Depressionen durch Medikamente

Viele Erwachsene nehmen unwissentlich Medikamente ein, die Depressionen und Suizidgedanken verursachen können

13.06.2018 Eine neue Studie der University of Illinois in Chicago legt nahe, dass mehr als ein Drittel der Erwachsenen in den USA (und wahrscheinlich auch in anderen westlichen Ländern) verschreibungspflichtige Medikamente verwenden, die potenziell Depressionen verursachen oder das Selbstmordrisiko erhöhen können.

Patienten und Gesundheitsdienstleister sind sich dieses Risikos oft nicht bewusst, obwohl diese Medikamente häufig verschrieben werden.

Die Forscher um Dima Qato analysierten retrospektiv den Medikamentenverbrauch von mehr als 26.000 Erwachsenen von 2005 bis 2014, die im Rahmen der National Health and Nutrition Examination Survey erhoben wurden.

Riskante Medikamentengruppen

Sie fanden heraus, dass mehr als 200 häufig verwendete verschreibungspflichtige Medikamente – darunter

Depressionen oder Suizid als mögliche Nebenwirkungen aufweisen.

Risikofaktor Polypharmazie

Die im Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie ist die erste, die zeigt, dass diese Medikamente häufig gleichzeitig verwendet wurden, und dass der gleichzeitige Gebrauch – Polypharmazie (Multimedikation) genannt – mit einer größeren Wahrscheinlichkeit für depressive Störungen verbunden ist.

  • Etwa 15 Prozent der Erwachsenen, die gleichzeitig drei oder mehr dieser Medikamente einnahmen, hatten während der Einnahme der Medikamente Depressionen, verglichen mit nur
  • 5 Prozent bei Personen, die keines der Medikamente einnahmen,
  • 7 Prozent, die ein Medikament einnahmen und
  • 9 Prozent, die zwei Medikamente gleichzeitig einnahmen.

Die Forscher beobachteten ähnliche Ergebnisse für Medikamente, die Suizidgedanken bzw. Suizidversuche als mögliche Nebenwirkungen auflisten.

Ausschluss von Antidepressiva

Diese Befunde blieben auch bestehen, nachdem die Wissenschaftler alle Personen ausschlossen, die psychotrope Medikamente (Psychopharmaka) wie Antidepressiva etc. verwendeten, wodurch eine mögliche zugrundeliegende Depression ohne Bezug zum Medikationsgebrauch berücksichtigt wurde.

Die Studie zeigt auch eine deutliche Verbindung von verstärkter Polypharmazie bei Medikamenten mit Depressionen – insbesondere Suizidsymptomen – als mögliche Nebenwirkung.

Häufigkeit der Verschreibungen

Die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten mit einer potenziellen Depression als Nebenwirkung stieg von 35 Prozent in den Jahren 2005 bis 2006 auf 38 Prozent in den Jahren 2013 bis 2014.

Der Einsatz von Antazida mit potenziell depressiven Nebenwirkungen – wie Protonenpumpenhemmern und H2-Antagonisten – stieg im gleichen Zeitraum von 5 Prozent auf 10 Prozent.

Die gleichzeitige Einnahme von drei oder mehr Medikamenten stieg von 7 Prozent auf etwa 10 Prozent.

Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten mit Suizidalität als mögliche Nebenwirkung stieg der Gebrauch von 17 Prozent auf 24 Prozent und die Einnahme von drei oder mehr Medikamenten gleichzeitig von 2 Prozent auf 3 Prozent.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of the American Medical Association (2018). DOI: 10.1001/jama.2018.6741



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