Paroxetin in der Schwangerschaft

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesem Medikament

Informationen der Europäischen Arzneimittelagentur zu Paroxetin in der Schwangerschaft

Paroxetin sollte während der Schwangerschaft nur bei zwingender Indikation angewendet werden. Frauen, die planen, schwanger zu werden, und solche, die während der Behandlung schwanger werden, sollten aufgefordert werden, Ihren Arzt aufzusuchen. Ein abruptes Absetzen von Paroxetin während der Schwangerschaft sollte vermieden werden.

Neugeborene sollten überwacht werden, wenn die Anwendung von Paroxetin bei der Mutter bis in späte Stadien der Schwangerschaft (vor allem im letzten Drittel) fortgesetzt wird. Folgende Symptome können bei Neugeborenen nach der maternalen Anwendung von Paroxetin in den späten Stadien der Schwangerschaft auftreten: Atemnot, Zyanose, Apnoe, Krampfanfälle, instabile Körpertemperatur, Schwierigkeiten beim Trinken, Erbrechen, Hypoglykämie, Muskelhypertonie, Muskelhypotonie, Hyperreflexie, Tremor, nervöses Zittern, Reizbarkeit, Lethargie, Schläfrigkeit, Schlafstörungen und ständiges Schreien.

Die Symptome können entweder durch serotonerge Wirkungen oder durch Absetzsymptome verursacht sein. In der Mehrzahl der Fälle beginnen die Komplikationen sofort oder sehr bald (weniger als 24 Stunden) nach der Geburt.

Quelle: EMA

Erhöhtes Risiko für Geburtsfehler, wenn in früher Schwangerschaft eingenommen

12.01.2016 Paroxetin (Handelsnamen sind z.B. Seroxat, Tagonis, Paroxalon, Paroxa) wird für die Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen, Angststörungen und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) verschrieben. Eine neue Studie fand nun heraus, dass es das Risiko für angeborene Fehlbildungen und Herzfehler erhöhen kann, wenn es im ersten Trimester der Schwangerschaft eingenommen wird.

Herzmissbildungen

Bis 2005 galt der selektive Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) als sicher für den Gebrauch in der Schwangerschaft.
Eine vom Hersteller GlaxoSmithKline durchgeführte kleine unveröffentlichte Studie legte jedoch nahe, dass es ein erhöhtes Risiko für Herzmissbildungen bei Säuglingen mit Paroxetin-Exposition vor der Geburt gäbe.

Anschließende Studien (mit verschiedenen Studiendesigns) mit verschiedenen Populationen in Europa und Nordamerika ergaben jedoch widersprüchliche Ergebnisse in Bezug auf die statistische Signifikanz (Bedeutsamkeit), obwohl ein Trend in Richtung erhöhtes Risiko festgestellt werden konnte.

Um eine umfassende Beurteilung der Auswirkungen von Paroxetin auf Neugeborene zu bestimmen, führte ein Forscherteam um Professor Anick Bérard vom CHU Sainte Justine und der Universität Montreal eine Literaturrecherche und Metaanalyse aller relevanten Studien (1966 bis 2015) durch. Die Forscher entdeckten 23 geeignete Studien, berichten sie in der Zeitschrift British Journal of Clinical Pharmacology.

Erstes Trimester

Wurde Paroxetin im ersten Trimester verschrieben, kam es zu einem 23-prozentigen Anstieg des Risikos für schwerere angeborene Missbildungen und einem 28-prozentigen Anstieg des Risikos für schwerere Herzmissbildungen beim Neugeborenen – verglichen mit Frauen, die kein Paroxetin nahmen.

Insbesondere wurden folgende signifikante erhöhte Risiken festgestellt:

  • schwerere angeborene Fehlbildungen kombiniert (gepooltes OR 1,23, 95% CI 1,10, 1,38; n = 15 Studien);
  • schwerere Herzfehler (gepooltes OR 1,28, 95% CI 1,11, 1,47; n = 18 Studien),
  • spezielle Bulbus cordis Anomalien und Anomalien des Herzscheidewandverschlusses (gepooltes OR 1,42, 95% CI 1,07, 1,89; n = 8 Studien),
  • Vorhof Septumdefekte (gepooltes OR 2,38, 95% CI 1,14, 4,97; n4 Studien) und
  • rechtsventrikulärer Ausflussbahn-Defekt (gepooltes OR 2,29, 95% CI 1,06, 4,93; n = 4 Studien).

Die Forscher legen nahe – obwohl das Risiko signifikant aber insgesamt nicht sehr hoch ist, dass bei leichten bis moderaten depressiven Symptomen (etwa 85% der schwangeren Frauen mit Depression) die Nutzen-Risiko-Abwägung zugunsten von anderen möglichen Behandlungsformen ausfallen sollte, wie Psychotherapie oder z.B. sportliche Aktivitäten. Am wichtigsten erscheinen aber Planung der Schwangerschaft bzw. Verhütungsmaßnahmen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: CHU Sainte Justine, Universität Montreal, British Journal of Clinical Pharmacology; Jan. 2016

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