Einige Antipsychotika könnten Risiko für Brustkrebs erhöhen

Studie untersuchte Brustkrebsrisiko bei prolaktinerhöhenden antipsychotischen Arzneimitteln

09.12.2021 Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis haben bei der Auswertung von Medikamenten, die über eine halbe Million Frauen in den USA erhalten haben, festgestellt, dass viele häufig verschriebene ältere und einige neuere Antipsychotika (auch Neuroleptika genannt) mit einem deutlich erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden sind. Antipsychotika werden für ein breites Spektrum von Erkrankungen verschrieben, darunter Depressionen, bipolare Störungen, Schizophrenie, Demenz und Autismus-Spektrum-Störungen.

Während frühere Studien einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antipsychotika und dem Brustkrebsrisiko aufgedeckt haben, ist dies die erste Studie, die neuere Antipsychotika mit älteren Medikamenten vergleicht und untersucht, wie sich die Medikamente auf den Spiegel eines Hormons namens Prolaktin auswirken. Erhöhte Prolaktinwerte werden mit Brustkrebs in Verbindung gebracht.

Prolaktin ist ein wichtiges Hormon, das in der Pubertät, in der Schwangerschaft und beim Stillen eine Rolle spielt. Viele Antipsychotika erhöhen jedoch den Prolaktinspiegel und können Nebenwirkungen wie Unregelmäßigkeiten des Menstruationszyklus, eine abnorme Produktion von Muttermilch und ein abnormales Wachstum des Brustgewebes hervorrufen.

Die Ergebnisse wurden im Journal of Clinical Psychopharmacology veröffentlicht.

Die Studie

Die Forscher teilten die antipsychotischen Medikamente in drei Kategorien ein, die auf ihren nachgewiesenen Auswirkungen auf Prolaktin basieren.

  • Zur Kategorie 1 gehörten Medikamente, die mit hohen Prolaktinwerten in Verbindung gebracht werden, wie Haloperidol, Paliperidon und Risperidon.
  • Zur Kategorie 2, die mittlere Auswirkungen auf den Prolaktinspiegel hat, gehörten die Medikamente Iloperidon, Lurasidon und Olanzapin.
  • Zur Kategorie 3 gehörten Medikamente mit geringerer Wirkung auf den Prolaktinspiegel, wie Aripiprazol, Asenapin, Brexpiprazol, Cariprazin, Clozapin, Quetiapin und Ziprasidon.

Die Ergebnisse

Die Forscher verglichen die Wirkungen aller drei Kategorien von Antipsychotika mit denen von Antikonvulsiva und Lithium, die ebenfalls häufig zur Behandlung psychiatrischer Störungen verschrieben werden. Im Vergleich zu diesen Medikamenten war das relative Brustkrebsrisiko bei Frauen, die Medikamente

  • der Kategorie 1 einnahmen, um 62 % und
  • bei denen, die Medikamente der Kategorie 2 einnahmen, um 54 % erhöht,
  • während Antipsychotika der Kategorie 3 nicht mit einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos in Verbindung gebracht wurden.

Das Risiko ist aber insgesamt recht gering

In dieser Studie mit Daten aus den Jahren 2012 bis 2016 führte das Forscherteam eine retrospektive Beobachtungsstudie zum Brustkrebsrisiko bei Frauen im Alter von 18 bis 64 Jahren durch, die Antipsychotika einnahmen. Die Daten stammten aus den Datenbanken IBM MarketScan und Multi-State Medicaid, die anonymisierte medizinische Informationen von mehr als 170 Millionen Menschen enthalten.

Tahir Rahman und Kollegen verwendeten Abrechnungscodes aus den Datenbanken, um herauszufinden, welche Patientinnen in einem Zeitraum von 12 Monaten wegen Brustkrebs behandelt wurden. Anschließend glichen sie diese Informationen mit Patientinnen ab, die Antipsychotika einnahmen. Von den 540.737 Frauen in der Datenbank, die Antipsychotika einnahmen, wurde nur bei 914 von ihnen Brustkrebs festgestellt.

Prolaktinwerte überwachen

Antipsychotische Medikamente können für psychotische Patienten mit Symptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen jedoch lebensrettend sein, sagt Rahman.

In einer anderen aktuellen Studie analysierte sein Team Blutproben von Frauen, die das Antipsychotikum Aripiprazol (Abilify) als Zusatzbehandlung für Depressionen einnahmen. Sie stellten fest, dass ihre Prolaktinwerte nicht anstiegen und dass bei einigen Frauen, die zu Beginn der Studie hohe Prolaktinwerte aufwiesen, die Prolaktinwerte nach 12 Wochen der Behandlung sanken.

Diese Ergebnisse – in Verbindung mit präklinischen Hinweisen auf die krebshemmende Wirkung einiger Antipsychotika – haben Rahman und seine Kollegen zu dem Vorschlag inspiriert, einige Antipsychotika im Kampf gegen Brustkrebs neu einzusetzen.

Die Forscher wollen Patientinnen, die Antipsychotika gegen lebensbedrohliche psychische Erkrankungen einnehmen, nicht beunruhigen, sie denken aber auch, dass Ärzte den Prolaktinspiegel insbesondere bei den mit Antipsychotika behandelten Patientinnen überwachen sollten.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Journal of Clinical Psychopharmacology (2021). DOI: 10.1097/JCP.0000000000001513


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