Ketamin gegen Depression

Neue Studie zeigt, wie Ketamin Depressionen bekämpft

01.06.2020 Es hat sich gezeigt, dass das Anästhetikum Ketamin in niedrigen Dosen eine rasche Wirkung auf schwer zu behandelnde Depressionen hat.

Forscher des Karolinska Institutet berichten nun, dass sie ein Hauptziel für das Medikament identifiziert haben: spezifische Serotonin-Rezeptoren im Gehirn. Ihre Ergebnisse, die in der Zeitschrift Translational Psychiatry veröffentlicht werden, lassen auf neue, wirksame Antidepressiva hoffen.

In der ersten Phase der Studie wurden 30 Personen mit schwer zu behandelnden Depressionen randomisiert entweder einer Ketamin-Infusionsgruppe (20 Personen) oder einer Placebogruppe (Kochsalzlösung) zugeordnet.

Ansprechen auf Ketamin

Es handelte sich um eine randomisierte Doppelblindstudie, so dass weder Patient noch Arzt zunächst wussten, wer den Wirkstoff erhielt. Die Gehirne der Teilnehmer wurden vor der Infusion und 24-72 Stunden danach mit einer PET-Kamera aufgenommen.

In der nächsten Phase erhielten diejenigen, die dies wünschten (29 Personen), zwei Wochen lang zweimal wöchentlich Ketamin. Das Ergebnis war, dass über 70 Prozent der mit Ketamin behandelten Personen nach einer Bewertungsskala für Depressionen auf das Medikament ansprachen.

Serotonin-Rezeptoren

Serotonin spielt eine Schlüsselrolle bei Depressionen, und man geht davon aus, dass niedrige Konzentrationen mit schwerwiegenderen Erkrankungen in Zusammenhang stehen. Es gibt 14 verschiedene Arten von Rezeptoren für diesen Neurotransmitter auf der Oberfläche von Nervenzellen. Für ihre PET-Bildgebung verwendeten die Forscher einen radioaktiven Marker, der spezifisch an Serotonin-1B-Rezeptoren bindet.

Sie fanden heraus, dass das Ketamin über diese Rezeptoren in einem bisher unbekannten Wirkmechanismus wirkt. Die Bindung an diesen Rezeptor reduziert die Freisetzung von Serotonin, erhöht jedoch die eines anderen Neurotransmitters namens Dopamin. Dopamin ist Teil des Belohnungssystems des Gehirns und hilft den Menschen, positive Lebensgefühle zu empfinden, was bei Depressionen oft fehlt.

Ketamin-Behandlung erhöhte die Zahl der Serotonin-1B-Rezeptoren

Die Wissenschaftler zeigen damit, dass eine Ketamin-Behandlung die Zahl der Serotonin-1B-Rezeptoren erhöht, schreiben die Forscher um Mikael Tiger. Ketamin hat den Vorteil, dass es sehr schnell wirkt, aber gleichzeitig ist es ein Wirkstoff, der als Betäubungsmittel eingestuft wird und zur Abhängigkeit führen kann.

Daher wird es interessant sein, in künftigen Studien zu untersuchen, ob dieser Rezeptor ein Ziel für neue, wirksame Medikamente sein kann, die nicht die unerwünschten Wirkungen von Ketamin haben.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Translational Psychiatry.



Schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen mit diesem Medikament:

Kommentare werden nach Prüfung auf Arznei-News.de freigegeben.
Machen Sie bitte keine persönlichen Angaben (wie Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefon-Nr., Email-Adresse etc.)!
Benutzen Sie bitte aus Lesbarkeitsgründen auch Komma, Punkt und Absatz. :-)