Kann Folsäure Suizid und Selbstverletzung verhindern?

Zusammenhang zwischen verschriebenen Folsäurepräparaten und Suizidversuchen / absichtlichen Selbstverletzungen

Kann Folsäure Suizid und Selbstverletzung verhindern?

29.09.2022 Eine in der Zeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie nutzte Daten aus den Krankenversicherungsunterlagen von 866.586 Patienten (81,3% weiblich) in den USA und untersuchte den Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Folsäure und Suizidversuchen über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Sie fanden heraus, dass bei mit Folsäure (auch bekannt als Vitamin B9) behandelten Patienten die Zahl der suizidalen (eingeschlossen: selbstverletzende Handlungen) Ereignisse um 44 % zurückging. Hauptautor der Studie Dr. Robert Gibbons von der Universität von Chicago ist zuversichtlich, dass diese Ergebnisse die Suizidprävention verbessern könnten, vor allem weil Folsäure leicht zugänglich und ohne Nebenwirkungen ist.

  • Insgesamt gab es 261 suizidale / selbstverletzende Ereignisse während der Monate, in denen Folsäure verschrieben wurde (5.521.597 Personenmonate), was einer Rate von 4,73 pro 100.000 Personenmonate entspricht, verglichen mit 895 suizidalen Ereignissen in Monaten ohne Folsäure (8.432.340), was einer Rate von 10,61 pro 100.000 Personenmonate entspricht.
  • Bei Berücksichtigung von möglichen Einflussfaktoren wie Alter und Geschlecht, Diagnosen im Zusammenhang mit suizidalem Verhalten, Diagnosen im Zusammenhang mit Folsäuremangel, einer Vorgeschichte mit suizidalen Ereignissen etc. betrug die Hazard Ratio (HR) für Folsäure hinsichtlich suizidaler Ereignisse 0,56, mit ähnlichen Ergebnissen für die Modaldosierung von 1 mg Folsäure pro Tag (HR: 0,57) und Frauen im gebärfähigen Alter (HR: 0,60).
  • Das Risiko für einen Suizidversuch war tendenziell umso geringer, je länger jemand Folsäure einnahm. Jeder Monat, in dem Folsäure verschrieben wurde, war mit einem zusätzlichen Rückgang des Risikos für einen Suizidversuch um 5 % während des 24-monatigen Nachbeobachtungszeitraums der Studie verbunden.
  • Die gleiche Analyse für die Negativkontrolle, Cyanocobalamin (Vitamin B12), ergab keinen Zusammenhang mit Suizidversuchen (HR: 1,01).

Obwohl Gibbons und seine Mitautoren sorgfältig darauf achteten, Störfaktoren auszuschließen, können sie noch nicht mit Sicherheit sagen, ob der Zusammenhang zwischen Folsäure und Suizidalität kausal ist, d. h., sie wissen noch nicht, ob die Einnahme von Folsäure das Suizidrisiko einer Person direkt verringert.

Um Gewissheit zu erlangen, führen die Autoren im Anschluss an diese Studie eine groß angelegte randomisierte kontrollierte Studie (RCT) durch, um zu prüfen, ob Folsäure das Risiko von suizidalen Ereignissen, einschließlich Suizidgedanken, -versuchen und -vollendung, direkt senkt. Dabei werden die Probanden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die eine Gruppe ein Placebo und die andere Folsäure erhält, und die Häufigkeit von Suizidversuchen im Laufe der Zeit verglichen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: JAMA Psychiatry (2022). DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2022.2990

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