Anticholinergika und Demenz

Studie findet Zusammenhang mit Demenz

26.04.2018 Die größte und detaillierteste Studie über die langfristigen Auswirkungen von Anticholinergika, einer Klasse von Medikamenten, die bei überaktiver Blase, Harninkontinenz und Dranginkontinenz sowie einer erhöhten Miktionshäufigkeit verschrieben werden, hat ergeben, dass ihre Anwendung mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden ist, selbst wenn sie 20 Jahre vor der Diagnose einer kognitiven Beeinträchtigung eingenommen werden.

Ein internationales Forscherteam aus den USA, Großbritannien und Irland analysierte mehr als 27 Millionen Rezepte von mit Demenz diagnostizierten 40.770 Patienten über 65 Jahren und verglichen sie mit den medizinischen Aufzeichnungen von 283.933 älteren Erwachsenen ohne Demenz.

Die Forscher fanden eine größere Inzidenz von Demenz bei Patienten, die anticholinerge Antidepressiva, anticholinerge Blasenmedikamente und anticholinerge Parkinson-Medikamente verschrieben bekommen hatten, als bei älteren Erwachsenen, denen diese Medikamente nicht verschrieben wurden.

Die Demenz nahm mit zunehmender Exposition gegenüber Anticholinergika zu.
© arznei-news.de – Quellenangabe: BMJ (2018). DOI: 10.1136/bmj.k1315

Anticholinerge Medikamente: Verbindung mit erhöhtem Demenzrisiko

24.06.2019 Eine in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Forschungsarbeit hat ergeben, dass das Demenzrisiko bei Patienten ab 55 Jahren, die seit drei Jahren oder längerem täglich starke anticholinerge Medikamente einnahmen, um fast 50% erhöht war.

Carol Coupland von der Universität Nottingham und Kollegen untersuchten die Krankenakten von 58.769 Patienten mit einer Demenzdiagnose und 225.574 Patienten ohne Demenzdiagnose im Alter von 55 Jahren und älter, die zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Januar 2016 britische Allgemeinmediziner aufgesucht und mit ihren Daten in der QResearch-Datenbank registriert wurden.

Erhöhtes Demenzrisiko bei verschiedenen Anticholinergika

Die Studienergebnisse zeigen ein erhöhtes Demenzrisiko bei Anticholinergika insgesamt und speziell für anticholinerge

  • Antidepressiva (um 29% erhöht),
  • Antipsychotika (um 70% erhöht),
  • Antiparkinson-Medikamente (um 52% erhöht),
  • Blasenmedikamente (65%) und
  • Epilepsiemedikamente (39%) nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren für Demenz.

Für die anderen untersuchten Arten von anticholinergen Medikamenten wie Antihistaminika und Magen-Darm-Medikamente wurden keine erhöhten Risiken festgestellt, schreiben die Wissenschaftler.

Die 58.769 dementen Patienten hatten ein Durchschnittsalter von 82 Jahren und 63% waren Frauen. Jeder Demenz-Fall wurde auf fünf Kontrollpatienten gleichen Alters, Geschlechts und Arztpraxis abgestimmt.

Die Exposition gegenüber anticholinergen Medikamenten wurde anhand von verschreibungspflichtigen Informationen über einen kompletten Zeitraum von 10 Jahren von 1 bis 11 Jahren vor der Diagnose einer Demenz oder der entsprechenden Daten bei Kontrollpatienten bewertet und zwischen den beiden Patientengruppen verglichen. Weitere Analysen betrachteten die Verschreibungen von Anticholinergika bis zu 20 Jahre vor der Diagnose einer Demenz.

Ursache-Wirkung unklar

Dies war eine Beobachtungsstudie, so dass keine eindeutigen Rückschlüsse darauf gezogen werden können, ob diese anticholinergen Medikamente Demenz verursachen, und es ist möglich, dass die Anticholinergika für sehr frühe Symptome einer Demenz verschrieben wurden.
© arznei-news.de – Quellenangabe: JAMA Internal Medicine – doi:10.1001/jamainternmed.2019.0677



Schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen mit diesem Medikament:

Erfahrungsberichte werden nach Prüfung auf Arznei-News.de veröffentlicht. Machen Sie bitte keine persönlichen Angaben (wie Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefon-Nr., Email-Adresse etc.)! Benutzen Sie bitte aus Lesbarkeitsgründen auch Komma, Punkt und Absatz. :-)