Knochenstärkende Medikamente: Wie sicher ist ein Pausieren?

Vergleich des Frakturrisikos während einer Pause von Osteoporose-Medikamenten nach einer Langzeittherapie mit Risedronat / Alendronat

13.01.2022 Menschen, die knochenschützende Medikamente einnehmen, machen oft einige Jahre lang eine Pause. Eine neue Studie zeigt nun, dass ein solches Pausieren von dem Medikament Risedronat (Actonel) mit einem leicht erhöhten Risiko für Hüftfrakturen einhergehen kann.

Die Forscher fanden heraus, dass eine mehrjährige Auszeit von Risedronat im Vergleich zu einer Auszeit von Alendronat (Fosamax) mit einem 18 % höheren Risiko für Hüftfrakturen verbunden ist.

Der absolute Unterschied war gering: 3,6 % der Patienten, die eine Risedronat-Pause einlegten, erlitten einen Hüftbruch, gegenüber 3 % der Patienten, die eine Alendronat-Pause einlegten.

Nach Ansicht der Experten legen die Ergebnisse jedoch nahe, dass Patienten, die eine Risedronat-Pause einlegen, erneut untersucht werden sollten und das Medikament möglicherweise früher wieder einnehmen sollten als Patienten, die Alendronat eingenommen haben.

Bisphosphonate

Sowohl Risedronat als auch Alendronat gehören zu einer Medikamentenklasse namens Bisphosphonate. Sie werden häufig Menschen mit der Knochenschwunderkrankung Osteoporose verschrieben, um das Risiko von Knochenbrüchen zu verringern.

Nach jahrelanger Einnahme können die Medikamente jedoch seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen haben, wie z. B. Brüche des Oberschenkelknochens oder den Abbau von Knochen im Kiefer.

Daher empfehlen Ärzte häufig eine Pause von der Einnahme von Bisphosphonaten und eine Neubewertung nach zwei bis drei Jahren.

Diese Pause gilt als sicher für Patienten mit relativ geringem Frakturrisiko, da Bisphosphonate sich an den Knochen „binden“ und auch nach dem Absetzen weiterhin eine schützende Wirkung haben.

Unterschiede zwischen Risedronat und Alendronat

Allerdings gibt es zwischen Risedronat und Alendronat Unterschiede: Risedronat hat eine schwächere „Bindungsaffinität“ zum Knochen, erklärte Kaleen Hayes, die leitende Forscherin der Studie und Assistenzprofessorin an der Brown University School of Public Health.

Die Frage sei, so Hayes, ob der Schutz von Risedronat vor Knochenbrüchen während einer Medikamentenpause schneller nachlässt.

Die neuen in den Annals of Internal Medicine veröffentlichten Ergebnisse legen dies nahe.

Die Studie

Für die Studie nutzten Hayes und Kollegen eine Datenbank des Gesundheitswesens in Ontario, die Einwohner ab 65 Jahren umfasst. Sie konzentrierten sich auf mehr als 50.000 Personen, die vor ihrer Medikamentenpause mindestens drei Jahre lang entweder Risedronat oder Alendronat eingenommen hatten.

Etwa 25.000 Risedronat-Anwender wurden jeweils mit einem Alendronat-Anwender mit ähnlichen Merkmalen verglichen.

Insgesamt hatten Patienten, die Risedronat absetzten, ein um 18 % höheres Risiko für Hüftfrakturen, auch wenn der Unterschied nicht sofort erkennbar war. Er zeigte sich erst zwei Jahre nach der Unterbrechung der Einnahme, so Hayes.

Die aktuellen Empfehlungen besagen, dass Patienten, die drei bis fünf Jahre lang Bisphosphonate eingenommen haben, eine Pause in Betracht ziehen können, wobei nach zwei bis drei Jahren eine „Neubewertung“ vorgenommen werden sollte.

Dabei werden Faktoren berücksichtigt, wie z. B. ob ein Patient eine gesundheitliche Beeinträchtigung entwickelt oder ein Medikament eingenommen hat, das die Knochendichte verringern kann, schreiben die Autoren.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Annals of Internal Medicine (2022). DOI: 10.7326/M21-2512

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