Cannabidiol (CBD; Epidiolex) bei Schizophrenie

Anwendung bei: Dravet-Syndrom, Epilepsie, Tuberöse Sklerose, Lennox-Gastaut-Syndrom, Hirntumor, Glioblastom, Schizophrenie, Psychose

Marihuanakomponente wirksamer als antipsychotisches Medikament bei Behandlung von Schizophrenie

Ein gewisser Marihuana Bestandteil – Cannabidiol (CBD, im Handel unter dem Namen Epidiolex), ein schwach psychoaktives Cannabinoid – ist bei der Behandlung von Schizophrenie genauso gut wie ein Antipsychotikum (Neuroleptika) mit viel weniger Nebenwirkungen laut einer vorläufigen klinischen Studie.

Das Forscherteam, angeführt von Markus Leweke von der Universität Köln, untersuchte 39 Menschen mit Schizophrenie, die für eine psychotische Episode ins Krankenhaus eingewiesen worden waren. Neunzehn Patienten wurden mit Amisulprid, ein Antipsychotikum, behandelt.

Den übrigen 20 Patienten wurde CBD gegeben, eine Substanz, die Bestandteil von Marihuana ist, das für die „Besänftigung“ oder Angst-reduzierende Wirkung in Betracht kommt. Im Gegensatz zum Hauptbestandteil in Marihuana – THC, das psychotische Episoden auslösen und eine Schizophrenie verschlimmern kann, hat CBD antipsychotische Wirkungen laut vorheriger Forschung bei sowohl Tieren als auch Menschen.

Weder die Patienten noch die Wissenschaftler wussten, wer was erhielt. Am Ende der vier Wochen machten beide Gruppen bedeutsame klinische Verbesserungen bezüglich ihrer schizophrenen Symptome, und es gab keinen Unterschied zwischen jenen, die CBD oder jenen, die Amisulprid bekamen.

„Die Ergebnisse waren erstaunlich“, sagte Daniel Piomelli, Ph.D., Professor der Pharmakologie an der Universität California, Irvine und Mitautor der Studie. „Nicht nur war Cannabidiol so wirksam wie das Standard-Antipsychotikum, es war auch frei von den typischen Nebenwirkungen der heute verabreichten Neuroleptika“.

Schwere Nebenwirkungen von Neuroleptika

Antipsychotische Medikamente können verheerende und manchmal permanente Bewegungsstörungen verursachen; sie können auch die Motivation und Freude eines Patienten senken. Die neue Generation dieser Neuroleptika kann auch zu Gewichtszunahme und der Zunahme des Risikos für Diabetes führen. Diese Nebenwirkungen sind weithin bekannt als eine große Behinderung während der Behandlung.

In der deutschen Studie wurde bei Patienten beobachtet, dass Gewichtszunahme- und Bewegungsprobleme bei Amisulprid auftraten, aber nicht bei denen, die CBD nahmen.

„Diese aufregenden Befunde sollten die Forschung stimulieren“, sagte Dr. John Krystal, Vorsitzender der Psychiatrie der Yale University School of Medicine, der nicht mit der Forschung verbunden ist. Er bemerkt, dass CBD nicht nur weniger Nebenwirkungen hat, sondern auch besser bei den so genannten „negativen Symptomen der Schizophrenie“ arbeite, die notorisch schwer zu behandeln sind.

Negative Schizophreniesymptome umfassen sozialen Rückzug, reduziertes Empfinden für Freude und ein Mangel an Motivation. Jedoch, da die gegenwärtigen Antipsychotika diese negativen Symptome tatsächlich verursachen können, war es nicht klar, ob Cannabidiol besser als Amisulprid darin ist, diese Symptome loszuwerden, oder ob CBD einfach weniger Nebenwirkungen verursachte.

Wenn diese Forschungsergebnisse repliziert werden können, sagen die Ergebnisse, dass CBD mindestens so wirksam ist wie gegenwärtige Neuroleptika bei der Behandlung von Schizophrenie, und zwar ohne die schwerwiegenden Nebenwirkungen, die dafür sorgen, dass Patienten sich sträuben, diese Medikamente zu nehmen.

Herstellung von CBD wird nicht gefördert

Das wirkliche Problem mit CBD ist, dass es schwer ist, dies zu entwickeln, aus einigen dummen Gründen, sagte Piomelli. Da es in Marihuana vorkommt, sind es offensichtliche politische Probleme, die seine Verwendung verbieten. Auch ist es teuer, es aus der der Pflanze herauszuziehen.

Aber das größte Hindernis ist wohl, dass CBD eine natürliche Zusammensetzung hat und deshalb nicht patentiert werden kann, auf die Art, wie neue Medikamente es werden. Obwohl also CBD der Verkaufs-knüller auf dem Antipsychotika-Markt werden könnte, haben die Pharmakonzerne wahrscheinlich kein Interesse, es zu entwickeln. Forscher arbeiten daran, synthetische Versionen von Cannabidiol zu entwickeln, die solche Hürden vermeiden würden.

„Wir haben eine und hoffen, dass wir weiter vorankommen“, sagte Piomelli.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Translational Psychiatry. Juni 2012

Cannabinoid vielversprechend bei Schizophrenie

Pharmakonzern GW Pharmaceuticals hat Phase II Daten veröffentlicht, die darauf hinweisen, dass ihr auf Cannabis basierendes Medikament Cannabidiol (Markenname Epidiolex) eine wirksame Behandlung für Schizophrenie sein könnte.

Endpunkte und Ansprechrate

Die Phase IIa Placebo-kontrollierte klinische Studie wurde mit 88 Schizophrenie-Patienten durchgeführt, die zuvor nicht auf eine First-Line-Behandlung mit Antipsychotika angesprochen hatten.

Spezifische Ergebnisse wurden zu diesem Zeitpunkt nicht freigegeben, aber GW ließ verlautbaren, dass Cannabidiol (CBD) durchweg besser als Placebo bei verschiedenen explorativen Endpunkten der Studie (PANSS positive sub-scale, Clinical Global Impression of Severity, Clinical Global Impression of Improvement, Scale for Assessment of Negative Symptoms) und der Ansprechrate abschnitt.

Nebenwirkungen

Entscheidend ist, sagte das Unternehmen: Das Sicherheitsprofil von CBD sei „besonders beruhigend“, ohne schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen und bei der Gesamthäufigkeit von Nebenwirkungen sehr ähnlich zu Placebo.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren:

  • Durchfall (9,3% CBD vs 4,4% Placebo),
  • Übelkeit (7% vs. 0%),
  • Kopfschmerzen (7% vs. 8,9%) und
  • Somnolenz (0% vs. 6,7%).

„Diese Ergebnisse verstärken die potentielle Rolle von Cannabinoiden auf dem Gebiet der neuropsychiatrischen Krankheiten“, sagte GW-Chef Justin Gover.

Wir glauben, dass die in dieser Studie gezeigte Wirksamkeit zusammen mit einem sehr beruhigenden Sicherheitsprofil, die Aussicht auf ein neues neuropsychiatrisches Cannabinoidprodukt in der Produktpipeline von GW verbessert, sagte er.

Er stellte ferner fest, dass mit der gleichen Linie wie Epidiolex – das für Formen der Epilepsie im Kindesalter entwickelt wurde – die zukünftige Forschung des Unternehmens im Bereich pädiatrischer Orphan-Indikationen in der Neuropsychiatrie liegen wird.
© arznei-news.de – Quellenangabe: GW Pharmaceuticals; Sept. 2015

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