Aspirin- vs. Statintherapie bei Koronarsklerose – Studie

Nicht-obstruktive koronare Herzkrankheit (Koronarsklerose): Aspirin senkt nicht das Risiko größerer kardiovaskulärer Ereignisse, Statine schon

29.04.2022 Eine Aspirin-Therapie bei nicht-obstruktiver koronarer Herzkrankheit (auch Koronarsklerose genannt) führt im Gegensatz zur Einnahme von Statinen nicht zu einer Verringerung größerer kardiovaskulärer Ereignisse laut dem Ergebnis einer neuen in der Zeitschrift Radiology: Cardiothoracic Imaging veröffentlichten Studie.

Nicht-obstruktive koronare Herzkrankheit

Eine nicht-obstruktive koronare Herzkrankheit liegt vor, wenn die Koronararterien aufgrund von Plaqueablagerungen zu weniger als 50 % verengt sind. Die Koronar-CT-Angiographie (CCTA) wird häufig als Erstuntersuchung zum Nachweis von Plaque empfohlen.

Bei Patienten, bei denen eine nicht-obstruktive koronare Herzkrankheit diagnostiziert wurde, werden in der Regel sogenannte Statine verschrieben. Statine reduzieren die Produktion von Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterin und ziehen das Cholesterin aus der Plaque heraus, wodurch die Plaque stabilisiert und das Risiko ihres Aufbrechens verringert wird. Aspirin ist ein weiteres Medikament, das häufig empfohlen wird. Ob Aspirin bei Patienten mit nicht-obstruktiver koronarer Herzkrankheit wirksam zur Verringerung schwerer kardiovaskulärer Ereignisse beiträgt, ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht worden.

Die Studie

Für die Studie verwendeten die Forscher Daten aus dem CONFIRM-Register (COronary CT Angiography EvaluatioN For Clinical Outcomes: An InteRnational Multicenter), einer großen, multinationalen Datenbank von Patienten, die sich einer CCTA unterzogen haben.

Insgesamt wurden 6.386 Patienten (Durchschnittsalter 56,0 Jahre, 52 % Männer) ausgewählt, die entweder keine nachweisbare koronare Plaque oder eine nicht-obstruktive koronare Herzkrankheit hatten. Patienten mit obstruktiver koronarer Herzkrankheit, die eine Stenose von 50 % oder mehr aufwiesen, wurden ausgeschlossen. Die mittlere Nachbeobachtungszeit für die ausgewählten Patienten betrug 5,7 Jahre.

Insgesamt 3.571 (56 %) der in die Studie aufgenommenen Patienten hatten keine Plaque und 2.815 (44 %) hatten eine nicht-obstruktive koronare Herzkrankheit. Eine nicht-obstruktive koronare Herzkrankheit war mit einem Risiko von 10,6 % für die Gesamtmortalität verbunden, verglichen mit 4,8 % bei Patienten ohne Plaque.

Wirksamkeit

Die Einnahme von Aspirin und Statinen zu Beginn der Studie wurde für beide Gruppen dokumentiert. Bei Personen mit nicht-obstruktiver koronarer Herzkrankheit war die Aspirin-Therapie nicht mit einer Verringerung der wichtigsten kardiovaskulären Ereignisse verbunden. Die Einnahme von Statinen hingegen war mit einer signifikanten Verringerung der kardiovaskulären Ereignisse, einschließlich Herzinfarkt und Tod, verbunden.

„Unsere Ergebnisse bauen auf früheren Analysen des CONFIRM-Registers mit einer Nachbeobachtungszeit von 2,3 Jahren auf, die den Nutzen von Aspirin bei CCTA-diagnostizierter Atherosklerose in Frage stellten“, so Studienautor Dr. Jonathan Leipsic von der University of British Columbia in Vancouver, Canada.

Weder eine Aspirin- noch eine Statintherapie verbesserte die klinischen Ergebnisse bei Patienten ohne nachweisbare Plaque. Eine Aspirin-Therapie kann in Fällen von Hochrisiko-Plaque oder hoher Plaque-Belastung dennoch von Nutzen sein, so Leipsic.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Radiology: Cardiothoracic Imaging (2022). DOI: 10.1148/ryct.210225

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