Krebs: Vitamin D reduziert Fatigue

Männliche Patienten mit fortgeschrittenem Krebs litten nach einer Vitamin-D-Behandlung weniger unter Fatigue (belastende Erschöpfung)

03.03.2022 Fatigue, d. h. die starke Müdigkeit und Erschöpfung, ist für viele Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung ein belastender Zustand. Leider gibt es nur wenige gute pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten, und die verfügbaren sind mit dem Risiko für Nebenwirkungen und/oder Gewöhnungseffekte verbunden.

In einer kürzlich durchgeführten Studie in der häuslichen Palliativpflege in Stockholm, Palliative-D, konnten Forscher zeigen, dass die Behebung des Vitamin-D-Mangels sowohl die Schmerzen als auch die Fatigue bei Patienten mit fortgeschrittenem und metastasiertem Krebs reduziert. Die Auswirkungen waren mäßig, aber die Behandlung wurde erstaunlich gut vertragen, ohne dass es zu schweren Nebenwirkungen kam.

Geschlechterunterschiede

In einer in der Fachzeitschrift Cancers veröffentlichten Studie führten die Forscher um Caritha Klasson eine sogenannte Post-hoc-Analyse des Materials der Palliative-D-Studie durch, bei der Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Wirkung von Vitamin D untersucht wurden.

Die Studie zeigte, dass die Behebung eines Vitamin-D-Mangels bei Männern zu einer signifikanten Verringerung der Fatigue führte, nicht jedoch bei Frauen.

Auch nach Bereinigung der Ergebnisse um Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen könnten (Confounding-Faktoren), d. h. Unterschiede bei der Schmerzmedikation, der Krebsart, der laufenden onkologischen Behandlung, der Kolektomie und dem Vitamin-D-Spiegel vor Beginn der Studie, blieben die Auswirkungen der Vitamin-D-Behandlung bei Männern bestehen.

Nach nur vier bzw. acht Wochen Behandlung wurde kein signifikanter Effekt von Vitamin D festgestellt, und der Effekt zeigte sich erst nach 12 Wochen Behandlung.

Die Palliative-D-Studie

Die Palliative-D-Studie ist die erste Studie, wonsch die Behandlung mit Vitamin-D positive Auswirkungen auf die krebsbedingte Fatigue haben könnte und dass es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirkung von Vitamin-D gibt.

Die Stärke dieser Studie ist, dass sie auf Daten aus einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie beruht; daher ist das Risiko gering, dass die Ergebnisse auf Zufall oder Störfaktoren zurückzuführen sind.

Der Schwachpunkt der Studie ist jedoch die hohe Abbrecherquote in der ursprünglichen Studie – von den 244 eingeschlossenen Patienten schlossen nur 150 alle 12 Wochen ab. Die Hauptursache für den Abbruch war, dass die Patienten vor Abschluss der Studie an ihrer Krebserkrankung starben.

Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass die Palliative-D-Studie ursprünglich nicht auf die Untersuchung von Geschlechtsunterschieden ausgelegt war. Auch die Fatigue war in der ursprünglichen Studie nur ein sekundäres Ergebnis; im Vordergrund standen die Schmerzen.

Um zuverlässige Schlussfolgerungen zu ziehen, ist eine neue Studie erforderlich, die speziell auf die Untersuchung von Fatigue und Geschlechtsunterschieden bei der Vitamin-D-Behandlung ausgerichtet ist, schreiben die Wissenschaftler.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Cancers (2022). DOI: 10.3390/cancers14030746





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