COVID-19: Geringere Sterblichkeit unter Heparin

Frühzeitige gerinnungshemmende Behandlung reduziert Sterblichkeit bei mittelschwer erkrankten COVID-19-Patienten

14.07.2021 COVID-19 ist gekennzeichnet durch eine verstärkte Entzündung und abnorme Gerinnung in den Blutgefäßen, insbesondere in der Lunge, die vermutlich zum Fortschreiten der schweren Erkrankung und zum Tod beitragen. Neue Studienergebnisse zeigen, dass die frühzeitige Verabreichung einer vollen Dosis des Standard-Blutverdünners Heparin an mittelschwer kranke, hospitalisierte Patienten mit COVID-19 den Thrombo-Entzündungsprozess stoppen und das Risiko einer schweren Erkrankung und des Todes verringern könnte.

Die von Forschern des St. Michael’s Hospital und der University of Vermont Larner College of Medicine geleitete Studie ist als Preprint auf MedRxiv verfügbar.

Heparin – ein Blutverdünner, der hospitalisierten Patienten regelmäßig in niedriger Dosis verabreicht wird – verhindert die Bildung von Blutgerinnseln und reduziert Entzündungen.

Die offene, randomisierte, internationale, multizentrische RAPID-Studie (auch bekannt als RAPID COVID COAG – RAPID Trial) untersuchte den Nutzen der Verabreichung einer therapeutischen Volldosis von Heparin im Vergleich zu einer prophylaktischen niedrigen Dosis bei mittelschwer kranken Patienten, die mit COVID-19 auf die Krankenstation aufgenommen wurden.

Notfallaufnahme, mechanische Beatmung oder Tod

Der primäre Endpunkt war ein Kompositum aus ICU-Aufnahme, mechanischer Beatmung oder Tod über einen Zeitraum von bis zu 28 Tagen. Die Sicherheitskriterien umfassten schwere Blutungen. Der primäre Endpunkt trat bei 37 von 228 Patienten (16,2 %) mit therapeutisch voll dosiertem Heparin und bei 52 von 237 (21,9 %) mit niedrig dosiertem Heparin auf (Odds Ratio [OR]: 0,69; 95 % Konfidenzintervall [CI]: 0,43-1,10; p=0,12). Vier Patienten (1,8 %) starben unter therapeutischem Heparin vs. 18 (7,6 %) unter prophylaktischem Heparin (OR: 0,22; 95 % CI: 0,07-0,65).

Therapeutisches Heparin senkte im Vergleich zu niedrig dosiertem Heparin zwar statistisch signifikant nicht die Inzidenz des primären Kompositums von Tod, mechanischer Beatmung oder Einweisung auf die Intensivstation, die Wahrscheinlichkeit für einen Tod jeglicher Ursache war unter therapeutischem Heparin signifikant um 78 Prozent reduziert, sagte Erstautorin Michelle Sholzberg.

Koautor Dr. Peter Jüni sagte, dass die Forscher auch eine Metaanalyse der randomisierten Evidenz (einschließlich der Daten aus einer großen Multiplattform-Studie von ATTACC, ACTIV-4a und REMAP-CAP) vorgelegt haben, die eindeutig darauf hinweist, dass therapeutisches Heparin bei mittelschwer kranken hospitalisierten COVID-19-Patienten von Nutzen ist. Er fügte hinzu, dass eine zusätzliche im Preprint vorgestellte Metaanalyse zeigt, dass therapeutisches Heparin bei mittelschwer kranken hospitalisierten Patienten von Nutzen ist, nicht aber bei schwer kranken Intensivpatienten.

© arznei-news.de – Quellenangabe: medRxiv 2021.07.08.21259351; doi: https://doi.org/10.1101/2021.07.08.21259351

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