Idarucizumab (Praxbind)

Anträge auf Zulassung

05.03.2015 Boehringer Ingelheim hat bekanntgegeben, dass es Anträge auf Zulassung für das Pradaxa-Antidot Idarucizumab in der EU (Handelsname Praxbind), Kanada und den USA gestellt hat.

Idarucizumab ist für den Einsatz bei Patienten vorgesehen, die eine schnelle Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von Dabigatran, dem Wirkstoff von Pradaxa, benötigen.

Das Medikament ist ein vollständig humanisiertes Antikörper-Fragment, das speziell zur Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von Pradaxa (Dabigatranetexilat) entworfen wurde.

Idarucizumab erhielt in den USA den Breakthrough-Status.

Die Antragstellungen basieren auf den Ergebnissen klinischer Studien mit Idarucizumab mit Freiwilligen, darunter ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Die Phase-I-Daten zeigten eine sofortige, vollständige und anhaltende Umkehrung der gerinnungshemmenden Wirkung von Dabigatran und keine pro-thrombotischen Effekte nach Verabreichung von Idarucizumab.

Die Einreichungen umfassen auch erste Interimsdaten aus der laufenden RE-VERSE ADTM Studie. RE-VERSE ADTM ist eine anhaltende globale Phase-III-Studie, bei der Boehringer Ingelheim weiterhin Idarucizumab bei mit Pradaxa behandelten Patienten, die eine Notfallbehandlung benötigen oder bei denen eine unkontrollierte oder lebensbedrohliche Blutung auftritt, auswertet.
© arznei-news.de – Quelle: Boehringer Ingelheim, März 2015

EMA-Zulassungsempfehlung für EU bei mit Dabigatran-verbundener Blutung

23.05.2015 Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Zulassungsbehörde (CHMP) empfiehlt die Zulassung von Praxbind 2,5 g / 50 ml Injektionslösung / Infusion der Firma Boehringer Ingelheim International GmbH für die Prävention und Behandlung von mit Dabigatran verbundenen Blutungen.

Das Medikament mit dem Wirkstoff Idarucizumab soll die gerinnungshemmende Wirkung von Dabigatran im Zeitrahmen von 5 Minuten nach der Verabreichung umkehren, und die Wirkung hält lange genug, um klinische Notfallmaßnahmen zu ermöglichen.

Es wurden leichte Symptome einer Überempfindlichkeit berichtet, aber ein kausaler Zusammenhang mit Praxbind konnte nicht hergestellt werden.

Die Indikation soll lauten: Praxbind ist ein spezielles Medikament für Dabigatran und ist bei erwachsenen Patienten – die behandelt wurden mit Pradaxa (Dabigatranetexilat) – indiziert, wenn eine schnelle Umkehrung der gerinnungshemmenden Wirkung erforderlich ist:

  • in Notoperationen / Dringlichkeitsverfahren
  • bei lebensbedrohlichen oder unkontrollierbaren Blutungen.

Quelle: EMA, Sept. 2015

FDA genehmigt erstes Antidot für Antikoagulans Pradaxa

20.10.2015 Die US Food and Drug Administration hat Praxbind für den Einsatz bei Patienten genehmigt, die das Antikoagulans Pradaxa (Wirkstoff Dabigatran) in Notfallsituationen einnehmen, falls es notwendig ist, die blutverdünnende Wirkung von Pradaxa umzukehren.

Die Sicherheit und Wirksamkeit des Wirkstoffes Idarucizumab wurden in drei Studien mit insgesamt 283 gesunden Probanden unter Dabigatran (d.h. bei Menschen, bei denen ein Antikoagulans nicht erforderlich war) untersucht. Bei den gesunden Freiwilligen gab es eine sofortige Verringerung von Pradaxa im Blut (gemessen als ungebundene Dabigatran Plasmakonzentration), was für einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden anhielt.

In dieser Studie war die häufigste Nebenwirkung Kopfschmerz.

Eine weitere Studie umfasste 123 Dabigatran einnehmende Patienten, denen es wegen unkontrollierter Blutungen oder Notoperationen verabreicht wurde. In dieser laufenden Studie wurde die gerinnungshemmende Wirkung von Pradaxa bei 89 Prozent der Patienten vollständig innerhalb von vier Stunden nach der Verabreichung von Idarucizumab umgekehrt.

Bei dieser Patienten-Studie waren die häufigsten Nebenwirkungen:

  • niedriger Kalium (Hypokaliämie),
  • Verwirrungszustände,
  • Verstopfung,
  • Fieber und
  • Lungenentzündung.

© arznei-news.de – Quelle: FDA, Okt. 2015

EU genehmigt Antikoagulans-Antidot

26.11.2015 Die Europäische Kommission hat Boehringer Ingelheims Praxbind zugelassen – ein Medikament, um in dringenden Fällen / Notfällen oder in Situationen von lebensbedrohlichen oder unkontrollierten Blutungen schnell und spezifisch die gerinnungshemmende Wirkung von Pradaxa (Dabigatranetexilat) umzukehren.

Die Zulassung basiert auf den Daten gesunder Freiwilliger als auch auf den Ergebnissen aus einer Zwischenanalyse der klinischen Studie RE-VERSE AD. In den Studien zeigten sich die reversiblen Effekte von Idarucizumab unmittelbar – innerhalb von Minuten nach der Verabreichung von 5 Gramm Praxbind. Die Umkehrung war vollständig und nachhaltig für mindestens 12 Stunden bei fast allen Patienten. Mehr zu Wirksamkeit und Sicherheit.

Die Zulassung durch die Europäische Kommission folgt der positiven Stellungnahme des Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur im September 2015. Es wurde bereits von der US Food and Drug Administration im Oktober 2015 genehmigt.
© arznei-news.de – Quelle: Boehringer Ingelheim, Nov. 2015

Aktualisierte Phase III Ergebnisse verbessern Sicherheit und Wirksamkeit in Notfall-Situationen

18.11.2016 Boehringer Ingelheim hat aktualisierte Ergebnisse der Daten von 494 Patienten veröffentlicht, die an der laufenden Phase III RE-VERSE AD TM Studie teilnahmen, die zeigte, dass die Verabreichung von 5 g Idarucizumab (Praxbind) sofort die antikoagulierende Wirkung von Dabigatran, dem Wirkstoff in Pradaxa (Dabigatranetexilat), aufhob.

RE-VERSE AD umfasst die Arten von Patienten, die Ärzte in Notfällen behandeln würden. Die Studie untersuchte mit Dabigatran behandelte Patienten, die unkontrollierte oder lebensbedrohliche Blutungen hatten (Gruppe A, n = 298, 60 Prozent) oder bei denen Notfall-Operationen erforderlich waren oder invasive Prozeduren vorgenommen werden mussten (Gruppe B, n = 196, 40 Prozent). Dazu gehören schwerkranke oder verletzte Patienten (z. B. Patienten nach einem Autounfall mit mehreren Verletzungen, Patienten mit Aortenaneurysma oder Patienten mit Organtransplantation), bei denen eine dringende Aufhebung von Dabigatran eingeleitet werden musste.

Aufhebung der antikoagulierenden Wirkung

Der primäre Endpunkt der Aufhebung der antikoagulierenden Wirkung von Pradaxa innerhalb von vier Stunden betrug 100 Prozent – gemessen durch verdünnte Thrombinzeit (dTT) und Ecarin-Gerinnungszeit (ECT) (95% CI, 100-100).  Anmerkung von Boehringer Ingelheim: Die Aufhebung war sofort nach Verabreichung von Idarucizumab offensichtlich.

Für Patienten der Gruppe A mit extrakranieller Blutung betrug die mediane Zeit bis zur Bestätigung der Hämostase je nach anatomischem Ort 3,5 bis 4,5 Stunden. Die Blutungsquellen war ähnlich denen aus der vorangegangenen Zwischenanalyse (45 Prozent gastrointestinal, 33 Prozent intrakranielle Blutungen).

In der Gruppe B erreichten 93 Prozent der Patienten normale Hämostase während der Operation, und die mediane Zeit im Operationssaal betrug 1,6 Stunden nach der Verabreichung von Idarucizumab.

Es wurden keine Sicherheitssignale für Praxbind nachgewiesen, schreibt das Unternehmen.
© arznei-news.de – Quelle: Boehringer Ingelheim, Nov. 2016



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