Methamphetamin-Abhängigkeit: Medikamente zum Entzug

Kombinationsbehandlung Naltrexon / Bupropion erweist sich im Methamphetamin-Entzug als vielversprechend

14.01.2021 Eine Kombination aus zwei Medikamenten – injizierbarem Naltrexon und oralem Bupropion – erwies sich in einer doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Phase-III-Studie als sicher und wirksam bei der Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerem bis schwerem Methamphetaminkonsum.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Kombinationstherapie eine vielversprechende Ergänzung zu den derzeitigen Behandlungsansätzen, wie kognitive Verhaltenstherapie und Kontingenzmanagement, für eine sehr schwere Erkrankung sein könnte, die nach wie vor schwer zu behandeln und zu überwinden ist.

Die im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie wurde an mehreren Standorten des National Institute on Drug Abuse Clinical Trials Network (NIDA CTN) durchgeführt. Das NIDA ist Teil der National Institutes of Health der USA.

Die Studie

Die Studie “Accelerated Development of Additive Pharmacotherapy Treatment for Methamphetamine Use Disorder” (ADAPT-2) wurde von 2017 bis 2019 in Kliniken mehrerer kommunaler Behandlungsprogramme landesweit durchgeführt und nahm 403 erwachsene Probanden im Alter von 18 bis 65 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer Methamphetamin-Abhängigkeit auf. Alle Teilnehmer wollten den Konsum der Droge verringern oder aufgeben und wurden nach dem Zufallsprinzip der Behandlungs- oder Kontrollgruppe zugewiesen.

In jeder der beiden sechswöchigen Phasen erhielten die Teilnehmer der Behandlungsgruppe alle drei Wochen eine Injektion von Naltrexon mit verlängerter Wirkstofffreisetzung, einem Medikament zur Behandlung von Opioid- und Alkoholkonsumstörungen, und nahmen täglich Bupropion-Tabletten mit verlängerter Wirkstofffreisetzung ein, einem Antidepressivum, das auch zur Unterstützung der Nikotinentwöhnung eingesetzt wird.

Die Teilnehmer der Kontrollgruppe erhielten in den gleichen Zeitabständen injizierbare und orale Placebos. Die Forscher führten am Ende jeder Studienphase vier Urinuntersuchungen auf Drogen durch. Es wurde davon ausgegangen, dass die Teilnehmer auf die Behandlung ansprachen, wenn mindestens drei der vier Urintests negativ waren.

Wirksamkeit; Ansprechen

Insgesamt sprachen die Teilnehmer in der Behandlungsgruppe signifikant häufiger auf die Behandlung an. Bei den Untersuchungen in den Wochen fünf und sechs sprachen 16,5 % der Teilnehmer, die die Naltrexon/Bupropion-Kombination erhielten, auf die Behandlung an, verglichen mit nur 3,4 % der Teilnehmer in der Kontrollgruppe.

In ähnlicher Weise sprachen bei den Untersuchungen in den Wochen 11 und 12 11,4 % der Behandlungsgruppe an, verglichen mit 1,8 % in der Kontrollgruppe.

Die Forscher berechneten, dass die Number Needed to Treat (NNT) 9 betrug. NNT ist eine Methode zur Beschreibung des Nutzens einer medizinischen Intervention, die die Anzahl der Personen angibt, die eine Behandlung erhalten müssten, damit sie einer Person nützt.

Die Studienärzte berichteten, dass mit einer NNT von 9 der Nutzen von Naltrexon/Bupropion zur Behandlung der Methamphetamin-Abhängigkeit ähnlich hoch ist wie der Nutzen der meisten medizinischen Behandlungen für psychische Störungen, einschließlich Antidepressiva, die bei Depressionen verschrieben werden, oder Naltrexon, das bei Alkoholkonsumstörungen verschrieben wird.

Methamphetamin-Craving

Die Teilnehmer der Behandlungsgruppe litten weniger unter Craving (Suchtdruck) als die Teilnehmer der Placebogruppe und berichteten über größere Verbesserungen in ihrem Leben, gemessen anhand eines Fragebogens namens Treatment Effectiveness Assessment.

Sicherheit; Nebenwirkungen; Therapietreue

Wichtig ist, dass es keine signifikanten unerwünschten Wirkungen im Zusammenhang mit der dualen medikamentösen Behandlung gab.

Die Therapietreue wurde durch Beratung und Erinnerungshilfen per App gefördert und blieb in den letzten sechs Wochen der Studie mit 77,4 % in der Behandlungsgruppe und 82,0 % in der Placebogruppe hoch.
© arznei-news.de – Quellenangabe: New England Journal of Medicine – DOI: 10.1056/NEJMoa2020214.



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