Cannabis, Cannabinoide gegen PTBS

Systematische Überprüfung untersuchte den Nutzen von Cannabinoiden bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS)

15.09.2019 Da immer mehr Menschen Cannabis / Cannabinoide zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) verwenden, untersuchte eine im Journal of Dual Diagnosis veröffentlichte Studie den Nutzen.

Die systematische Überprüfung kommt zu dem Schluss, dass die aktiven Bestandteile von Cannabis, die sogenannten Cannabinoide, als Behandlung von PTBS vielversprechend sein können, insbesondere zur Verringerung von Alpträumen und zur Unterstützung des Schlafes, aber es bedarf weiterer Forschung, um festzustellen, ob diese Medikamente in der klinischen Routinepraxis eingesetzt werden sollten.

Die Forscher um Chandni Hindocha vom University College London fanden 10 Studien, die ihre Kriterien erfüllten und eine Reihe von Präparaten abdeckten, darunter gerauchtes Cannabis (bzw. Marihuana), THC (Tetrahydrocannabinol) oder CBD (Cannabidiol) separat in Öl- oder Pillenform und ein synthetisches Cannabinoid namens Nabilon.

Jede Studie hatte ein mittleres bis hohes Verzerrungsrisiko und alle wurden aufgrund von Einschränkungen wie kleiner Stichprobengröße, retrospektivem Studiendesign, Fehlen einer Kontrollgruppe oder eines Placebos, kurzen Nachbeobachtungszeiten und dem Verzicht auf andere Medikamente oder Sucht als qualitativ schlecht bewertet. Nur eine Studie war eine randomisierte kontrollierte Studie zur Untersuchung von Nabilon, aber sie war eine kleine Stichprobe über einen relativ kurzen Zeitraum.

Die Forscher sagen, dass es noch viele offene Fragen zur Sicherheit und Wirksamkeit von cannabisbasierten Medikamenten für PTBS und zu möglichen Langzeitfolgen wie Sucht oder Psychoserisiko gibt.

Die vorliegenden Erkenntnisse zeigten sich jedoch vielversprechend, da in einigen Studien die Cannabispräparate die PTBS-Symptome wie Schlaflosigkeit und Alpträume zu reduzieren schienen.

Basierend auf den Erkenntnissen können die Wissenschaftler noch keine klinischen Empfehlungen zur Verwendung von Cannabinoiden zur Behandlung von PTBS abgeben. Die derzeitige Verschreibung von Cannabinoiden für PTBS wird nicht durch qualitativ hochwertige Evidenz untermauert, aber die Ergebnisse verdeutlichen zweifellos den Bedarf an mehr Forschung, insbesondere an langfristigen klinischen Studien, schließen die Forscher.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of Dual Diagnosis – https://doi.org/10.1080/15504263.2019.1652380

Cannabis könnte helfen, Depressionen und Suizidalität bei Menschen mit PTBS zu lindern

10.11.2019 In einer im Journal of Psychopharmacology veröffentlichten Studie mit mehr als 24.000 Kanadiern fanden Forscher des BC Centre on Substance Use und der University of British Columbia heraus, dass Cannabis bzw. Marihuana konsumierende Teilnehmer mit PTBS weniger unter schweren Depressionen litten und weniger Suizidgedanken hatten als Patienten, die im vorangegangen Jahr nicht Cannabis konsumiert hatten.

Die Forscher fanden heraus, dass PTBS signifikant mit klinischen depressiven Episoden und Selbstmordgedanken unter Menschen verbunden war, die keine Cannabisprodukte konsumierten.

Teilnehmer mit PTBS, die nicht Cannabis bzw. Cannabinoide konsumierten, berichteten etwa siebenmal häufiger über eine schwere depressive Episode in der jüngsten Zeit und 4,7mal häufiger über Suizidgedanken als Cannabis-Nicht-Konsumenten ohne PTBS, fanden die Forscher.

Unter den Befragten, die Cannabis konsumierten, wurde PTBS nicht mit einer depressiven Episode oder Selbstmordgedanken in Verbindung gebracht.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of Psychopharmacology – https://doi.org/10.1177/0269881119882806

Studie zeigt, dass Cannabis (nur) vorübergehend PTBS-Symptome lindert

10.06.2020 Menschen, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, berichten, dass Cannabis den Schweregrad ihrer Symptome zumindest kurzfristig um mehr als die Hälfte reduziert laut einer im Journal of Affective Disorders veröffentlichten Studie.

Carrie Cuttler vom Fachbereich Psychologie der Washington State University und Kollegen analysierten Daten von mehr als 400 Personen, die Veränderungen ihrer PTBS-Symptome vor und nach dem Cannabiskonsum per App aufgezeichnet hatten. Die Gruppe nutzte die App über einen Zeitraum von 31 Monaten insgesamt mehr als 11.000 Mal.

Kurzfristige Linderung von PTBS-Symptomen

Die Studie zeigt, dass Cannabis die Schwere von Intrusionen (aufdringliche Gedanken), wiederkehrende Gedanken an das traumatische Ereignis um etwa 62%, Flashbacks um 51%, Reizbarkeit um 67% und Angstzustände um 57% verringerte. Die Symptomreduktionen waren jedoch nicht dauerhaft.

Diese Studie bietet einen gewissen Einblick in die Wirksamkeit von Cannabis bei PTBS-Symptomen, ist jedoch, wie die Autoren anmerken, dadurch eingeschränkt, dass sie sich auf eine selbst ausgewählte Stichprobe von Personen stützt, die sich selbst als PTBS-Patienten ausweisen. Außerdem ermöglichte die Studie es nicht, die Symptomreduktion bei Cannabiskonsumenten mit einer Kontrollgruppe zu vergleichen, die ein Placebo verwendete.

Während einige plazebokontrollierte klinische Studien mit Nabilon, einer synthetischen Form von THC, durchgeführt wurden, haben nur wenige die Auswirkungen der gesamten Cannabispflanze auf PTBS untersucht.

In dieser Studie untersuchten Cuttler und ihre Kollegen eine Reihe von Variablen, fanden jedoch keinen Unterschied in der Wirkung von Cannabis mit unterschiedlichen Gehalten an Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), zwei der am meisten untersuchten Inhaltsstoffe (Cannabinoide) von Cannabis.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eine Kombination aus den Cannabinoiden THC, CBD und vielleicht einigen der vielen anderen Teile der Cannabispflanze ist, die den therapeutischen Effekt hervorrufen. Cannabis enthält viele Moleküle, die eine biologische Wirkung erzeugen können, darunter bis zu 120 Cannabinoide, 250 Terpene und etwa 50 Flavonoide.

Wir brauchen mehr Studien, die sich mit Cannabis aus der ganzen Pflanze befassen, denn das ist es, was die Menschen viel mehr konsumieren als die synthetischen Cannabinoide, sagte Cuttler.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of Affective Disorders – https://doi.org/10.1016/j.jad.2020.05.132.





Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.

3 Erfahrungen zu “Cannabis, Cannabinoide gegen PTBS”

  1. Mein Sohn ist seit 2015 an einer chronischen komplexen PTBS erkrankt. Ab 2016 rauchte er täglich Cannbis illegal. Die PTBS Symptome wie Flashbacks, Alpträume, Wiedererleben der Taten, Selbstverletzungen, Erinnerungen und Schlafstörungen sind deutlich zurückgegangen bis gar nicht mehr vorhanden. Seit November 2020 bekommt er med. Cannabis auf Privatrezept (Klage gegen Krankenkasse läuft). Ausprobiert wurde erst Bedrocan 22/1 tagsüber, doch der Antrieb war zu stark daher zu anstrengend. Für die Nacht Pedanois 14/1, welches zwar die Einschlaf- und Durchschlafphase verbesserte, doch der Kopf zu angeschaltet war. Grübeln, Nachdenken. Seit Januar 2021 bekommt er Tilray 9/9 (ein Hybrid mit hohem Indicaanteil und geringerem Sativaanteil), welches ihm empholen wurde bei PTBS. Dieses ist das richtige med. Cannabis, da es ein gutes Körpergefühl macht und die beruhigende Wirkung sehr gut gegen seinen inneren Stress wirkt. Er ist wenig angespannt und kann besser mit stressigen Situationen umgehen. Keine Aggressionen mehr, die sich gegen Gegenstände richteten. Keine Suizidgedanken, keine Selbstverletzungen. Verbesserte Ausdrucksfähigkeit in der Kommunikation, er wirkt insgesamt gefestigter. Wenn er mal down wird hat er Bedrobinol 13,5% (dominante Sativasorte mit etwas höherem Indicaanteil als im Bedrocan)) als Bedarf, welches ihn dann wieder aufhellt.
    Ich kann hier nur bestätigen, dass die Kombination aus THC und CBD hilfreich ist bei PTBS.

  2. Vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht.
    Ich fand ihn sehr hilfreich und informativ.

  3. Ich hatte als 14- bis 18-jährige (vor mehr als 20 Jahren) einen hochproblematischen Drogenkonsum, überwiegend Cannabis, aber auch ALLES andere, was es damals so gab, zumindest zwei-, dreimal, bin von mehreren Schulen geflogen, als vorher gute Gymnasiastin maximal abgestürzt und so weiter. Man kann wohl sagen, dass ich von Cannabis stark abhängig war. Ich war allerdings auch zwei Jahre zuvor schon wegen Einschlafproblemen, Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen, und Herzproblemen bei verschiedenen Ärzten. Später wurde dann irgendwie trotzdem alles auf den einen Joint alle paar Wochen geschoben, mit dem es anfing. Im Nachhinein wundere ich mich, dass eine psychische Ursache damals nicht stärker thematisiert wurde. Ich hatte mit 14 ständig Selbstmordgedanken und habe den Drogenkonsum als letzten Versuch betrachtet, es in dieser Welt irgendwie noch eine Weile auszuhalten. Mögliche Auslöser sind in meinem Fall eigentlich auch nicht schwer zu finden, denke ich. Jedenfalls habe ich mich als junge Erwachsene weitestgehendend stabilisieren können und es auch ohne professionelle Hilfe geschafft, ganz ohne „harte Drogen“ auszukommen (bis heute) und Cannabis nur noch phasenweise alle paar Jahre in verschwindend geringen Mengen zu konsumieren, was mir an sich in Krisenzeiten sehr geholfen hat, den Stress loszulassen, mich eine Weile wieder gut zu fühlen und wunderbar zu schlafen. Hierzu reichte eine etwa stecknadelkopfgroße Menge bereits aus und ich teilte mir ein Gramm über Monate so ein, dass eine Gewöhnung vermieden wurde. Mit Mitte bis Ende 20 wurde mir jedoch bewusst, wie sehr mich auch der hieraus resultierende Konflikt mit dem Gesetz belastete, obwohl ich nie „erwischt“ wurde. Allein die Möglichkeit führte dazu, dass ich mich nicht als vollwertiger Teil dieser Gesellschaft fühlte. Ich verzichtete deshalb von da an vollständig auf illegale Drogen und hörte während meiner Schwangerschaft auch mit dem Rauchen auf. Jahre später wurde ich dann Opfer mehrerer schwerer Straftaten, die ich aber nur teilweise beweisen konnte. Mein Leben geriet infolge dessen wieder innerhalb kürzester Zeit komplett aus den Fugen. Ich verbrachte Monate in verschiedenen psychiatrischen Klinken, habe verschiedene Diagnosen bekommen und fühlte mich dem wohlwollen der Verantwortlichen ziemlich hilflos ausgeliefert. Inzwischen (weitere Jahre später) sind abgesehen von einer schweren PTBS alle damaligen Diagnosen vom Tisch. In den ersten ein bis zwei Jahren kam es nach stärkeren Triggerereignissen immer wieder vor, dass ich mich zwar tagsüber gut unter Kontrolle hatte, aber sobald ich die Augen schloss wieder komplett in diesen Horrorfilm in meinem Kopf gesogen wurde bis ich schließlich schreiend und heulend daraus erwachte und mich erstmal übergeben habe, was in manchen Nächten etwa fünfmal hintereinander so ablief. Promethazin war eine kleine Hilfe, aber wenn’s richtig schlimm kam auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ansonsten half nichts wirklich. Irgendwann hab ich dann in einem Urlaub in den Niederlanden doch nochmal einen Zug von einem Joint genommen und es war einfach unglaublich befreiend. Ich bin daher sicher, dass Cannabis auf Rezept MEIN Leben deutlich leichter machen würde, WENN

    1. es nicht immernoch so verpönt wäre
    2. ich nicht immernoch Angst hätte, das Vertrauensverhältnis zwischen meinem Arzt und mir zu beschädigen, indem ich das auch nur vorsichtig erwähne (Hab ich noch nicht!)
    3. ich volle Freiheit bzgl. der Dosierung hätte, was bestimmt eine sehr individuelle Sache ist und wobei mir meine hart erarbeitete Erfahrung sicher nützlich wäre, anderen aber natürlich nicht.

    Also, ich wäre sicher unter den allerersten, die nach einer vollständigen Legalisierung sofort losrennen und sich heimlich was holen würden, bis jetzt verzichte ich jedoch weiter schweren Herzens und das obwohl ich vielleicht sogar ein (Privat-)Rezept bekäme und die Finanzierung mir nicht schwer fiele. Das wollte ich nur mal loswerden mit einem ganz herzlichen Dank an alle, die daran arbeiten, die Lage zu verbessern.

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