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Antikoagulanzien nach einem Schlaganfall – wann?

Frühe versus spätere Antikoagulation bei Schlaganfall mit Vorhofflimmern

Antikoagulanzien nach einem Schlaganfall – wann?

26.05.2023 Eine internationale klinische Studie unter der Leitung des Inselspitals, des Universitätsspitals Bern und der Universität Bern hat gezeigt, dass die Antikoagulation (Blutverdünnung) bei Menschen mit einem Schlaganfall und Vorhofflimmern früher begonnen werden kann als bisher in den Leitlinien empfohlen. Eine frühere Behandlung könnte das Risiko eines weiteren Schlaganfalls verringern, ohne das Blutungsrisiko zu erhöhen laut der im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie.

Etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle werden durch einen Verschluss einer Arterie im Gehirn (Ischämie) verursacht. Davon werden bis zu 20 Prozent durch Blutgerinnsel verursacht, die sich im Herzen von Menschen mit Vorhofflimmern bilden. Vorhofflimmern ist ein unregelmäßiger Herzrhythmus, von dem bis zu fünf Prozent der Menschen über 65 Jahre betroffen sind. Blutverdünner, sogenannte direkte orale Antikoagulanzien (DOAC), werden eingesetzt, um Blutgerinnsel bei Menschen mit Vorhofflimmern zu verhindern.

Bislang ist unklar, wie schnell nach einem Schlaganfall mit dieser Behandlung begonnen werden sollte. Es besteht möglicherweise ein erhöhtes Blutungsrisiko, das in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall am größten ist. Andererseits könnte der mögliche Nutzen dieser Medikamente in den ersten Tagen auch am größten sein.

Ist der frühe Einsatz von DOACs nach einem ischämischen Schlaganfall sicher?

Die ELAN-Studie (Early versus Late initiation of direct oral anticoagulants in post-ischämischen stroke patients with atrial fibrillation) zeigt, dass das Risiko für das Auftreten eines weiteren Schlaganfalls bei einem früheren Beginn der Behandlung mit Antikoagulantien geringer ist als bei einem späteren Beginn der Behandlung. Und das, ohne das Risiko für Komplikationen zu erhöhen.

In der Studie aus dem Jahr 2013 wurden Menschen mit einem akuten ischämischen Schlaganfall und Vorhofflimmern untersucht. Die Personen wurden zwischen 2017 und 2022 in 103 verschiedenen Stroke Units in 15 Ländern in Europa, dem Nahen Osten und Asien rekrutiert. Je nach Größe und Lokalisation des Schlaganfalls (d. h. leichter, mittelschwerer oder schwerer Schlaganfall) wurden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einem früheren oder späteren Behandlungsbeginn zugewiesen als in den Leitlinien empfohlen.

Ein früher Beginn wurde definiert als innerhalb von 48 Stunden nach einem leichten/mittelschweren Schlaganfall oder am sechsten bis siebten Tag nach einem schweren Schlaganfall. Später Beginn war definiert als Tag drei bis vier nach einem leichten Schlaganfall, Tag sechs bis sieben nach einem mittelschweren Schlaganfall oder Tag 12 bis 14 nach einem schweren Schlaganfall.

Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus erneutem ischämischem Schlaganfall, systemischer Embolie, schwerer extrakranieller Blutung, symptomatischer intrakranieller Blutung oder vaskulärem Tod innerhalb von 30 Tagen nach Randomisierung.

Die Studienergebnisse zeigen, dass nach 30 Tagen bei 2,9 % der Teilnehmer (29 Personen) in der Gruppe mit frühzeitiger Behandlung und bei 4,1 % der Teilnehmer (41 Personen) in der Gruppe mit später Behandlung eines der oben genannten Ereignisse auftrat. Nach 90 Tagen betrug der Unterschied in der Ereignisrate zwischen den beiden Gruppen -1,9 %. Ein neuer Schlaganfall trat nach 30 Tagen bei 1,4 % der früh behandelten Teilnehmer (14 Personen) und bei 2,5 % der spät behandelten Teilnehmer (25 Personen) auf. In beiden Gruppen traten bei 0,2 % der Teilnehmer (2 Personen) symptomatische Hirnblutungen auf.

„Unsere Studie liefert wissenschaftliche Belege für ein häufiges Dilemma in der frühen Sekundärprävention nach ischämischem Schlaganfall. Angesichts unserer Ergebnisse ist ein früher Behandlungsbeginn sinnvoll, wenn er aus logistischen oder anderen Gründen angezeigt oder wünschenswert ist“, sagt Studienleiter Prof. Urs Fischer von den Universitätsspitälern Bern und Basel. Prof. Dr. Jesse Dawson von der Universität Glasgow betont, dass die Studie auch darauf hinweist, dass eine frühe Blutverdünnung nur ein geringes Risiko für eine Hirnblutung birgt, insbesondere wenn die Behandlung auf der Grundlage einer bildgebenden Untersuchung erfolgt.

© arznei-news.de – Quellenangabe: New England Journal of Medicine (2023). DOI: 10.1056/NEJMoa2303048

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