α2-Agonisten bei ADHS: weniger Nebenwirkungen

α2-Adrenozeptor-Agonisten führen zu weniger Nebenwirkungen bei Vorschulkindern mit ADHS

29.07.2021 Eine Studie des Bostoner Kinderkrankenhauses zeigt, dass der Beginn einer medikamentösen Behandlung mit Alpha-2-adrenergen Agonisten (α2-Adrenozeptor-Agonisten; kurz α2-Agonisten) wie Guanfacin und Clonidin die ADHS-Symptome bei Kindern im Vorschulalter wirksam verringern kann.

Ebenso zeigt die Studie, dass diese Medikamente weniger Nebenwirkungen haben als Stimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin, Concerta) und Lisdexamfetamin (Elvanse), die häufig die erste Wahl bei der Behandlung von ADHS sind.

α2-Agonisten

α2-Agonisten wurden ursprünglich zur Regulierung des Blutdrucks bei Erwachsenen eingesetzt, erhielten dann aber die FDA-Zulassung zur Behandlung von ADHS bei Kindern im Schulalter, nachdem in klinischen Studien festgestellt wurde, dass sie die Aufmerksamkeit und Konzentration verbessern und die ADHS-Symptome verringern können.

Die Ergebnisse dieser ADHS/A2A-Studie wurden im JAMA veröffentlicht. Es handelt sich um die erste Analyse der Auswirkungen von Stimulanzien und α2-Agonisten bei Vorschulkindern.

Ein Team des Developmental Behavioral Pediatrics Research Network (DBPNet) untersuchte die Krankenakten von fast 500 Kindern, die in sieben ambulanten kinderärztlichen Praxen für Entwicklungsstörungen behandelt wurden.

Sie fanden heraus, dass etwa 35 Prozent der Kinder im Vorschulalter mit ADHS eine medikamentöse Behandlung mit A2A-Medikamenten begannen, obwohl wenig über deren Wirksamkeit und Sicherheit in dieser Altersgruppe bekannt ist, sagt die Hauptautorin Elizabeth Harstad vom Boston Children’s. Da diesen Kindern diese Medikamente bereits verschrieben werden, war es wichtig, ihre Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Wirkungen zu untersuchen.

Das Durchschnittsalter der an der Studie teilnehmenden Kinder lag bei knapp über fünf Jahren; 82 Prozent waren männlich.

α2-Agonisten fast so wirksam wie Stimulanzien

Von den 497 Kindern in der Studie hatten 309 (62 Prozent) zunächst eine Verhaltenstherapie erhalten, bevor sie mit ADHS-Medikamenten behandelt wurden, was den aktuellen Empfehlungen der American Academy of Pediatrics zur ADHS-Behandlung entspricht.

Verhaltenstherapeutische Interventionen bei ADHS

Verhaltenstherapeutische Interventionen sind die erste Behandlung, die bei Kindern im Vorschulalter mit ADHS empfohlen wird. Sie können Veränderungen im physischen und sozialen Umfeld beinhalten, die darauf abzielen, das Verhalten durch Belohnungen und nicht-strafende Konsequenzen zu ändern.

Geringere Nebenwirkungsrate bei α2-Agonisten

Tagesschläfrigkeit war die einzige unerwünschte Nebenwirkung, die bei Kindern, die mit α2-Agonisten behandelt wurden, häufiger auftrat als bei Stimulanzien (38 Prozent gegenüber 3 Prozent).

Bei den Stimulanzien gab es mehrere Nebenwirkungen, die häufiger beobachtet wurden als bei den Kindern, die mit α2-Agonisten begonnen hatten, sagt Harstad.

Die häufigsten negativen Auswirkungen unter Stimulanzien vs. α2-Agonisten waren:

  • Stimmungsschwankungen/Reizbarkeit (50 Prozent vs. 29 Prozent)
  • Appetitreduktion (38 Prozent gegenüber 7 Prozent)
  • Schlafstörungen (21 Prozent vs. 11 Prozent)
  • verstärkte Bauchschmerzen (13 Prozent gegenüber 5 Prozent)
  • vermehrtes Skinpicking (an der Haut zupfen) / repetitive (wiederholende) Verhaltensweisen (11 Prozent gegenüber 5 Prozent)

Tatsache ist, dass die Kinder, die die α2-Agonisten einnahmen, weniger Probleme mit diesen Nebenwirkungen hatten, sagt Harstad.

Eine ermutigende Folgestudie

Eine frühere, an anderer Stelle durchgeführte wegweisende Studie, die sogenannte Preschool ADHD Treatment Study (PATS), ergab, dass eine Behandlung mit dem Stimulans Methylphenidat die ADHS-Symptome bei Kindern im Alter von drei bis 5,5 Jahren deutlich reduzierte. Allerdings waren mehr als 40 Prozent der Kinder während der Einnahme reizbar; mehr als 20 Prozent weinten oder waren weinerlich, traurig oder deprimiert.

© arznei-news.de – Quellenangabe:





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