Ticagrelor (Brilique)

Ticagrelor (Brilique, Possia in der EU; Brilinta in den USA) ist ein Thrombozyten-Aggregationshemmer von Astrazeneca. Das Medikament wurde von der Europäischen Kommission 2010 genehmigt. Ticagrelor ist ein Antagonist des P2Y12-Rezeptors.

EU-Genehmigung für 60-mg-Dosis

19.02.2016 Die Europäische Kommission (EK) hat Brilique mit der aktiven Substanz Ticagrelor) mit 60 mg Dosis für die Behandlung von Patienten zugelassen, die mindestens ein Jahr zuvor einen Herzinfarkt hatten und ein erhöhtes Risiko haben, weitere atherothrombotische Vorfälle zu entwickeln.

Die Behandlung kann als fortgesetzte Therapie nach einer anfänglichen einjährigen Behandlung mit Brilique 90 mg und Aspirin oder einer anderen dualen Antithrombozytentherapie begonnen werden.

ticagrelorTicagrelor ist ein oraler Thrombozyten-Aggregationshemmer, der durch die Hemmung der Thrombozytenaktivierung wirkt.

Brilique 90 mg wurde bereits in der EU für die Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei Erwachsenen mit akutem Koronarsyndrom (ACS) genehmigt. Für die Kontrolle von ACS beträgt die empfohlene Erhaltungsdosis 90 mg Brilique zweimal täglich während des ersten Jahres nach einem ACS-Vorfall.

Nach dem ersten Jahr

Nun – nach dem ersten Jahr – können Patienten mit einem Herzinfarkt in der Vorgeschichte weiterhin mit der niedrigeren Dosis Brilique 60 mg zweimal täglich behandelt werden, die zusammen mit einer täglichen Erhaltungsdosis von 75-150 mg Aspirin genommen werden sollte.

Die EU-Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Pegasus TIMI 54 Studie, eine groß angelegte Endpunktstudie mit mehr als 21.000 Patienten. Die Studie zeigte, dass Brilique deutlich den primären Endpunkt kardiovaskulärer Todesfälle, MI oder Schlaganfälle im Vergleich zu Placebo reduziert.

Die Genehmigung folgt der Zulassung im vergangenen Jahr von Brilinta (Ticagrelor) 60 mg durch die US Food and Drug Administration.
© arznei-news.de – Quelle: AstraZeneca, Feb. 2016

Vergleich mit Prasugrel: Gleich sicher und wirksam bei STEMI

04.09.2016 Die gerinnungshemmenden Medikamente Prasugrel und Ticagrelor (Handelsname Brilique) zeigten ähnliche Sicherheit und Wirksamkeit bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt und STEMI (ST-elevation myocardial infarction, ein Herzinfarkt, der im Elektrokardiogramm eine Anhebung der ST-Strecke auslöst), nach den Ergebnissen von PRAG-18, dem ersten randomisierten Kopf-an-Kopf-Vergleich der Medikamente.

Die auf dem ESC-Kongress 2016 vorgestellte Hot-Line-Studie randomisierte 1.230 STEMI-Patienten zu Prasugrel oder Ticagrelor vor der primären perkutanen Koronarintervention (PPCI).

Der primäre Endpunkt war definiert mit Tod, wiederholter Infarkt, dringliche Revaskularisierung des Zielgefäßes, Schlaganfall, schwere Blutungen mit anschließender Bluttransfusion oder längerer Krankenhausaufenthalt nach 7 Tagen.

Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, nachdem eine Zwischenanalyse keinen Unterschied hinsichtlich dieses Endpunktes zwischen den Gruppen zeigte (4,0% Prasugrel bzw. 4,1% Ticagrelor).

Es gab auch keinen Unterschied zwischen den Gruppen in der Rate der wichtigsten sekundären Endpunkte: kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder Schlaganfall innerhalb von 30 Tagen (2,7% bzw. 2,5%).

Finales Follow-up wird für alle Patienten nach einem Jahr sein und die Studie wird im Jahr 2017 beendet werden.
© arznei-news.de – Quelle: ESC Congress 2016, Sept. 2016

Arterielle Verschlusskrankheit: Brilinta enttäuscht

05.10.2016 AstraZenecas Brilinta mit der aktiven Substanz Ticagrelor (Handelsname in der EU ist Brilique) zeigte sich gegenüber Clopidogrel (Plavix von Sanofi) bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAD) als nicht überlegen.

Top-Line-Ergebnisse aus der EUCLID-Studie zeigten, dass das Medikament keinen Zusatznutzen gegenüber Clopidogrel in einer symptomatischen PAD-Patientenpopulation demonstrierte und deshalb nicht den primären Endpunkt der Studie erreichte.

Ticagrelor wurde in 28 Ländern bei 13.885 Patienten gegen Clopidogrel getestet. Die Studie ist die größte ihrer Art bei diesen Patienten und bildet einen Teil eines größeren Programms, in dem Brilinta bei Patienten mit PAD und Diabetes eingesetzt wird.

Die Studie verglich Brilinta 90mg Tabletten zweimal täglich mit Clopidogrel 75mg einmal täglich zur Prävention von atherothrombotischen Ereignissen (Kombination aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt oder ischämischen Schlaganfall).

Die Zeit bis zum ersten Auftreten eines solchen Ereignisses war der primäre Endpunkt der Studie und wurde nicht erfüllt.

AstraZeneca sagte, abhängig von den vorläufigen Analysen, sind die Sicherheitsdaten mit dem bekannten Sicherheitsprofil von Brilique konsistent.
© arznei-news.de – Quelle: AstraZeneca, Okt. 2016

Brilique verringert Sterblichkeitsrisiko bei längerer Anwendung

24.08.2017 Die langfristige Anwendung von AstraZenecas Brilinta (Markenname von Ticagrelor in den USA; Brilique in Europa) bei Patienten mit einem vorherigen Herzinfarkt reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Tod um 29 Prozent laut einer neuen Teilanalyse von Daten aus der Phase III Studie PEGASUS-TIMI 54.

Die Patienten erhielten den Wirkstoff Ticagrelor plus niedrig dosiertem Aspirin innerhalb von zwei Jahren nach einem Herzinfarkt oder innerhalb eines Jahres nach dem Stoppen der Plättchenaggregationshemmung mit einem Adenosindiphosphat-Inhibitor.

AstraZeneca sagt, die Ergebnisse wiesen auf einen schützenden Herz-Kreislauf-Nutzen bei einer längerfristigen Behandlung mit ihrem Medikament im Vergleich zur Standard-Behandlungsdauer von 12 Monaten nach dem Ereignis.

Die Analyse zeigte auch eine Risikoreduktion um 20 Prozent bei allen Todesursachen und 20 Prozent in der Zusammenfassung von CV-Tod, Myokardininfarkt oder Schlaganfall, während die Raten bei schweren Blutungen mit dem bekannten Sicherheitsprofil des Arzneimittels übereinstimmten.

Die Schlussfolgerung für Kliniker und Patienten mit hohem Risiko für CV-Tod nach Myokardininfarkt ist klar: Die Behandlung mit Brilique 60mg, entweder als Erhaltungstherapie nach den ersten 12 Monaten nach dem Ereignis oder mit einer so begrenzten Unterbrechung wie möglich, ist verknüpft mit einem klaren und günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis für diese Patienten, sagte Mikael Dellborg, Professor für Kardiologie an der Universität Göteborg und Mitglied des Lenkungsausschusses der PEGASUS-TIMI 54 Studie.

Das National Institute for Health and Care Excellence empfiehlt die Verwendung von Brilique 90mg für 12 Monate nach einem Herzinfarkt, um Patienten vor weiteren Episoden zu schützen, und die 60mg Dosis für drei Jahre über diese erste Behandlungsphase hinaus, um zu verhindern, dass ein weiterer Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Hoch-Risiko-Patienten eintritt.
© arznei-news.de – Quelle: AstraZeneca, Aug. 2017

Kauen der Aufladedosis kann bei STEMI vorteilhaft sein

27.10.2017 Für Patienten mit ST-Hebungs-Infarkt, ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI), kann das Kauen einer Aufladedosis von Ticagrelor (Brilique) eine bessere frühe Thrombozytenhemmung erleichtern laut einer in JAMA Cardiology veröffentlichten Studie.

Dr. Elad Asher vom Sheba Medical Center in Israel und Kollegen führten eine klinische Studie mit 50 erwachsenen Patienten mit STEMI durch, die randomisiert wurden, um eine Aufladedosis (AD) von Ticagrelor (180 mg) zu kauen oder eine orale Standardverabreichung derselben Dosis zu erhalten.

Die Forscher stellten fest, dass bei der Baseline, 30 Minuten, eine und vier Stunden nach Ticagrelor AD, der Mittelwert der P2Y12-Reaktionseinheiten in der Kaugruppe gegenüber der Standardgruppe

  • 224 versus 219 (95 Prozent Konfidenzintervall [CI], -16,77 bis 27,73; P = 0,26),
  • 168 versus 230 (95 Prozent CI, -103,77 bis -19,75; P = 0,003),
  • 106 versus 181 (95 Prozent CI, −125,15 bis −26,29; P = 0,005), und
  • 43 versus 51 (95 Prozent CI, −36,34 bis 21,14; P = 0,3) betrug.
  • 30 Minuten nach AD wurde die Reaktivität der Thrombozyten in der Kaugruppe um 24 Prozent reduziert (95 Prozent CI, 19,75 bis 103,77; P = 0,001).
  • In der Kau- versus der Standardgruppe betrug die relative Hemmung der Thrombozytenaggregation 51 versus 10 Prozent (95 Prozent CI, 13,69 bis 67,67; P = 0,005) nach einer Stunde und
  • 81 versus 76 Prozent (95 Prozent CI, -12,32 bis 16,79; P = 0,24) nach vier Stunden.

Größere Studien sollten nun folgen, um zu sehen, ob unsere vorläufigen Befunde zu Brilique in klinische Ergebnisse übersetzt werden können, schreiben die Autoren.
© arznei-news.de – Quelle: JAMA Cardiology – doi:10.1001/jamacardio.2017.3868, Okt. 2017



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