Mefloquin (Lariam)

Antiprotozoikum – Malariaprophylaxe und -behandlung

Mefloquin ist ein Arzneimittel, das bei der Prophylaxe und Behandlung von Malaria eingesetzt wird. Handelsnamen sind Lariam, Mephaquin. Der ATC-Code ist P01BC02: P – Antiparasitäre Mittel, Insektizide und Repellenzien, P01 – Mittel gegen Protozoenerkrankungen, P01B – Malariamittel, P01BC – Methanolchinoline.

Mefloquin – FDA: Labeländerung wegen psychiatrischer Nebenwirkungen

Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) informiert über aktualisierte Warnhinweise bezüglich neurologischer und psychiatrischer Nebenwirkungen, die mit dem Malariamedikament Mefloquin verbunden sind.

Das Malariamedikament ist ein von United States Army und Hoffmann-La Roche entwickelter Wirkstoff zur Prophylaxe und Behandlung der Malaria. Das Medikament (Handelsname ist Lariam) wirkt gegen die intraerythrozytären ungeschlechtlichen Formen verschiedener Malariaerreger und Malariaparasiten, die eine Resistenz gegen andere Malariamittel entwickelt haben. Es blockiert eine der wichtigsten Stoffwechselfunktionen der Erreger.

Neurologische und psychiatrische Nebenwirkungen

Als neurologische Nebenwirkungen können Schwindel, Verlust des Gleichgewichts oder Klingeln in den Ohren auftreten.

Die psychiatrischen Nebenwirkungen können beinhalten: sich ängstlich, misstrauisch, depressiv fühlen, Halluzinationen, (eine vollständige Liste der potentiellen Nebenwirkungen kann dem Beipackzettel entnommen werden).
Mefloquin - FDA: Labeländerung wegen psychiatrischer Nebenwirkungen

Neurologische Nebenwirkungen können jederzeit während der Einnahme von Mefloquin auftreten und können für Monate bis Jahre andauern, nachdem die Einnahme des Medikaments gestoppt wurde, oder können dauerhaft sein.

Patienten, Pfleger und Angehörige der Gesundheitsberufe sollten auf diese Nebenwirkungen achten.

Absetzen von Mefloquin

Wenn der Arzneistoff Mefloquin zur Prävention von Malaria eingenommen wird, sollte es abgesetzt werden, wenn der Patient neurologische oder psychiatrische Symptome entwickelt.

Wenn ein Patient neurologische oder psychiatrische Symptome entwickelt, während er Mefloquin einnimmt, sollte er sich an den vorschreibenden Arzt wenden. Der Patient sollte vor der Erörterung der Symptome mit dem Arzt Mefloquin nicht absetzen.

© arznei-news.de – Quelle: FDA, 2013

Lariam – Rote-Hand-Brief: schwerwiegende Nebenwirkungen, neue Kontraindikationen

Die Roche Pharma AG hat zum Malariamedikament Lariam® (Wirkstoff Mefloquin) einen Rote-Hand-Brief bezüglich neuer Gegenanzeigen und des Risikos für neuropsychiatrische und andere schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen herausgegeben.

Die Roche Pharma AG informiert darin in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dass

  • es neue Gegenanzeigen und Warnhinweise für den Einsatz von Lariam/Mefloquin gibt und die Fachhinweise dementsprechend aktualisiert werden;
  • Lariam soll nicht mehr bei Schwarzwasserfieber (in der Krankengeschichte) und bei schweren Leberfunktionsstörungen eingesetzt werden;
  • Lariam soll nicht bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen angewandt werden;
  • Mefloquin kann neuropsychiatrische Störungen/Reaktionen hervorrufen, wie Angst, Depression und Schlafstörung. Aber auch Psychosen, Suizid, Selbstmordgedanken, Unruhegefühle, Verwirrung, Misstrauen, selbstgefährdendes Verhalten und Halluzinationen;
  • Die Nebenwirkungen von Lariam können erst nach Monaten auftreten, sogar nach dem Absetzen;
  • Bei psychiatrischen Symptomen sollte Mefloquin sofort durch ein Alternativmedikament ersetzt werden.

Die vollständigen Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind dem Beipackzettel zu entnehmen.

© arznei-news.de – Quelle: BfArM, Sept. 2013

Malaria-Medikament: Zwei Studien zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen

30.10.2017 Forscher der LSTM Cochrane Infectious Diseases Group veröffentlichten diese Woche zwei systematische Zusammenfassungen über die Sicherheit von Mefloquin (Handelsnamen sind: Lariam, Mephaquin, Mefloquin Acino) zur Vorbeugung von Malaria bei Reisenden.

Das Medikament ist mindestens genauso effektiv wie andere Optionen, sagt Dr. Tickell-Painter, der Studienautor beider Berichte, aber Patienten und Politiker brauchen auch verlässliche Informationen über die häufigen Nebenwirkungen, bevor sie fundierte Entscheidungen treffen können. Mefloquin wurde seit seiner Einführung in den 1980er Jahren mit psychologischen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, und die am Montag veröffentlichte Cochrane-Rezension führt nun mehr als 50 randomisierte und nicht-randomisierte Studien zusammen, in die über 1.000.000 Menschen eingeschrieben waren und vergleicht das Medikament mit allen gängigen Alternativen (Doxycyclin, Atovaquon/Proguanil).

Es besteht kein Zweifel, dass Mefloquin mehr Schlaflosigkeit, anormale Träume, Angst und depressive Stimmung verursacht als die Alternativen, sagt Dr. Tickell-Painter, aber die Überprüfung stellt klar, dass es sich um Symptome und nicht formale psychiatrische Diagnosen handelt. Schwerwiegende Nebenwirkungen waren selten und traten bei weniger als 1% der Nutzer auf, und die Zunahme formaler Diagnosen von Depression und Psychose wurde in keiner der großen Datenbankstudien bei Reisenden beobachtet, sagt der Bericht.

Die Forscher setzten ihre Untersuchung der Schwere dieser Effekte in ihrem zweiten Artikel fort, der in der Zeitschrift Travel Medicine and Infectious Diseases veröffentlicht wurde. In diesem Bericht wurden mit systematischen Methoden alle Fallberichte über Todesfälle und Suizidversuche im Zusammenhang mit Mefloquin untersucht und bewertet. Aus 527 Berichten konnten die Autoren die Kausalität nur für einen versuchten Selbstmordversuch, und eine wahrscheinliche Verbindung für zwei Todesfälle, die als atypische Medikamentenreaktionen anzusehen sind, nachweisen. Alle anderen Berichte über Verknüpfungen halten die Autoren für unwahrscheinlich oder für nicht aussagekräftig genug, um ein Wertungsurteil abzugeben.
© arznei-news.de – Quelle: Travel Medicine and Infectious Diseases, Cochrane Database of Systematic Reviews – DOI: 10.1002/14651858.CD006491.pub4, Okt. 2017

Medikament beugt Malaria während der Schwangerschaft wirksam vor, wird aber nicht gut vertragen

07.04.2018 Forscher führten eine systematische Überprüfung in der Forschungsliteratur durch, um festzustellen, ob Mefloquin (Markenname ist Lariam) wirksam und sicher bei der Prävention von Malaria während der Schwangerschaft ist, sowohl bei HIV-negativen als auch bei HIV-positiven Frauen.

Sulfadoxin-Pyrimethamin ist die derzeit eingesetzte Standardtherapie, aber es bilden sich bereits arzneimittelresistente Parasiten heraus. Außerdem wird Sulfadoxin-Pyrimethamin nicht bei HIV-infizierten Frauen empfohlen, die das prophylaktische Antibiotikum Cotrimoxazol aufgrund möglicher Arzneimittelwechselwirkungen einnehmen.

Wirksamkeit

Sie identifizierten 5 Studien in Afrika südlich der Sahara und eine in Thailand (insgesamt mehr als 8.000 Frauen), die Mefloquin mit derzeit verwendeten Medikamenten zur Malariaprophylaxe bei Schwangeren verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Wirkstoff im Vergleich zu Sulphadoxin-Pyrimethamin oder Cotrimoxaxol allein den Parasitenspiegel im Blut der Mütter sowie die Anämie zum Zeitpunkt der Geburt besser reduziert.

Verträglichkeit

Allerdings ist das Medikament weniger gut verträglich (es bestand ein höheres Risiko für Nebenwirkungen wie Erbrechen, Müdigkeit und Schwindel).

Diese im Fachblatt Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlichten Schlussfolgerungen stimmen mit einer zuvor von dieser Forschergruppe veröffentlichten Rezension überein, erklärt Studienautor R. González von der Universitat de Barcelona.

Die Wirksamkeit von Mefloquin ist gut bekannt, aber seine geringe Verträglichkeit stellt ein großes Hindernis für seine breite Anwendung in diesen besonders gefährdeten Populationen dar. Die Forscher müssen jetzt alternative Medikamente finden, die die gleiche antimalarielle Wirkung haben, aber ohne die Nebenwirkungen, schreibt er.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Cochrane Database Syst Rev. 2018 Mar 21;3:CD011444. doi: 10.1002/14651858.CD011444.pub2.



Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu “Mefloquin (Lariam)

  1. Der Rote-Hand-Brief LARIAM basiert auf dem Core Safety Profile (CSP) des BfArM vom 03.04.13. Laut Richtlinien zur Arzneimittelsicherheit hat der Hersteller innerhalb von 4 Monaten nach Veröffentlichung des FAR (Final Assessement Report) +CSP die entsprechenden Änderungen zu publizieren. Im Falle von Lariam dauerte dies über 5 Monate.
    Im Rahmen eines PSUR-WS Verfahrens zur Neubewertung von Wirkstoffen/Arzneimitteln schreiben die Richtlinien eine Zeitspanne von 110-135 Tagen vor. Innerhalb dieser Zeit sollte das PSUR-WS Verfahren abgeschlossen sein und eine Neubewertung stattgefunden haben.
    Das CSP des BfArM vom 03.04.13 ist das Ergebnis des PSUR-WS Verfahrens DE/H/PSUR/0022/001. Dieses PSUR-WS Verfahren lief von 2006-2009. Das BfArM brauchte also 4 Jahre! nach dem Data-Lock-Point (DLP) des PSUR-WS um das endgültige FAR+CSP zu veröffentlichen.
    Der Rote-Hand-Brief hätte schon (spätestens 2009 veröffentlicht werden müssen, da schweren Nebenwirkungen im neuropsychiatrischen Bereich sind schon seit Jahrzehnten bekannt sind.

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