Antidepressiva verringern Suizidrisiko älterer Menschen in Pflegeheimen

Studie untersuchte die Verwendung psychoaktiver Medikamente und das Suizidrisiko bei Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen

01.04.2022 Ein geringeres Suizidrisiko wurde bei älteren Menschen über 75 Jahren festgestellt, die in Langzeitpflegeeinrichtungen leben und denen Antidepressiva verschrieben wurden. Laut einer im International Journal of Geriatric Psychiatry veröffentlichten Studie war das Suizidrisiko bei Personen, die Medikamente gegen Schlafprobleme einnahmen, doppelt so hoch.

Trotz der zunehmenden Zahl älterer Menschen, die Langzeitpflege benötigen und bei denen häufig belastende Lebensumstände und psychiatrische Erkrankungen vorliegen, die das Risiko von Selbstverletzungen erhöhen, wurde das Thema Suizid in diesem Umfeld bisher kaum untersucht.

Antidepressiva werden in Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen in großem Umfang eingesetzt, und es wurden Bedenken hinsichtlich möglicher suizidogener Wirkungen dieser Medikamente geäußert. Sahlgrenska Suicide Studies, eine Forschungsgruppe innerhalb von AgeCap, dem Zentrum für Altern und Gesundheit an der Universität Göteborg, führte eine große nationale Kohortenstudie durch, um die Verwendung von psychoaktiven Medikamenten und das Suizidrisiko bei älteren Personen zu untersuchen, die in Langzeitpflegeeinrichtungen leben.

Antidepressiva scheinen zu schützen

Die Untersuchung verknüpfte nationale Bevölkerungsregister und umfasste eine Kohorte von über 280.000 schwedischen Einwohnern im Alter von 75 Jahren und älter, die in einer Langzeitpflegeeinrichtung lebten und bis zu neun Jahre lang beobachtet wurden.

Während dieses Zeitraums starben 110 Personen (64 Männer und 46 Frauen) durch Suizid. Die Hälfte dieser Todesfälle ereignete sich während des ersten Jahres des Aufenthalts. Das Suizidrisiko war bei den Antidepressiva einnehmenden Pflegeheimbewohnern geringer.

„Dieses Ergebnis deutet auf eine positive Wirkung von Antidepressiva bei älteren Menschen in diesen Pflegeeinrichtungen hin, aber es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um diesen Zusammenhang genauer zu ergründen“, sagt Studienautorin Dr. Khedidja Hedna.

Früherkennung und hochwertige Pflege

Das Suizidrisiko war bei Personen, die Medikamente gegen Schlafprobleme einnahmen, doppelt so hoch und bei denjenigen, die sich schon einmal selbst verletzt hatten, fünfzehnmal so hoch. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit für das Pflegepersonal, die Vorgeschichte der Bewohner zu kennen, um die Früherkennung zu verbessern und die psychische Gesundheit von Personen, die zusätzliche Unterstützung benötigen, angemessen zu überwachen.

„Unsere Ergebnisse geben einen Anstoß, die Qualität der Pflege älterer Menschen in der Langzeitpflege zu verbessern. Es kann mehr getan werden, um die psychische Gesundheit älterer Menschen in der häuslichen Pflege zu verbessern“, sagt Studienleiterin Prof. Margda Waern.

© arznei-news.de – Quellenangabe: International Journal of Geriatric Psychiatry (2022). DOI: 10.1002/gps.5684

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