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Cannabidiol (CBD) gegen Zahnschmerzen

Marihuanabestandteil Cannabidiol bietet Alternative zu Opioiden bei der Behandlung von akuten Zahnschmerzen

Cannabidiol (CBD) gegen Zahnschmerzen

16.11.2023 In einer aktuellen Studie, die die Behandlung von Zahnschmerzen revolutionieren könnte, haben Rutgers-Forscher herausgefunden, dass Cannabidiol (CBD – ein nicht-süchtig machender Marihuana-Bestandteil) akute Zahnschmerzen lindert.

Dieses erstmalige Ergebnis wurde im Journal of Dental Research veröffentlicht und deutet darauf hin, dass CBD – das bei den Anwendern keinen „Rausch“ auslöst – eine ebenso wirksame, aber weitaus sicherere Alternative zu süchtig machenden opioiden Schmerzmitteln sein könnte.

„Die erste Wahl bei Zahnschmerzen sind seit jeher entzündungshemmende Medikamente wie Paracetamol (Tylenol), Ibuprofen (Advil, Motrin) oder Naproxen (Aleve), aber viele Patienten vertragen diese Medikamente nicht oder erreichen damit keine ausreichende Linderung, so dass Zahnärzte traditionell zu den häufigsten Verordnern von Opioid-Medikamenten gehören, entweder allein oder in Kombination mit diesen anderen Medikamenten“, so die Hauptautorin der Studie, Vanessa Chrepa, assoziierte Professorin an der Rutgers School of Dental Medicine.

„THC ist psychoaktiv. Es macht high und hat andere negative Auswirkungen. Wir untersuchten Cannabidiol bzw. CBD, weil frühere Forschungsergebnisse aus anderen Fachgebieten darauf hindeuteten, dass es Zahnschmerzen ohne psychoaktive Wirkungen lindern könnte, was ja eigentlich das ist, was jeder sucht.“

Schmerzlinderung durch Epidyolex

An der klinischen Studie nahmen 61 Teilnehmer mit starken Zahnschmerzen teil, die nach dem Zufallsprinzip entweder eine von zwei Dosen einer von der FDA zugelassenen reinen CBD-Lösung namens Epidiolex (in den USA, Epidyolex in der EU) oder ein Placebo erhielten. Die Forscher überwachten die Schmerzwerte der Patienten drei Stunden lang mit einer visuellen Analogskala (VAS), einem Standardinstrument zur Bewertung der Schmerzintensität.

Beide CBD-Gruppen berichteten über eine wesentlich stärkere Schmerzlinderung als die Placebogruppe. Etwa 85 Prozent der CBD-Anwender berichteten über eine mindestens 50-prozentige Verringerung ihrer anfänglichen Schmerzen, und beide CBD-Gruppen erreichten im Median eine 70-prozentige Verringerung der Schmerzen.

Bisskraft

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie war die Zunahme der Bisskraft bei den mit CBD behandelten Teilnehmern, was darauf hindeutet, dass der Wirkstoff die Zahnfunktion verbessert und sich somit als besonders vorteilhaft für Menschen mit Zahnschmerzen erweisen könnte, die ihre Fähigkeit zu kauen beeinträchtigen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen wie Sedierung, Durchfall und Unterleibsschmerzen traten in den CBD-Gruppen häufiger auf als in der Placebo-Gruppe. Die Studie wies jedoch auch einige Einschränkungen auf, darunter die geringe Stichprobengröße, und legt nahe, dass umfangreichere Forschungsarbeiten erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die breiteren Anwendungsmöglichkeiten von CBD in der Schmerzbehandlung zu erkunden.

Es sind Pläne für eine größere klinische Studie der Phase III im Gange, die auf diesen vielversprechenden Ergebnissen aufbauen und das Sicherheitsprofil von CBD bei der Behandlung von Zahnschmerzen vollständig aufklären soll.

„Es gibt noch mehr Dinge, die im Rahmen der Anschlussforschung untersucht werden müssen. Kann CBD zur Behandlung postoperativer Schmerzen bei Patienten nach einer Zahnextraktion oder Wurzelbehandlung eingesetzt werden? Können wir eine noch bessere Schmerzlinderung erzielen, wenn wir es mit anderen Mitteln wie Tylenol kombinieren?“ sagte Chrepa.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of Dental Research (2023). DOI: 10.1177/00220345231200814

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Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.