Depression: Ketamin oder Elektrokonvulsionstherapie?

Studie untersuchte Ketamin als Alternative zur Elektrokrampftherapie bei unipolarer Depression

12.01.2022 Forscher der Universität Lund in Schweden haben die Auswirkungen einer intravenösen Ketaminbehandlung mit einer EKT-Behandlung (unter den Bezeichnungen Elektrokonvulsions-, Elektroschock- oder Elektrokrampftherapie bekannt) bei schweren Depressionen verglichen.

Die Ergebnisse stützen die Ansicht, dass Ketamin eine mögliche Behandlung ist, zeigen aber auch, dass eine EKT-Behandlung mehr Menschen hilft, schreiben die Forscher.

Besserung der Depression

Insgesamt 63 Prozent der Patienten in der EKT-Gruppe zeigten eine Besserung der depressiven Symptome nach der Behandlung, verglichen mit 46 Prozent bei den Patienten, die intravenös racemisches Ketamin erhielten.

Sowohl die EKT als auch das Ketamin können einen schwer depressiven Patienten erfolgreich behandeln, heilen aber nicht immer die zugrundeliegende Erkrankung, da die Depression im Allgemeinen immer wieder auftritt. In der EKT-Gruppe war der Anteil der Patienten, die innerhalb von 12 Monaten einen Rückfall erlitten, etwa gleich groß wie in der Ketamin-Gruppe.

Kumulative Wirkung von Ketamin

Die Forscher konnten nicht die schnelle Wirkung von Ketamin wie in anderen Studien beobachten. Ihre Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass die Wirkung kumulativ ist und mit der Anzahl der Behandlungen zunimmt.

Ältere Menschen sprachen im Allgemeinen weniger gut auf Ketamin an, während jüngere Menschen ebenso gut auf EKT wie auf Ketamin ansprachen, schreiben die Studienautoren um Joakim Ekstrand.

Bei beiden Behandlungen waren sechs Sitzungen erforderlich, um eine vollständige Genesung zu erreichen.

Abbruch der Behandlung

In der mit Ketamin behandelten Gruppe entschieden sich mehr Teilnehmer, die Studie zu verlassen, als in der mit EKT behandelten Gruppe.

Der von uns untersuchten Gruppe war eine EKT angeboten worden, aber etwa die Hälfte von ihnen wurde nun nach dem Zufallsprinzip in die Gruppe mit intravenösem Ketamin zugeteilt. Dies könnte wichtig gewesen sein, weil einige der Teilnehmer die Ketaminbehandlung vorzeitig abbrachen, so Koautor Pouya Movahed Rad.

Gedächtnisprobleme unter Elektrokonvulsionstherapie

In der EKT-Gruppe traten dagegen etwas häufiger anhaltende Gedächtnisprobleme auf.

Die Ergebnisse legen nahe, dass intravenöses Ketamin in dieser Patientengruppe keine schwerwiegenden Nebenwirkungen verursacht. Keine Behandlung sollte übermäßig eingesetzt werden, aber Ketamin sollte eine akzeptable Alternative für Patienten mit schweren Depressionen sein. Die Forscher wollen die Blutproben und andere von ihnen gesammelte Daten nun weiter auf Marker untersuchen, die für die Wahl der richtigen Behandlung für den jeweiligen Patienten hilfreich sind.

© arznei-news.de – Quellenangabe: International Journal of Neuropsychopharmacology (2021). DOI: 10.1093/ijnp/pyab088

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