Tucatinib

Tucatinib ist ein niedermolekularer Inhibitor des HER2-Wachstumsfaktorrezeptors. Das Medikament zielt auf die HER2 “Tyrosinkinase” – eine Verbindung in der Kette der Kommunikation, die HER2-Rezeptoren erlaubt, das Wachstum der Zelle zu signalisieren.

HER2+ Brustkrebs: vielversprechende Resultate in Ph1-Studie

11.01.2017 Daten aus einer klinischen Phase 1 Studie zeigen vielversprechende Ergebnisse des experimentellen Anti-Krebs-Wirkstoffes Tucatinib (vorher ONT-380) gegen HER2+ Brustkrebs.

50 Frauen, deren Krebs trotz durchschnittlich 5 vorherigen Behandlungsschemata weiterwuchs, wurden behandelt. 27 Prozent dieser stark vorbehandelten Patientinnen zogen einen klinischen Nutzen aus dem Medikament, wobei sie mindestens eine “stabile Erkrankung” 24 oder mehr Wochen nach Beginn der Behandlung erreichten.

Diese Daten führten zu zwei nachfolgenden Phase Ib Studien, und FDA Fast-Track-Status für Tucatinib.

Weil das Medikament in Tablettenform eingenommen wird und ein sehr positives Nebenwirkungsprofil aufweist, soll es relativ patientenfreundlich sein, so dass Frauen die Behandlung in Infusionszentren und auch viele der Nebenwirkungen, die mit Chemotherapien verbunden sind, vermeiden können, sagten die Studienautoren im Fachblatt Clinical Cancer Research.
© arznei-news.de – Quelle: Clinical Cancer Research, 2017; DOI: 10.1158/1078-0432.CCR-16-1496, Jan. 2017

Klinische Studienergebnisse von Tucatinib mit T-DM1 gegen HER2+ Brustkrebs

11.07.2018 Die in JAMA Oncology veröffentlichten klinischen Studienergebnisse der Phase 1b zeigen vielversprechende Ergebnisse für die Kombination von Tucatinib (ehemals ONT-380) mit T-DM1 gegen stark vorbehandelten HER2-positiven Brustkrebs.

Von 57 behandelten Patientinnen sprachen 48 Prozent auf die Kombination an – mit einer Krebskontrolle von durchschnittlich 8,2 Monaten.

HER2-positiver Brustkrebs

Wichtig ist, sagen die Forscher, dass Tucatinib gegen Hirnmetastasen von HER2+ Brustkrebs, einer der Hauptursachen für die Mortalität durch die Erkrankung, wirkt.

Etwa 20 Prozent der Brustkrebserkrankungen gelten als HER2-positiv, was bedeutet, dass diese Krebszellen “Rezeptoren” überexprimieren, die den menschlichen epidermalen Wachstumsfaktor 2 (HER2) binden. Wenn HER2-Rezeptoren auf Krebszellen HER2 einfangen, signalisiert dies die unkontrollierte Vermehrung dieser Zellen. Aber auch das Gegenteil ist der Fall: Wenn HER2+ Brustkrebszellen nicht in der Lage sind, HER2 zu binden, sterben sie ab.

Tucatinib wird in einer Reihe weiterer Studien und mit weiteren Wirkstoff-Partnern evaluiert, zum Beispiel in einer weiteren am CU Cancer Center stattfindenen Forschung, um den Einsatz des Medikaments als Bestandteil einer Kombination gegen den sogenannten dreifach-positiven Brustkrebs (Krebsformen, die Östrogen, Progesteron und HER2-Rezeptoren exprimieren) zu untersuchen. Studienautorin Virginia Borges hofft, dass die Wirksamkeit von Tucatinib bei Patientinnen mit metastasierenden Erkrankungen, die frühere Behandlungen ausprobiert haben, zu Studien mit dem früher verwendeten Medikament führen kann.

Kombination mit Ado-Trastuzumab-Emtansin

In der aktuellen Studie wurde Tucatinib mit Ado-Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) kombiniert, das zu einer Klasse von Medikamenten gehört, die als Antikörper-Wirkstoff-Konjugate bekannt sind. In diesem Fall wird ein Antikörper namens Trastuzumab, der an HER2 bindet, mit einem Medikament namens Emtansin kombiniert, das Zellen abtötet. Gemeinsam liefert T-DM1 das zelltötende Medikament direkt an die mit HER2 markierten Krebszellen.
© arznei-news.de – Quellenangabe: JAMA Oncol. doi:10.1001/jamaoncol.2018.1812

Die zusätzliche Behandlung mit Tucatinib verlängert die Lebenserwartung von Patientinnen mit fortgeschrittenem HER2+ Brustkrebs

22.12.2019 Forscher des University of Texas MD Anderson Cancer Center berichten im New England Journal of Medicine, dass die zusätzliche Behandlung mit Tucatinib zu Capecitabin (Xeloda) und Trastuzumab (Herceptin) das progressionsfreie Überleben (PFS) und die Gesamtüberlebenszeit (OS) bei Patientinnen mit fortgeschrittenem HER2-positiven Brustkrebs mit und ohne Hirnmetastasen laut den Ergebnissen der klinischen Studie HER2CLIMB signifikant verbesserte.

Wirksamkeit: Gesamtüberlebens-, progressionsfreie Überlebenszeit

Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt und zeigte, dass die Behandlungskombination das Sterberisiko im Vergleich zu Trastuzumab und Capecitabin allein um 46% reduzierte.

Auch die sekundären Endpunkte der Studie wurden bei der Zwischenanalyse erreicht. Sie zeigten, dass Tucatinib die OS verlängerte, das Sterberisiko um 34% reduzierte und das PFS bei Patientinnen mit Hirnmetastasen um 52% verlängerte.

Die Gesamtansprechrate war in der Tucatinib-Gruppe mit 41% höher als bei der Standardbehandlung mit 23%.

In die internationale randomisierte Studie wurden 612 Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-positiven Brustkrebs aufgenommen, die zuvor mit Trastuzumab, Pertuzumab und Ado-Trastuzumab-Emtansin behandelt wurden.

Die Forscher wiesen die Patientinnen nach dem Zufallsprinzip im Verhältnis 2:1 auf die Behandlung mit Trastuzumab und Capecitabin mit oder ohne Tucatinib zu. Fast die Hälfte (47,5%) der Patientinnen hatte zu Beginn der Studie Hirnmetastasen.

Sicherheit; Nebenwirkungen; Abbruchrate

Die Dreifach-Kombination wurde im Allgemeinen gut vertragen, ohne unerwartete Toxizitäten. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen (Nebenwirkungen) im Tucatinib-Arm gehörten Durchfall, Hand-Fuß-Syndrom, Übelkeit, Erschöpfung und Erbrechen, allesamt meist von geringem Grad.

Die Abbruchrate lag bei 5,7% im Triplett-Arm und 3% im Kontrollarm.
© arznei-news.de – Quellenangabe: New England Journal of Medicine (2019). DOI: 10.1056/NEJMoa1914609



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