Ibuprofen – Kompensierter Hypogonadismus

Langfristige Einnahme kann zur Funktionseinschränkung des Hodens führen

09.01.2018 Ein Team von Forschern aus Dänemark und Frankreich hat herausgefunden, dass die regelmäßige Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen über einen langen Zeitraum hinweg zu einer Störung bei Männern führen kann, die als kompensierter Hypogonadismus bezeichnet wird.

In ihrer in Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Forschungsarbeit untersuchten sie die Hormone und Spermienproduktion von langfristigen Ibuprofen-Benutzern.

Um mehr über die möglichen Auswirkungen des beliebten Entzündungshemmers Ibuprofen auf die männliche Fruchtbarkeit bei längerer Einnahme zu erfahren, haben die Forscher 31 Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren gebeten, 600 Milligramm (drei Tabletten) des Medikaments pro Tag sechs Wochen lang einzunehmen. Andere Freiwillige erhielten ein Placebo. Im Laufe der Studie wurden die Freiwilligen getestet, um zu sehen, welche Auswirkungen das Medikament auf ihre Körper hatte.

Produktion von Testosteron

Die Forscher David Møbjerg Kristensen und Kollegen berichten, nur zwei Wochen nach der Studie, stellten sie fest, dass alle Probanden eine Erhöhung der luteinisierenden Hormone aufwiesen, die der männliche Körper verwendet, um die Produktion von Testosteron zu regulieren. Der Anstieg deutet darauf hin, dass das Medikament Probleme in bestimmten Zellen in den Hoden verursache und sie daran hindert, Testosteron zu produzieren, das natürlicherweise für die Produktion von Spermien benötigt wird.

Sie berichten weiter, dass die Veränderung die Hypophyse mehr von einem anderen Hormon produzieren ließ, wodurch es zu einem Anstieg der Testosteron-Produktion kam. Das Nettoergebnis war, dass die Gesamt-Testosteronwerte konstant blieben, aber der Körper überlastet wurde, um die schädlichen Auswirkungen des Ibuprofen zu kompensieren – ein Zustand, der als kompensierter Hypogonadismus bezeichnet wird.

Risiko für offenen primären Hypogonadismus?

Die Forscher stellen fest, dass kompensierter Hypogonadismus zu einer vorübergehenden Verringerung der Produktion von Samenzellen und der Verringerung der Fruchtbarkeit führen kann – dies sei in der Regel aber nicht alarmierend.

Besorgniserregend ist jedoch der Einsatz des Medikaments über einen längeren Zeitraum.

Es ist noch nicht bewiesen, aber die Forscher vermuten, dass ein solcher Gebrauch, wie er bei einigen Profisportlern oder anderen Personen mit chronischen Schmerzproblemen beobachtet wird, zu einem Zustand führen könnte, der als offener primärer Hypogonadismus bezeichnet wird, bei dem die Symptome schlimmer werden.

Betroffene berichten von einer Verringerung der Libido, der Muskelmasse und Stimmungsschwankungen. Zusätzliche Studien sind notwendig, um herauszufinden, ob dies tatsächlich der Fall ist.
© arznei-news.de – Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences – DOI: 10.1073/pnas.1715035115, Jan. 2018



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