Aripiprazol (Abilify) bei Depression

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Statt Wechsel auf neues Antidepressivum zusätzlich Aripiprazol?

16.07.2017 Viele Patienten mit schwerer Depression erreichen durch das erste ihnen verschriebene Medikament wenig Linderung.

Eine große neue Studie mit 1.522 Patienten zeigt, dass diese Patienten mehr durch die Behandlung mit einem weiteren (zusätzlichen) Antipsychotikum (in diesem Fall Aripiprazol) profitieren können als durch die Umstellung auf ein anderes Antidepressivum.

Die Forscher der Yale Universität stellten fest, dass von drei Strategien diejenige die größte Symptomlinderung erreichte, bei der ein Antipsychotikum einer vorherigen Antidepressiva-Behandlung hinzugefügt wurde, sagte Studienautorin Dr. Somaia Mohamed im Fachblatt Journal of the American Medical Association.

Weniger als ein Drittel der 16 Millionen US-Amerikaner mit schwerer Depression erreichen eine Remission (Linderung der Symptome) durch das erste ihnen verschriebene Medikament, schreibt der Bericht – ähnlich dürfte es in Deutschland aussehen.

Strategien

Die drei Gruppen, die die drei Strategien in der neuen Studie repräsentierten, waren:

  • Wechseln auf ein anderes Antidepressivum, Bupropion (Wechslergruppe, n = 511);
  • Verstärkung der aktuellen Behandlung mit Bupropion (Augmentation-Bupropion-Gruppe, n = 506); oder
  • Verstärkung mit einem atypischen Antipsychotikum, Aripiprazol (Augmentation-Aripiprazol-Gruppe, n = 505)

für 12 Wochen (akute Behandlungsphase) und bis zu 36 Wochen für ein längerfristiges Follow-up (Fortsetzungsphase).

Remission

Die neue Studie zu dieser Population zeigte eine Remissionsrate von

  • 28,9% bei denjenigen, die zusätzlich zum ersten Antidepressivum für 12 Wochen mit dem antipsychotischen Medikament Aripiprazol (Abilify) behandelt wurden.
  • Dies war ein deutlich größerer Anteil als die 22% Remission bei Patienten, die vom ursprünglich benutzten Antidepressivum auf ein anderes (Buproprion) wechselten.
  • Die Gruppe, die Aripiprazol nahm, zeigte auch signifikant häufiger ein klinisch bedeutendes Ansprechen auf die Behandlung, als diejenigen, die entweder auf ein anderes Antidepressivum wechselten oder ein zusätzliches Antidepressivum zu den ursprünglichen Medikamenten einnahmen, berichten die Autoren.

Detaillierte Resultate

Unter den 1.522 randomisierten Patienten (mittleres Alter, 54,4 Jahre, Männer 1.296 – 85,2%) schlossen 1.137 (74,7%) die akute Behandlungsphase ab.

Die Remissionsraten nach 12 Wochen betrugen

  • 22,3% (n = 114) für die Wechslergruppe;
  • 26,9% (n = 136) für die Bupropion-Augmentationsgruppe und
  • 28,9% (n = 146) für die Aripiprazol-Augmentationsgruppe.

Die Aripiprazol-Augmentationsgruppe war der Wechslergruppe bei der Remission (relatives Risiko [RR], 1,30 [95% CI, 1,05-1,60], P = 0,02) überlegen, andere Remissionsvergleiche waren aber nicht signifikant.

  • in der Aripiprazol-Augmentationsgruppe (74,3%) größer
  • als in der Wechsler-Gruppe (62,4%, RR, 1,19 [95% CI, 1,09-1,29]) oder
  • in der Bupropion-Augmentationsgruppe (65,6%, RR, 1,13 [ 95% CI, 1,04-1,23]).

Es wurden keine signifikanten Behandlungsunterschiede hinsichtlich der Rückfälle beobachtet.

Nebenwirkungen der verschiedenen Strategien

Angst war häufiger in den zwei Bupropion-Gruppen (

  • 24,3% in der Wechslergruppe [n = 124] gegenüber
  • 16,6% in der Aripiprazol-Augmentationsgruppe [n = 84] und
  • 22,5% in der Bupropion-Augmentationsgruppe [n = 114].

Nebenwirkungen kamen häufiger in der Aripiprazol-Augmentationsgruppe vor: Somnolenz, Akathisie und Gewichtszunahme.

Weitere Studien sollten die Strategie untersuchen, angesichts der Nebenwirkungen, und weil Aripiprazol zwar zu einer statistisch signifikanten, aber nur moderat erhöhten Wahrscheinlichkeit der Remission während einer 12-wöchigen Behandlung im Vergleich zum Umstieg auf die Bupropion-Monotherapie führte.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Yale Universität, Journal of the American Medical Association – doi:10.1001/jama.2017.8036; Juli 2017

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