Antiepileptika, Antikonvulsiva in der Schwangerschaft

Die Einnahme von Antikonvulsiva während der Schwangerschaft schadet der neurologischen Entwicklung von Kleinkindern nicht

Antiepileptika, Antikonvulsiva in der Schwangerschaft

20.07.2023 Die meisten Mütter, die während der Schwangerschaft verschreibungspflichtige Medikamente gegen Krampfanfälle (sogenannte Antikonvulsiva oder Antiepileptika) einnehmen oder eingenommen haben, können aufatmen: Eine neue in der Zeitschrift The Lancet Neurology veröffentlichte Studie hat ergeben, dass Kleinkinder, die im Mutterleib häufig verschriebenen Medikamenten ausgesetzt waren, keine schlechteren neurologischen Entwicklungsergebnisse aufweisen als Kinder gesunder Frauen.

Gängige Antiepileptika wie Lamotrigin und Levetiracetam gelten im Allgemeinen als wirksam und sicher, insbesondere im Vergleich zu vielen Epilepsiemedikamenten der ersten Generation, die mit erheblichen Risiken für das ungeborene Kind verbunden waren. Auch wenn Epilepsie nicht mehr ein Grund sein mag, der jemanden davon abhält, eine Familie zu gründen, gibt es immer noch nicht genügend Informationen darüber, wie sich die von der Mutter eingenommenen Medikamente auf die Entwicklung von Mutter und Kind nach der Geburt auswirken.

Die neue Studie beruhigt Patientinnen und bietet Neurologen eine Orientierungshilfe, die vor der Herausforderung stehen, ein fragiles Gleichgewicht zwischen der Verschreibung von Medikamentendosierungen zu wahren, die die Anfälle der Mutter unterdrücken, aber kein erhöhtes Risiko neurologischer Komplikationen für das Kind mit sich bringen.

Eine pauschale Aussage, dass alle Medikamente gegen Krampfanfälle schlecht sind, ist zu simpel und macht biologisch keinen Sinn, sagt die Hauptautorin Page Pennell, Professorin für Neurologie an der Universität von Pittsburgh. „Wenn wir sagen können, dass die Einnahme dieser Medikamente das Risiko für Autismus oder Lernschwierigkeiten bei ihrem zukünftigen Kind nicht erhöht, hat das große Auswirkungen auf Frauen mit Epilepsie, die eine Schwangerschaft in Betracht ziehen.“

Die Studie

Die Maternal Outcomes and Neurodevelopmental Effects of Antiepileptic Drugs (MONEAD) Studie wurde vor zwei Jahrzehnten mit dem Ziel ins Leben gerufen, hochwertige Informationen darüber zu liefern, wie sich Antiepileptika auf Mutter und Kind auswirken. Für die prospektive Beobachtungsstudie wurden Frauen aufgenommen, die in zwanzig medizinischen Zentren in den Vereinigten Staaten wegen Epilepsie behandelt wurden, und sie und ihre Babys während der Schwangerschaft und mehrere Jahre nach der Geburt beobachtet.

Um die Auswirkungen der fetalen Medikamentenexposition zu beurteilen, wurden Kinder im Alter von drei Jahren auf ihren Wortschatz und ihr Sprachverständnis sowie ihre Fähigkeit, einfache Bilder zu beschreiben, getestet. Kinder von Frauen mit Epilepsie waren genauso gut in der Lage, einfache Objekte und Bilder verbal zu beschreiben wie Kinder von Frauen ohne Epilepsie. Ihre Fähigkeit, Sprache zu verstehen, war auch mit der von Kindern im gleichen Alter vergleichbar, die von Frauen ohne Epilepsie geboren wurden, was unterstreicht, dass sowohl Lamotrigin als auch Levetiracetam ein geringes Risiko für eine negative Beeinflussung der kognitiven Leistungen bergen.

Hohe Dosierung von Levetiracetam birgt Risiko

In einer sekundären Analyse stellten die Forscher fest, dass eine hohe Dosierung von Levetiracetam im dritten Schwangerschaftsdrittel mit nachteiligen Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung des Kindes verbunden war, und empfehlen eine besonders sorgfältige Überwachung des Blutspiegels dieses Medikaments und eine durchdachte Dosierungsstrategie. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, um festzustellen, ob dies auch für andere, weniger verbreitete Medikamente gegen Krampfanfälle zutrifft.

Das Screening auf Stimmungs- und Angststörungen ist ein weiterer wichtiger Faktor, den Kliniker berücksichtigen müssen. Im Rahmen der Studie stellten die Forscher fest, dass eine erhöhte Angst der Mutter und – in geringerem Maße – eine Depression negative Auswirkungen auf das Neugeborene haben.

© arznei-news.de – Quellenangabe: The Lancet Neurology DOI:https://doi.org/10.1016/S1474-4422(23)00199-0

News zu Antiepileptika in der Schwangerschaft

Antiepileptika in der Schwangerschaft und Entwicklungsstörungen beim Kind

Kinder, deren Mütter antiepileptische Medikamente (Antikonvulsiva) in der Schwangerschaft einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für frühe Störungen in der Entwicklung (motorische Entwicklung, Sprachfertigkeiten, soziale Kompetenz und autistische Eigenschaften), nach einer neuen Studie.

Antiepileptische Medikamente während Schwangerschaft

Ein norwegisches Forscherteam untersuchte Kinder aus einer norwegischen Mutter- und Kind Kohortenstudie (1999 bis 2008 – Mütter in der 13 bis 17 Woche).

Die Mütter berichteten über motorische Entwicklung, Sprachfertigkeiten, soziale Kompetenz und autistische Eigenschaften ihrer Kinder als diese 18 Monate (61.351 Kinder) und 36 Monate (44.147 Kinder) alt waren.

Die Studie fand heraus, dass 333 Kinder Antiepileptika in der Schwangerschaft ausgesetzt waren.

Grobmotorik, Sprache, Autismus, Geburtsfehler

Nach 18 Monaten zeigten diese Kinder ein erhöhtes Risiko für eine anormale grobmotorische Entwicklung und autistische Eigenschaften, berichteten die Forscher.

Nach 36 Monaten zeigten die Kinder ein schlechteres Abschneiden bei Grobmotorik und Satzbildung, sowie eine Verstärkung der autistischen Eigenschaften, verglichen mit Kindern, die Antiepileptika nicht ausgesetzt waren.

Die Forscher bemerkten, dass Kinder, die Antiepileptika ausgesetzt waren, ein gesteigertes Risiko für Geburtsfehler hatten.

Kein erhöhtes Risiko bei Epilepsie (ohne Medikamenteneinnahme)

Bedeutend ist, fügten sie hinzu, dass es kein gesteigertes Risiko für Entwicklungsstörungen bei Kindern von Frauen mit Epilepsie gab, die keine antiepiletisch wirkenden Medikamente während der Schwangerschaft eingenommen hatten. Kinder von Vätern mit Epilepsie erzielten Scores innerhalb der normalen Bereiche für frühe Kindheitsentwicklung.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Haukeland University Hospital, Juli 2013

Kein erhöhtes Risiko durch Antiepileptika für Gesundheit des Kindes

23.02.2017 Kinder, deren Mütter Antiepileptika / Antikonvulsiva während der Schwangerschaft eingenommen haben, zeigten sich nicht krankheitsanfälliger als Kinder, deren Mütter diese Medikamente nicht in der Schwangerschaft einnahmen laut einer in BMJ Open veröffentlichten Studie.

Frühere Studien haben gezeigt, dass Epilepsie-Medikamente zu angeborenen Missbildungen beim Fötus führen können, und dass der Gebrauch dieser Medikamente während der Schwangerschaft die Entwicklung des Gehirns der Kinder beeinflussen kann.

Folgen für die Gesundheit

Doch laut der aktuellen Studie der Aarhus Universität scheint die Einnahme von Antiepileptika in der Schwangerschaft nicht die Gesundheit des Kindes zu gefährden.

In der Studie haben sich die Forscher angeschaut, ob Kinder mit einer Exposition in utero gegenüber Antikonvulsiva häufiger Kontakt mit dem Hausarzt hatten als andere Kinder: Es gab keinen signifikanten Unterschied, sagte Studienleiterin Anne Mette Lund Würtz.

Von den 963.010 dänischen Kindern der Studie, die zwischen 1997 und 2012 geboren worden waren, hatten 4.478 Kontakt mit Antiepileptika während der Schwangerschaft.

Epilepsie, Migräne, Bipolare Störung

Diese Medikamente werden auch bei der Behandlung anderer Erkrankungen wie Migräne und Bipolare Störung eingesetzt. Die Studie zeigt, dass es keinen Unterschied machte, ob die Frauen die Antiepileptika in der Schwangerschaft einnahmen zur Behandlung von Epilepsie, oder von Migräne, Bipolarer Störung.

Die Analysen berücksichtigten Unterschiede und mögliche Störfaktoren wie: Geschlecht des Kindes und Geburtsdatum, Alter der Mutter, Familiensituation, Einkommen, Bildungsniveau, psychische Erkrankungen, Einnahme von anderen Psychopharmaka und Insulin, und Substanz-Missbrauch.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Aarhus Universität, BMJ Open – DOI: 10.1136/bmjopen-2016-012836; Feb. 2017

Antikonvulsiva während der Schwangerschaft und Verhaltensstörungen in der späteren Kindheit

13.06.2019 Eine in Epilepsia publizierte Studie hat ein erhöhtes Risiko für Verhaltensprobleme bei Kindern von Müttern mit Epilepsie festgestellt, die während der Schwangerschaft gängige Antiepileptika einnahmen.

In der Epilepsie-Studie wurden Verhaltensfragebogen für 181 Kinder im Alter von 6 bis 7 Jahren ausgefüllt, und für die meisten Kinder haben beide Elternteile die Fragebogen zum Verhalten bzw. zu Verhaltensstörungen der Kinder ausgefüllt.

Basierend auf den elterlichen Bewertungen waren Valproat-exponierte Kinder am stärksten betroffen, aber auch Eltern von Carbamezepin-, Lamotrigin- und Levetiracetam-exponierten Kindern berichteten über Verhaltensprobleme, schreiben die Wissenschaftler um Yfke Huber-Mollema von der Universität Amsterdam.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Epilepsia – https://dx.doi.org/10.1111/epi.15968

Schwangerschaft: Studie legt Teratogenität einiger Antiepileptika nahe

17.06.2019 Pierre-Olivier Blotière von der French National Health Insurance in Paris und Kollegen führten eine landesweite Kohortenstudie aller Schwangerschaften ≥20 Wochen zwischen Januar 2011 und März 2015 durch, um Verbindungen zwischen der Exposition gegenüber einer Monotherapie mit 10 verschiedenen Antiepileptika in den ersten zwei Monaten der Schwangerschaft und dem Risiko für Teratogenität (23 schwere angeborene Fehlbildungen) zu untersuchen.

Die in Neurology veröffentlichten Daten wurden für 1.886.825 Schwangerschaften erhoben, in denen von

  • 2.997 Personen Lamotrigin,
  • 1.671 Pregabalin,
  • 980 Clonazepam,
  • 913 Valproinsäure / Valproat,
  • 579 Levetiracetam,
  • 517 Topiramat,
  • 512 Carbamazepin,
  • 365 Gabapentin,
  • 139 Oxcarbazepin und
  • 80 Phenobarbital eingenommen wurden.

Die Forscher fanden heraus, dass acht spezifische Arten von angeborene Fehlbildungen mit einer Exposition gegenüber Valproinsäure in Verbindung gebracht wurden (z.B. Spina bifida, Odds Ratio 19,4).

Die Exposition gegenüber Topiramat korrelierte mit einem erhöhten Risiko für Lippenspalte (Quotenverhältnis 6,8).

Drei weitere Signale wurden identifiziert. Es wurden keine signifikanten Korrelationen für Lamotrigin, Levetiracetam, Carbamazepin, Oxcarbazepin und Gabapentin festgestellt.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Neurology – DOI: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000007696

Beeinträchtigen einige Epilepsie-Medikamente die Entwicklung des Kindes, wenn sie während der Schwangerschaft eingenommen werden?

05.03.2021 Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft bestimmte Medikamente gegen Epilepsie (Antiepileptika / Antikonvulsiva) einnahmen, haben im Alter von drei Jahren keine Entwicklungsverzögerungen im Vergleich zu Kindern gesunder Frauen ohne Epilepsie.

Dies geht aus den vorläufigen Befunden einer Studie hervor, die von der American Academy of Neurology veröffentlicht wurden. Die meisten der Frauen mit Epilepsie in der Studie nahmen während der Schwangerschaft entweder Lamotrigin oder Levetiracetam oder eine Kombination aus beiden ein.

An der Studie nahmen 275 Frauen mit Epilepsie und 77 Frauen ohne die Krankheit teil. Alle nahmen an der Studie während ihrer Schwangerschaft teil.

Die Einnahme von Antiepileptika wurde für jede Frau erfasst. Von den Frauen mit Epilepsie nahmen 74 % eine Monotherapie ein, das heißt, sie nahmen nur ein Medikament ein. Von dieser Gruppe nahmen 43 % Lamotrigin und 37 % Levetiracetam ein. 4 % nahmen kein Medikament ein und 22 % nahmen mehr als ein Medikament ein. Von denjenigen, die mehr als ein Medikament einnahmen, nahm fast die Hälfte eine Kombination aus Lamotrigin und Levetiracetam. Die Medikamentenspiegel im Blut der Frauen mit Epilepsie wurden im dritten Trimester gemessen.

Die Kinder der Frauen wurden im Alter von drei Jahren mit einer Reihe von kognitiven und entwicklungsbezogenen Tests untersucht, die Fähigkeiten wie Wortschatz, Hörverständnis, Zahlenverständnis und Mustererkennung maßen.

Nach Anpassung an den IQ und die Bildung der Mütter fanden die Forscher keine Unterschiede in den Entwicklungsergebnissen zwischen den Kindern von Müttern mit Epilepsie und denen von Müttern ohne die Krankheit.

Eine Einschränkung der Studie war, dass kognitive Beurteilungen im Alter von drei Jahren nicht so aussagekräftig für die Ergebnisse im Jugend- und Erwachsenenalter sind wie Beurteilungen im höheren Alter. Eine weitere Einschränkung war, dass die Verteilung der Medikamente, die von den Personen in dieser Studie eingenommen wurden, möglicherweise nicht die Verwendung dieser Medikamente in der allgemeinen Bevölkerung widerspiegelt.

Darüber hinaus fanden sie keine Entwicklungsunterschiede zwischen den Kindern von Müttern mit Epilepsie, die mit den unterschiedlichen Konzentrationen von Antiepileptika in den Blutproben der Mütter während des dritten Trimesters in Verbindung gebracht werden könnten, schreiben die Studienautoren um Dr. Kimford J. Meador von der Stanford University.
© arznei-news.de – Quellenangabe: American Academy of Neurology.

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