Fentanyl

Fentanyl (Handelsnamen sind: Abstral, Actiq, Durogesic, Effentora, Ernsdolor, Fentadolon, Fentamed, Fentaplast, Fentarichtex, Fentoron, Gelitanyl, Ionsys, Matrifen, Sintenyl) ist ein Opioid, das als Schmerzmittel und zusammen mit anderen Medikamenten für die Anästhesie verwendet wird. Es hat einen schnellen Wirkungsbeginn und die Effekte halten in der Regel weniger als eine Stunde oder zwei an. Fentanyl ist in einer Reihe von Verabreichungsformen erhältlich, unter anderem durch Injektion, als Hautpflaster und zur Aufnahme über das Gewebe im Mund.

Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Verstopfung, Schläfrigkeit und Verwirrung. Schwere Nebenwirkungen können Atemdepression bis hin zum Atemstillstand, Serotonin-Syndrom, niedriger Blutdruck oder Sucht sein. Fentanyl wirkt zum Teil über die Aktivierung von μ-Opioid-Rezeptoren. Es ist etwa 75-mal stärker als Morphium bei gleicher Menge. Einige Fentanylanaloga können bis zu 10.000-mal stärker sein als Morphium.

Warnhinweis zu Durogesic und Fentanyl – Serotonin-Syndrom

Die BfArM gibt eine Warnung zusammen mit Janssen-Cilag zu fentanylhaltigen Medikamenten heraus. Bei gleichzeitiger Gabe dieser Arzneimittel mit serotonerg wirkenden Medikamenten kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen.

Warnung

Fentanyl

Strukturformel Fentanyl

Gewarnt wird vor der gleichzeitigen Anwendung von Fentanyl bzw. fentanylhaltigen Medikamenten, also auch Generika, Durogesic® SMAT, transdermales Pflaster,

mit serotonerg wirkenden Arzneimitteln wie:

  • SSRIs ( selektive Serotonin-Wiederaufnahme Hemmer),
  • SNRIs (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hermmer,
  • Medikamente, die den Serotonin-Metabolismus beeinflussen.

Serotonin-Syndrom

Beim Serotonin-Syndrom kommt es zu einer Ansammlung von Serotonin bzw. Serotonin-ähnlichen Substanzen. Es kann zu autonomen, neuromotorischen und kognitiven Störungen kommen. Auch Änderungen des Verhaltens können sich zeigen.

Symptome des Serotonin-Syndroms können sein:

  • Agitation,
  • rasche unwillkürliche Muskelzuckungen,
  • Halluzinationen,
  • Koma,
  • Tachykardie,
  • Störungen der Koordination,
  • Schwitzen,
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Schüttelfrost und Tremor.

Das Serotonin-Syndrom ist ein potentiell lebensbedrohlicher Zustand.

© arznei-news.de – Quelle: BfArM, März 2013

Verwendung steht in Verbindung mit Amnesie

04.02.2018 Ein Fallbericht eines Neuropsychologen der West Virginia University weist auf einen zusätzlichen Grund, dass Fentanyl – allein oder in Kombination mit Stimulanzien – ein Risiko für die Anwender darstellt, ob sie es wissentlich einnehmen oder nicht. Es kann Amnesie verursachen.

Der im Annals of Internal Medicine veröffentlichte Fallbericht von Marc W. Haut und Kollegen ist der erste, der die Verwendung von Fentanyl mit einer bestimmten Form von Amnesie in Verbindung bringt, die plötzlich auftritt und unverwechselbare MRT-Ergebnisse liefert.

Hauts Mitarbeiter Jed Barash entdeckte zuvor ein Cluster dieser Form von Amnesie bei Substanzanwendern in Massachusetts. Nun haben Haut, Baresh und Kollegen Labortests und Neuroimaging eingesetzt, um zu untersuchen, ob der Einsatz von Fentanyl tatsächlich bei einigen Personen Amnesie auslösen kann.

Weitere Studien werden erforderlich sein, um die Fentanyl-Amnesie-Verbindung in einer größeren Population zu bestätigen und die dahinter stehenden Mechanismen zu ermitteln. Die typische Dauer und Häufigkeit der Amnesie sind ebenfalls unbekannt.

Viele Menschen mit solch einer Überdosis werden in der Gesellschaft marginalisiert, aber wir wissen wenig darüber, sagte Haut. Wenn dies einer von fünfzig Fällen ist, dann ist das eine Sache. Wenn es einer von zehn ist, dann ist es schon viel bedeutender. Allerdings wäre auch nur einer von fünfzig Fällen sehr viel, wenn man bedenkt, wie viele Überdosen in den USA noch immer vorkommen.

Amnesie kann schwerwiegende Folgen für diejenigen haben, die sich in Genesung befinden. Die Teilnahme an einem Behandlungsprogramm setzt ein funktionierendes Gedächtnis voraus.

Die meisten Menschen denken bei Fentanyl an Todesfälle durch Überdosierung, sagte Haut. Aber wir müssen auch an die Überlebenden einer Überdosis denken.
© arznei-news.de – Quelle: Annals of Internal Medicine; Feb. 2018



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