Antidepressiva bei Krebspatienten

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu Antidepressiva

Welches Antidepressivum bei depressiven Krebspatienten?

15.07.2014 Depression ist bei Krebskranken weit verbreitet: Fast die Hälfte aller Patienten mit Krebs erfahren leichte bis schwere depressive Symptome. Wenn Depression zusammen mit Krebs auftritt, haben die Patienten ein erhöhtes Risiko, am Krebs oder durch Suizid zu sterben.

Normalerweise werden Antidepressiva verschrieben, aber die Belege für ihre Wirksamkeit sind nicht eindeutig. Die Rolle von Antidepressiva bei der Behandlung krebsgebundener Depression ist nicht rigoros untersucht worden. Um das optimale Verfahren für die Behandlung von Depression bei Krebs herauszufinden, erstellten Forscher der Geisel School of Medicine at Dartmouth, USA, eine systematische Übersicht und Metaanalyse vorhandener Forschungsstudien. Der Bericht wurde in General Hospital Psychiatry veröffentlicht.

Die Überprüfung identifizierte zwei Klassen von Antidepressiva, die Depressionssymptome reduzierten:

  1. Einen Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten: Mianserin (Tolvin)
  2. Zwei selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer: Fluoxetin (Prozac) und Paroxetin (Paxil).

Die verfügbaren Belege wiesen darauf hin, dass Paroxetin und Fluoxetin die depressiven Symptome verbessern können, aber weniger gut vertragen werden.

Miaserin zeigte auch eine höhere Depressionsansprechrate (verglichen mit einer Placebo-Behandlung), Paroxetin und Fluoxetin jedoch nicht. Die Reaktionszeiten waren niedrig, was auf nur bescheidene Veränderungen bei den depressiven Symptomen hinweist.

Das gesamte Belegmaterial bei den Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten basierte auf einem einzelnen Medikament: Mianserin, sagte Natalie Riblet vom Fachbereich für Psychiatrie. Leider ist das vielversprechendste Antidepressivum Mianserin nicht in den USA verfügbar (in Deutschland schon: unter dem Namen Tolvin). Mirtazapin ist ein naher pharmakologischer Verwandter von Mianserin; es könnte einen klinischen Nutzen haben, die Rolle von Mirtazapin bei krebsgebundener Depression weiter zu erkunden.“

In Bezug auf das Nebenwirkungsprofil schien Mianserin leichter verträglich; Paroxetin zeigte aufgrund der Nebenwirkungen eine leicht höhere, aber nicht-signifikantere Dropout-Rate verglichen mit einem Placebo; Fluoxetin zeigte eine deutlich höhere Dropout-Rate als eine Placebo-Behandlung, obwohl dieser Befund nicht mehr signifikant nach der Entfernung eines Studienausreißers war.

Arzneimittelwechselwirkungen zwischen Chemotherapeutika und Antidepressiva sind möglich, sagte Riblet. Insbesondere kann Tamoxifen, ein häufig eingesetztes Chemotherapeutikum, mit bestimmten Antidepressiva interagieren und das Risiko ernster Nebenwirkungen erhöhen.

Die verschiedenen Klassen der Antidepressiva arbeiten über verschiedene Neurotransmitter. Die Studie berichtet, dass die Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten – also Mianserin – aufgrund ihres pharmakologischen Profils (welches Noradrenalin und Serotonin erhöht) besonderes vielversprechend bei Krebspatienten sind. Alpha-2 adrenergen Rezeptorantagonisten erhöhen weniger wahrscheinlich, häufig vorkommende Serotonin-gebundene Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Agitation, Überspanntheit oder sexuelle Funktionsstörungen, können aber zu einer Sedierung beitragen.

Die Untersuchung analysierte 4.700 Aufzeichnungen von 1.169 Patienten aus verschiedenen Ländern aus randomisierten Studien zwischen 1985 und 2011. 83 Prozent der Teilnehmer waren weiblich in einem Durchschnittsalter von 54 Jahren.

Es gibt wenig Belege zur Rolle von Antidepressiva bei krebsgebundener Depression, sagte Riblet. Unsere Befunde legen nahe, dass es einen Bedarf nach qualitativ hohen, randomisierten klinischen Studien gibt, die die Rolle der AD bei der Behandlung krebsgebundener Depression erforschen.

© arznei-news.de – Quelle: Geisel School of Medicine/General Hospital Psychiatry, Juni 2014

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