Schmerzmittel Flupirtin

Schmerzmittel

Flupirtin ist ein zentral wirkendes, nicht-opioid Analgetikum. Es wirkt schmerzstillend und entspannt die Muskel. Handelsnamen sind: Katadolon S long, Katadolon, Trancolong, Trancopal Dolo. ATC-Code von Flupirtin ist N02BG07: N — Nervensystem, N02 — Analgetika, N02BG — Andere Analgetika und Antipyretika.

Flupirtin: Europäischer Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) empfiehlt Widerruf der Zulassungen

09.02.2018 Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert darüber, dass sich der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) dafür ausgesprochen hat, die Zulassungen von Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Flupirtin zu widerrufen. Flupirtin ist ein Schmerzmittel, das für bis zu zwei Wochen zur Behandlung von akuten Schmerzen bei Patientinnen und Patienten angewendet wird, die keine anderen Schmerzmittel wie Opioide oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen können.

Das Risikobewertungsverfahren wurde auf Ersuchen Deutschlands im Oktober 2017 eingeleitet. Es knüpfte an ein Risikobewertungsverfahren im Jahr 2013 an, dem Berichte über schwerwiegende Leberprobleme im Zusammenhang mit der Einnahme dieser Arzneimittel zugrunde lagen. Bereits 2013 wurde daher die Anwendungsdauer von Flupirtin auf zwei Wochen begrenzt und der Einsatz des Mittels auf Patientinnen und Patienten beschränkt, bei denen andere Schmerzmittel nicht angewendet werden können. Zudem wurden Laborkontrollen der Leberwerte während der Behandlung eingeführt. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wurde von der EMA durch Studien kontrolliert. Diese zeigten nun, dass zwar die Anzahl von Patientinnen und Patienten, die mit Flupirtin behandelt werden, abgenommen hat, die 2013 eingeführten Einschränkungen aber nicht in ausreichendem Maß beachtet werden. Außerdem wurden weiterhin Fälle von schwerwiegenden Leberschädigungen im Zusammenhang mit der Einnahme dieser Arzneimittel berichtet.

Der PRAC kam daher jetzt zu dem Schluss, dass Patientinnen und Patienten, die flupirtinhaltige Arzneimittel einnehmen, weiterhin schwerwiegenden Risiken ausgesetzt sind, die den Nutzen dieser Arzneimittel überwiegen und empfahl den Widerruf der Zulassungen dieser Arzneimittel.

Die Empfehlung des PRAC stellt ein wichtiges Zwischenergebnis dar, ist aber noch nicht rechtskräftig.

Zur ausführlichen Meldung

Rote-Hand-Brief – Lebertoxizität

Die Hersteller Flupirtin-haltiger Arzneimittel weisen in Abstimmung mit EMA und BfArM in einem Rote-Hand-Brief wegen des Lebertoxizitätsrisikos auf eine Einschränkung der therapeutischen Zielgruppe und eine Behandlungsdauerbegrenzung hin.

Schmerzmittel Flupirtin: Rote-Hand-Brief - Lebertoxizität

Strukturformel Flupirtin

Zusammenfassend gibt der Rote-Hand-Brief der Hersteller und Vertreiber von Flupirtin-haltigen Arzneimittel (in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) folgende Informationen:

  • Es gibt eine Aktualisierung der Fachinformationen zu Flupirtin aufgrund von Berichten zu Lebererkrankungen (z.B. asymptomatischer Anstieg der Leberenzyme, Leberversagen).
  • Kontraindiziert ist Flupirtin nun auch, wenn Lebererkrankungen oder Alkoholmissbrauch vorliegt. Eine gleichzeitige Einnahme mit anderen Arzneimitteln mit bekannter Lebertoxizität ist ebenfalls kontraindiziert.
  • Es sollten wöchentlich Leberwertmessungen während einer Behandlung mit Flupirtin gemacht werden und bei abnormen Werten oder klinischen Symptomen einer Lebererkrankung die Behandlung abgebrochen werden.
  • Flupirtin ist angezeigt für die Verwendung akuter Schmerzen bei Erwachsenen, jedoch nur, wenn andere Schmerzmittel nicht angewendet werden können.
  • Flupirtin-Tabletten und Zäpfchen dürfen nicht länger als zwei Wochen verabreicht werden.
  • Als einzelne Dosis nach einer Operation gegen akute Schmerzen darf Flupirtin-Lösung injiziert werden, wenn andere Schmerzmittel nicht angezeigt sind.

Flupirtin-haltige Arzneimittel in Deutschland sind:

  • Trancopal Dolo, Trancopal Dolo Suppositorien, Trancolong
  • Flupirtinmaleat-Hormosan 100 mg Hartkapseln
  • Flupigil 100 mg Hartkapseln
  • Katadolon inject, Katadolon Kinderzäpfchen, Katadolon Zäpfchen, Katadolon S long, Katadolon Kapseln
  • Flupirtinmaleat Winthrop 100 mg Hartkapseln, Flupirtinmaleat Winthrop 400 mg
  • Retardtabletten.

© arznei-news.de – Quelle: BfArM, Juli 2013


Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu “Schmerzmittel Flupirtin

  1. Hallo, bin seit 23 Jahren querschnittsgelähmt und wegen akuter „Phantomschmerzen“ im rechten Fuß inzwischen chronischer Schmerzpatient mit Targin und jetzt Hydromorphon. Trotzdem gibt es immer wieder Schmerzattacken und diese wurden seit 2001 (!) perfekt mit Trancopal Dolo / Katadolon gedeckelt. Und das bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2 Kapseln täglich. Klar sind meine Leberwerte erhöht; aber das schon immer und immer nur als noch „erlaubter“ Höchstwert. Ohne dieses Medikament, was eben kein BTM-Rezeptfplichtiges ist, kann ich mein bisheriges Leben abschließen ! Ohne meine „Feuerwehr“ Trancopal traue ich micht nicht mal mehr für mehrere Tage zu verreisen. Eine Schmerzattacke, und ich komme nicht mehr nach Hause. Gott-sei-Dank habe ich Freunde in der Schweiz. Vielleicht können die mir das besorgen. Kostet doch nur 175,-EUR für eine 50er Packung. Ich wünschte den Verantwortlichen einmal einen Tag mit meinen Schmerzen !!! Grrrrr

  2. das ist ja alles seltsam. ich hatte bis vor einen monat noch katadolon von meinem schmerztherapeuten verschrieben bekommen. dann kam auch für mich der große schock. von hier auf jetzt meinte der dr. „die gibt es nicht mehr!!!“, mit strengen unterton. als ich fragte, ob es eine alternative dafür gibt, sagte er noch mal, dass es die nicht gibt!
    ich habe 5 bandscheiben vorfälle. 3 in der lws und 2 in der hws.
    mit katadolon hatte ich keine schmerzen in der hws und für die lws bekomme ich tagin und oxycodon. das zusammen spiel der medikamente war für mich sehr gut, da ich chronischer schmerzpatient bin.
    hatte auch über ein jahr lange die katadolon ohne nebenwirkungen regelmäßig genommen.
    meine leber und meine niere zb. lasse ich jedes quartal untersuchen.
    alles in ordnung, keine leberschädigung zu erkennen.

  3. Ich habe jahrelang nach etwas gesucht was mir für meine schlimmen Schmerzen hilft. Und dann endlich katadolon gefunden was mich teilweise schmerzfrei macht. Ich war so froh endlich ein Medikament zu bekommen was mir hilft und nehme es seit vielen Jahren ein. Jetzt hat mir meine Ärztin gesagt daß sie es mir nicht mehr verschreibt weil sie einen roten Brief bekommen hat. Ich bin geschockt und frustriert und weiß garnicht was ich jetzt machen soll. Andere Medikamente hab ich schon ausprobiert und es hat mir alles nichts geholfen. Opiate wie Tramal usw kann ich nicht einnehmen weil ich ein Medikament einnehme das sich nicht mit Opiate verträgt. Toll das heißt wieder ein Leben mit sehr starken Schmerzen!! Wie soll ich das nur aushalten!?! Ich nehme katadolon seit Jahren und hatte nie Leber Probleme! Die Leute die für den roten Brief verantwortlich sind müssen ja nicht mit Schmerzen Leben! Ich bin wirklich verzweifelt.

  4. Nach einer Schulter-OP mit Komplikationen hatte ich derart starke Schmerzen, daß ich nicht mehr schlafen und meinen Beruf nur noch mit großer Mühe ausüben konnte. Trancolong war das einzige Medikament, das die Schmerzen gelindert und mir somit die Rückkehr ins normale Leben ermöglicht hat. Nach mehrjähriger Einnahme waren meine Leberwerte im Normalbereich; heute greife ich nur noch bei Bedarf zu Trancolong. Mein MItgefühl gilt allen, die auf dieses Medikament angewiesen sind und nun keinen Zugang mehr dazu haben!

  5. Nach einem Unfall bekam ich 2007 Katadolon. Das einzige Medikament, welches gegen die starken Genickkrämpfe geholfen hat und welches ich vertrug. Ich hatte niemals Leberveränderungen. Hinter der Hand heißt es, das Medikament sei zu teuer.
    Kann ja sein, dass mal ein Menschen Nebenwirkungen davon hatte, aber wenn ich zusammenzähle, was für schlimme Nebenwirkungen ich von anderen Medikamenten hatte, müssten die Verantwortlichen unzählige Medikamente vom Markt nehmen.

  6. Seit nunmehr nachweisbar mindestens Oktober 2005 also über 8 (in Worten ACHT) Jahren nahm ich Katadolon ohne jede Probleme. In der Zeit habe ich durch Passiv-Zwangsrauchen eine 3-fach Bypass-Op. überleben dürfen. Gegen das Aktiv- und Passivrauchen, wo Menschen nachweisbar wie Fliegen sterben, macht der Staat als Drogenhändler natürlich nichts Wirksames. Dafür müssen Menschen wie ich nun zu Opiaten mit für mich extremen Nebenwirkungen wie Erbrechen, Schwindel und ständiger Müdigkeit greifen, und das alles nur, damit die Bundesregierung und ihre teuer bezahlten Bediensteten Alibi-Aktivitäten nachweisen können.

  7. Habe über zwei Jahre Katadelong gegen chronische Schmerzen eingenommen, ohne Schäden. Nächste Stufe gegen meine Schmerzen sind Morphien Pflaster, diese haben viel schlimmere Nebenwirkungen. Dank an die Verantwortlich!
    Lebensqualität sinkt!

  8. Ich habe jahrelang Tramal gegen die Schmerzen genommen und
    hatte immer Kreislaufprobleme. Endlich habe ich mit Katadolon
    ein Schmerzmittel bekommen, das ich sehr gut vertragen habe,
    ohne eine Leberschädigung !! — Und jetzt wie solls weiter gehen ?
    Wieder Tramal ?? Ein herzliches Dankeschön an die
    Verantwortlichen !!!

  9. Das sind Einzelfälle mit den leberschäden. Dadurch werden jetzt auch den Leuten wie mir und anderen die ich kenne als schmerzpatienten das katadolon von den Ärzten nicht mehr verschrieben, weil diese jetzt Angst vor Repressalien haben….. Vielen Dank dafür rote Hand Brief

Schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen mit diesem Medikament:

Mit dem Klick auf 'Kommentar abschicken' bestätigen Sie, dass Sie der Veröffentlichung Ihres Beitrages auf Arznei-News.de zustimmen.
Kommentare werden nach Prüfung freigegeben.
Benutzen Sie bitte aus Lesbarkeitsgründen auch Komma, Punkt und Absatz. :-)