Tebipenem Pivoxil-Hydrobromid bei komplizierten Harnwegsinfektionen

Studie untersuchte Wirksamkeit von oralem Tebipenem Pivoxil-Hydrobromid bei komplizierten Harnwegsinfektionen

08.04.2022 Harnwegsinfektionen sind häufig und in der Regel einfach zu behandeln. Doch für daran schwer erkrankte Menschen könnte ein experimentelles Antibiotikum bald eine neue Behandlungsmöglichkeit bieten – es wird über den Mund eingenommen, statt durch eine Infusion verabreicht.

In einer klinischen Studie fanden Forscher heraus, dass das Medikament namens Tebipenem Pivoxil-Hydrobromid (Tebipenem HBr) bei der Behandlung von Patienten, die mit „komplizierten“ Harnwegsinfektionen ins Krankenhaus aufgenommen wurden, genauso gut wirkte wie ein Standard-Antibiotikum zur Infusion. Dazu gehörten mit Bakterien infizierte Patienten, die gegen viele andere orale Antibiotika resistent sind.

Die Studie

An der im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie nahmen mehr als 1.300 Patienten in den Vereinigten Staaten, Europa und Südafrika teil, die wegen komplizierter Harnwegsinfektionen im Krankenhaus behandelt wurden.

Harnwegsinfektionen können jeden Teil des Harntrakts betreffen, einschließlich der Blase, der Harnröhre und der Nieren. Während die meisten Harnwegsinfektionen schnell auf orale Antibiotika ansprechen, ist dies bei komplizierten Fällen nicht der Fall. Manche Menschen entwickeln eine schwere Niereninfektion, die akute Pyelonephritis, die bei der Hälfte der Studienpatienten auftrat.

Im Allgemeinen, so Studienautor Dr. Neil Clancy von der University of Pittsburgh, können bestimmte medizinische Bedingungen oder anatomische Anomalien im Harntrakt Menschen anfälliger für komplizierte Harnwegsinfektionen machen. Zu den Risikofaktoren gehören Nierenerkrankungen, Diabetes und Schwangerschaft.

Die Studienpatienten wurden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt: Die eine erhielt sieben bis 10 Tage lang ein Standard-Ertapenem als Infusion, während die andere Tebipenem Pivoxil Hydrobromid erhielt.

Wirksamkeit und Sicherheit

Insgesamt sprachen 264 von 449 Patienten (58,8 %) auf die Behandlung mit Tebipenem-Pivoxil-Hydrobromid an, verglichen mit 258 von 419 Patienten (61,6 %) auf Ertapenem

Am Ende waren die beiden Behandlungen gleich wirksam: Am 19. Tag der Studie waren etwa 93 % der Patienten in beiden Gruppen frei von Harnwegsinfektionssymptomen oder fühlten sich besser und hatten keine neuen Symptome.

Auch die Nebenwirkungen waren ähnlich: Ein Viertel der Patienten, die eine der beiden Behandlungen erhielten, hatten Probleme wie leichten Durchfall oder Kopfschmerzen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: N Engl J Med 2022; 386:1327-1338 – DOI: 10.1056/NEJMoa2105462





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