein Hormonungleichgewicht verwendet.

Aber die überwiegende Mehrheit dieser Anabolika wird zur Steigerung der sportlichen Leistung oder zum Muskelaufbau eingesetzt. Die Verwendung von anabolen androgenen Steroiden erhöht die Muskelmasse und die Kraft, und es ist bekannt, dass ihre Verwendung viele Nebenwirkungen hat, die von Akne über Herzprobleme bis hin zu erhöhter Aggressivität reichen.

Eine neue Studie deutet nun darauf hin, dass diese Anabolika auch schädliche Auswirkungen auf das Gehirn haben können und es vorzeitig altern lassen. Der Forschungsbericht ist in Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging erschienen.

Der Gebrauch von anabolen Steroiden wurde mit einer Reihe von medizinischen und psychologischen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, sagt die Hauptautorin Astrid Bjørnebekk vom Oslo University Hospital in Norwegen. Da anabole Steroide jedoch erst seit etwa 35 Jahren eingesetzt werden, befinden wir uns noch in der Anfangsphase, um das volle Ausmaß der Auswirkungen nach längerem Gebrauch zu erfassen. Die am wenigsten untersuchten Effekte sind diejenigen, die das Gehirn betreffen.

Steroidhormone gelangen leicht ins Gehirn, und Rezeptoren für Sexualhormone finden sich überall im Gehirn. Da anabole Steroide in viel höheren Dosen verabreicht werden als die, die natürlicherweise im Körper vorkommen, könnten sie einen schädlichen Einfluss auf das Gehirn haben, vor allem über einen langen Zeitraum des Gebrauchs. Frühere Studien haben gezeigt, dass AAS-Anwender bei kognitiven Tests schlechter abschnitten als Nicht-Anwender.

Dr. Bjørnebekk und Kollegen führten eine Magnetresonanztomographie (MRT) der Gehirne von 130 männlichen Gewichthebern mit einer Vorgeschichte von längerem Anabolika-Konsum und von 99 Gewichthebern, die nie Anabolika eingesetzt hatten, durch. Sie verwendeten Daten von fast 2.000 gesunden Männern im Alter von 18 bis 92 Jahren. Die Forscher nutzten maschinelles Lernen, um das Hirnalter der Teilnehmer zu bestimmen und die Differenz (Hirnalter-Differenz) zwischen dem chronologischen Alter jedes Teilnehmers und seinem vorhergesagten Hirnalter. Ein fortgeschrittenes Hirnalter wird mit einer verminderten kognitiven Leistung und einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen (Demenz, Alzheimer etc.) in Verbindung gebracht.

Es überraschte die Forscher nicht, dass Anabolika-Konsumenten im Vergleich zu Nicht-Konsumenten eine größere Hirnalter-Differenz aufwiesen. Diejenigen mit einer Anabolika-Abhängigkeit bzw. die länger anabole Steroide eingesetzt hatten zeigten eine beschleunigte Hirnalterung. Die Forscher berücksichtigten den Gebrauch von anderen Substanzen und Depressionen bei den Männern, was den Unterschied zwischen den Gruppen nicht erklärte.

Diese wichtige Studie zeigt in einer großen Stichprobe, dass der Konsum dieser Anabolika mit einer abweichenden Gehirnalterung verbunden ist, mit einer möglichen Auswirkung auf die Lebensqualität im Alter. Die Ergebnisse könnten für Angehörige der Gesundheitsberufe direkt nützlich sein und möglicherweise präventive Auswirkungen haben, indem die Auswirkungen auf das Gehirn auch in die Risikobewertung für junge Männer einbezogen werden, die sich fragen, ob sie Anabolika verwenden sollten, fügte Dr. Bjørnebekk hinzu.

Cameron Carter, Herausgeber von Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging, sagte über die Studie: Die Ergebnisse dieser Studie sollten für Athleten, die Anabolika zur Leistungssteigerung verwenden, Anlass zur Sorge sein und legen nahe, dass die negativen Auswirkungen auf Verhalten und Kognition, die zuvor bei langfristigem Gebrauch gezeigt wurden, das Ergebnis von Auswirkungen auf das Gehirn in Form einer beschleunigten Hirnalterung sind.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging (2021). DOI:10.1016/j.bpsc.2021.01.001.





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