Absetzen von Antipsychotika / Neuroleptika

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesen Medikamenten; Erfahrungsberichte zum Absetzen von Neuroleptika

Um Absetzsymptome zu vermeiden, sollten Patienten die Dosis von Antipsychotika über Monate oder sogar Jahre langsam reduzieren

25.03.2021 Das Absetzen von Antipsychotika (auch Neuroleptika genannt) kann Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen, und die Patienten müssen allmählich auf sehr niedrige Dosen reduziert werden laut einer in Schizophrenia Bulletin veröffentlichten Studie.

Laut den Studienautoren ist dies die erste wissenschaftliche Arbeit überhaupt, die beschreibt, wie genau die antipsychotische Medikation verringert werden sollte, um sowohl die Entzugserscheinungen als auch das Risiko eines Rückfalls zu minimieren.

Die Entzugssymptome können schwerwiegend sein und psychotische Symptome einschließen, die der Grunderkrankung ähnlich sind. Deshalb wird den Patienten oft geraten, die Medikation auf unbestimmte Zeit beizubehalten, obwohl die neuen Symptome bei einem sorgfältig geführten Absetzen vermeidbar gewesen wären.

Richtlinien zum Absetzen (Ausschleichen)

Hauptautor Dr. Mark Horowitz vom University College London sagt: Überraschenderweise gibt es keine veröffentlichten Richtlinien, wie man Antipsychotika absetzen kann. Aus eigener Erfahrung weiß er, wie schwer es sein kann, psychiatrische Medikamente abzusetzen – deshalb haben die Forscher versucht, einen Leitfaden zu schreiben, wie man Antipsychotika sicher absetzen kann. Das Absetzen dieser Psychopharmaka ist ein wichtiger Teil der Arbeit eines Psychiaters, aber es hat relativ wenig Aufmerksamkeit erhalten, sagt er.

Diese neuen Richtlinien zum Absetzen (Ausschleichen) von Antipsychotika stimmen mit den Richtlinien überein, die dieselben Forscher vor kurzem zum sicheren Absetzen von Antidepressiva veröffentlicht haben.

Die Prinzipien sind ähnlich: vorsichtig und in kleinen Mengen absetzen und sicherstellen, dass die Patienten stabil sind (mit empfohlenen drei- bis sechsmonatigen Intervallen zwischen den Dosisreduktionen), bevor weitere Reduktionen vorgenommen werden.

Flüssige Versionen des Medikaments oder klein dosierte Formulierungen werden benötigt, um die Patienten dabei zu unterstützen, damit sie die Tabletten nicht selbst zerkleinern müssen.

D2-Blockade

Die Studienautoren legen nahe, dass die Reduktion von Antipsychotika allmählich (über Monate oder Jahre) und in einer hyperbolischen Weise (um die D2-Blockade „gleichmäßig“ zu verringern) erfolgen sollte: d.h. die Reduktion um ein Viertel (oder die Hälfte) der letzten Dosis des Antipsychotikums, was ungefähr einer Reduktion von 5 (oder 10) Prozentpunkten der D2-Blockade entspricht, sequentiell (so dass die Reduktionen immer kleiner werden, während die Gesamtdosis abnimmt), in Intervallen von 3-6 Monaten, titriert nach individueller Verträglichkeit.

Manche Patienten ziehen es vor, jeden Monat mit 10 % oder weniger der letzten Dosis zu reduzieren. Dieser Prozess könnte den zugrundeliegenden Anpassungen Zeit geben, sich zu lösen, was möglicherweise das Risiko eines Rückfalls beim Absetzen verringert.

Die letzten Dosen vor dem vollständigen Absetzen müssen möglicherweise so klein wie 1/40 einer therapeutischen Dosis sein, um einen starken Abfall der D2-Blockade beim Absetzen zu verhindern. Dieser Ansatz sollte in randomisierten kontrollierten Studien getestet werden.

Der Grund für das langsame Ausschleichen

Der Grund für das langsame Ausschleichen von Psychopharmaka ist, dass sich unser Gehirn an die langfristige Einnahme von Medikamenten wie Antipsychotika anpasst (so wie es auch bei Nikotin, Koffein oder Opioiden der Fall ist).

Wenn Medikamente zu schnell abgesetzt werden, können Menschen Entzugserscheinungen bekommen (die bei Antipsychotika Schlaflosigkeit, Zittern und manchmal psychotische Symptome beinhalten können) oder durch den Prozess des Absetzens destabilisiert werden.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Schizophrenia Bulletin (2021). DOI: 10.1093/schbul/sbab017.

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Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

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