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Cannabidiol wirksam bei behandlungsresistenten Ängsten

Cannabidiol gegen behandlungsresistente Angststörungen bei jungen Menschen: Eine Open-Label-Studie

Cannabidiol wirksam bei behandlungsresistenten Ängsten

04.08.2022 Cannabidiol kann den Schweregrad der durch chronische Angstzustände (Angststörungen) verursachten Symptome und Beeinträchtigungen um die Hälfte reduzieren laut einer Pilotstudie von Orygen, dem australischen Kompetenzzentrum für die psychische Gesundheit von Jugendlichen.

Die Cannabidiol Youth Anxiety Pilot Study

Die Cannabidiol Youth Anxiety Pilot Study ergab, dass junge Menschen mit behandlungsresistenten Angststörungen nach einer 12-wöchigen Behandlung mit Cannabidiol – einem nicht toxischen Bestandteil der Cannabis-sativa-Pflanze, der meist als CBD bezeichnet wird – eine durchschnittliche Verringerung des Schweregrads und der Beeinträchtigung ihrer Angstzustände um 42,6 % aufwiesen.

An der Pilotstudie nahmen 31 Teilnehmer im Alter von 12 bis 25 Jahren teil, die aus den Primärversorgungsdiensten von Orygen rekrutiert wurden. Die Teilnehmer hatten eine diagnostizierte Angststörung und konnten nach mindestens fünf kognitiven Verhaltenstherapiesitzungen (KVT) keine signifikante Verbesserung des Schweregrads ihrer Angst feststellen.

Wirksamkeit

„Die Jugendlichen hatten weniger Panikattacken und konnten Dinge tun, die ihnen vorher nicht möglich waren, wie z. B. das Haus verlassen, zur Schule gehen, an sozialen Situationen teilnehmen, in Restaurants essen, öffentliche Verkehrsmittel benutzen oder Termine alleine wahrnehmen“, so Studienautor Paul Amminger.

„Das ist eine erstaunliche Veränderung in der Gruppe, die seit langem unter behandlungsresistenten schweren bis sehr schweren Ängsten litt.“

Der Rückgang der Symptome wurde auf zwei verschiedenen Skalen beobachtet: einer vom Arzt bewerteten Skala (Hamilton Anxiety Rating: 50,7 %) und einer selbstbewerteten Skala (Overall Anxiety Severity and Impairment Scale: 42,6 %), bei der die Teilnehmer einen Fragebogen zu Symptomen wie Panikattacken, situativen Ängsten, Sorgen und Flashbacks ausfüllten.

Cannabidiol-Dosierung

Die Anfangsdosis für die Teilnehmer der Pilotstudie betrug eine Cannabidiol-Kapsel mit 200 mg pro Tag, die nach einer Woche auf 400 mg erhöht wurde. Bei denjenigen, die keine signifikante Verbesserung der Angstsymptome zeigten, wurde die Dosis in 200mg-Schritten bis auf 800mg pro Tag erhöht. Allen Teilnehmern wurde eine zweiwöchentliche kognitive Verhaltenstherapie über 12 Wochen (fünf Sitzungen) angeboten.

Verträglichkeit, Nebenwirkungen

„Unsere Pilotstudie ergab, dass Cannabidiol nicht nur zur Verringerung von Angstsymptomen beitrug, sondern auch sehr gut verträglich war – die häufigsten Nebenwirkungen waren leichte Sedierung und leichte Müdigkeit, aber das war zu dem Zeitpunkt, als die Dosis erhöht wurde und verschwand in der Regel nach ein paar Tagen“, sagte Amminger.

„Wir haben keine Nebenwirkungen wie Suizidgedanken, Reizbarkeit oder Schlafprobleme beobachtet, die unter SSRI nicht ungewöhnlich sind.“

Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, werden weitere Forschungen benötigt.

„Eine Open-Label-Pilotstudie ist durch ihr Design begrenzt. Die Feststellung eines Behandlungseffekts in der behandlungsresistenten Gruppe ist ermutigend, aber es könnte sich auch um einen Placebo-Effekt handeln. Der nächste Schritt ist eine randomisierte kontrollierte Studie, die den Goldstandard für die Prüfung einer neuen Intervention darstellt. Eine solche Studie muss an einer viel größeren Gruppe – etwa 200 bis 250 jungen Menschen – durchgeführt werden, damit wir mit einiger Sicherheit sagen können, ob die Behandlung tatsächlich Nutzen und Wirkung hat oder nicht“, sagte Amminger.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Cannabidiol for treatment-resistant anxiety disorders in youth people: an open-label trial, Journal of Clinical Psychiatry (2022)

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Diese Informationen sind NICHT als Empfehlung für ein bestimmtes Medikament zu verstehen. Auch wenn diese Berichte, Studien, Erfahrungen hilfreich sein können, sind sie kein Ersatz für die Erfahrung und das Fachwissen von Ärzten.



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