Neuraminidase-Hemmer + Baloxavir gegen Grippe wirksamer?

Kombination von Baloxavir-Marboxil mit einem Standard-Neuraminidasehemmer bei hospitalisierten Patienten mit schwerer Grippe (FLAGSTONE)

21.02.2022 Eine neue Kombination von antiviralen Medikamenten verbesserte die klinischen Ergebnisse bei stationär behandelten Patienten mit schwerer Grippe nicht laut den Ergebnisse einer kürzlich in The Lancet Infectious Diseases veröffentlichten klinischen Studie.

Neuraminidasehemmer

In den letzten zwei Jahrzehnten waren Neuraminidasehemmer (NAI) wie Oseltamivir, Zanamivir und Peramivir die Standardbehandlung für ambulante und stationäre Patienten mit schwerer Influenza. Diese Inhibitoren blockieren die Fähigkeit der Viren, sich von einer infizierten Zelle auszubreiten und andere gesunde Zellen zu infizieren.

Baloxavir-Marboxil

Eine andere, erst kürzlich von der FDA zugelassene Behandlung namens Baloxavir-Marboxil – ein cap-abhängiger Endonuklease-Inhibitor – funktioniert anders. Sobald das Influenzavirus eine gesunde Zelle infiziert, indem es sich an ihre Sialinsäurezucker bindet, blockiert Baloxavir einen Schlüsselmechanismus, der die Produktion neuer Viruspartikel ermöglicht, was letztlich die Ausbreitung des Virus hemmt.

In einer früheren klinischen Phase-3-Studie zeigte sich bei mit Baloxavir behandelten jugendlichen und erwachsenen Grippepatienten eine Besserung der Symptome im Vergleich zu denen, die ein Placebo erhielten, und eine stärkere Verringerung der Viruslast im Vergleich zu denen, die Placebo oder Neuraminidasehemmer erhielten.

Die Studie FLAGSTONE

Für die aktuelle klinische Studie wurden insgesamt 366 jugendliche und erwachsene Patienten, die mit Influenza ins Krankenhaus aufgenommen wurden – bei 87 Prozent wurde eine Influenza-A-Infektion, der häufigste Influenzastamm, diagnostiziert – nach dem Zufallsprinzip entweder einer Kombination aus Baloxavir und NAI oder einem Placebo und NAI zugeteilt.

„Wir wissen, dass Krankenhauspatienten mehr Viren haben als Patienten, die nicht im Krankenhaus behandelt werden müssen, und dass die Viren dort länger verbleiben. Wenn man Baloxavir zu den Neuraminidasehemmern hinzufügt, hat man zwei Medikamente mit zwei verschiedenen Mechanismen, die die Viruslast viel schneller senken könnten. Theoretisch dachten wir, dass die Menschen dadurch viel schneller gesund werden würden“, sagte Studienautor Michael Ison vom Northwestern University Clinical and Translational Sciences (NUCATS) Institute’s Center for Clinical Research.

Keine schnellere klinische Verbesserung

Leider stellten die Forscher in der aktuellen Studie fest, dass dies nicht der Fall war. In der Baloxavir-Gruppe dauerte es durchschnittlich 97,5 Stunden, bis die Patienten Anzeichen einer klinischen Verbesserung zeigten, während es in der Kontrollgruppe durchschnittlich 100,2 Stunden dauerte.

Laut Ison ähneln diese Ergebnisse früheren Studien, in denen die Wirksamkeit von Baloxavir bei ambulanten Grippepatienten untersucht wurde. Bei Patienten, die Baloxavir zusammen mit einem anderen Medikament erhielten, konnte zwar ein stärkerer Rückgang der Viren festgestellt werden, aber letztlich gab es keinen signifikanten Unterschied bei den klinischen Ergebnissen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass Baloxavir zwar nicht mit einem signifikanten klinischen Nutzen verbunden war, dass aber mit der Kombination behandelte Patienten am Ende der Behandlung weniger Resistenzen aufwiesen als Patienten, die nur den NAI erhielten.

Laut Ison könnte dies Patienten zugute kommen, bei denen ein hohes Risiko für die Entwicklung einer Resistenz besteht, wie z. B. Transplantationspatienten und andere immungeschwächte Patienten, die eine höhere Viruslast aufweisen können als andere Patienten.

© arznei-news.de – Quellenangabe: The Lancet Infectious Diseases (2022). DOI: 10.1016/S1473-3099(21)00469-2





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