Antidepressiva in der Schwangerschaft

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesen Medikamenten

Unerwünschte Wirkungen bzw. Nebenwirkungen / Komplikationen, die u.a. bei Einnahme von bestimmten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) in der Schwangerschaft beim Kind auftreten können: geringes Geburtsgewicht, Atemprobleme, Absetzsyndrom (z.B. erhöhter Muskeltonus, häufigeres Schreien, Magen-Darm-Probleme), seltener: Pulmonale Hypertonie (Bluthochdruck im Lungenkreislauf), Früh- und Totgeburten.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und pulmonale Hypertonie

Eine neue Studie warnt vor dem Risiko für Mütter, die eine bestimmte Art von Antidepressiva einnehmen, Kinder mit hohem Blutdruck in den Lungen zu gebären. Die Studie ist im British Medical Journal erschienen.

SSRI-Antidepressiva während Schwangerschaft gefährlich

Schwedische Forscher sagen: Obwohl das Risiko klein ist, scheinen Mütter, die selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI – engl. Selective Serotonin Reuptake Inhibitor) in der Schwangerschaft einnehmen, das Risiko für Lungenhochdruck beim Kind zu verdoppeln – im Vergleich zu Müttern, die diese Medikamente nicht einnehmen.

Häufig gebrauchte SSRI-Antidepressiva sind Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Citalopram und Escitalopram.

Die Forscher bestätigen, dass das Risiko, ein Baby mit pulmonaler Hypertonie zu gebären, niedrig ist. Normalerweise entwickeln nur drei Säuglinge pro 1.000 diese Krankheit, obwohl: Wenn Mütter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer in der späten Schwangerschaft einnehmen, verdoppelt sich dieses Risiko.

Die Experten weisen darauf hin, dass schwangere Frauen vor der Verwendung von SSRI bezüglich dieses Risikos informiert werden sollten.

Pulmonale Hypertonie (Abk. PH oder PHT) und pulmonal-arterielle Hypertonie (Abk. PAH) sind Krankheiten, die durch einen zunehmenden Anstieg des Blutdrucks im Lungenkreislauf gekennzeichnet sind, was zu Einschränkungen beim Atmen und oft zu einer darauf folgenden Herzinsuffizienz führt. Die durchschnittliche Lebenserwartung (ab der Diagnose) beträgt drei Jahre ohne Behandlung.

Die Studie, ausgeführt von Forschern aus fünf nordeuropäischen Ländern, untersuchte 1,6 Millionen Babys zwischen 1996 und 2007 geboren 231 Tage (33 Wochen) nach der Geburt in Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden.

Antidepressiva in später Schwangerschaft

Ungefähr 11.000 Mütter bekamen Rezepte für die untersuchten Antidepressiva in der späteren Schwangerschaft und ungefähr 17.000 in der früheren Schwangerschaft.

Die Forscher identifizierten 54.184 Mütter, die zuvor psychiatrische Diagnosen bekommen hatten, aber gegenwärtig keine der Psychopharmaka nahmen.

Es wurden die folgenden Psychopharmaka (allesamt SSRI) in die Untersuchung einbezogen: Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Citalopram und Escitalopram.

Die Ergebnisse der Studie waren: Bei 11.014 Müttern, die Antidepressiva in später Schwangerschaft verwendeten, wurden 33 Babys (0,2 Prozent) mit Lungenhochdruck geboren und bei 17.053 Müttern, die antidepressive Medikamente in früher Schwangerschaft verwendeten, wurden 32 Babys (weniger als 0,2 Prozent) mit pulmonaler Hypertonie diagnostiziert.

Insgesamt erkrankten 114 Babys, deren Mütter zuvor mit einer psychischen Krankheit diagnostiziert worden waren, an der Krankheit.
Quelle: British Medical Journal, Jan. 2012

Verbessern SSRI-Antidepressiva in Schwangerschaft Denkfähigkeiten beim Nachwuchs?

05.05.2018 Eine Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) während der Schwangerschaft war mit einer besseren Leistung bei einem Test zur Messung der kognitiven Fähigkeiten (Denkfähigkeiten) bei 12-Jährigen verbunden laut einer auf dem Pediatric Academic Societies 2018 Meeting vorgestellten Studie.

Dr. Sarah Hutchison, Dr. Tim Oberlander von der Universität British Columbia und Kollegen untersuchten die komplexen Zusammenhänge zwischen der Exposition vor der Geburt gegenüber selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern und den Denkfähigkeiten und der Aufmerksamkeit bei 12-Jährigen.

Sie beobachteten 51 Kinder von der 26. Woche in der Schwangerschaft bis zum Alter von 12 Jahren. In diesem Teil der Längskohortenstudie bewerteten die Forscher die Stimmung der Mutter während und nach der Schwangerschaft und die exekutiven Funktionen des Kindes im Alter von 12 Jahren.

Exekutive Funktionen

Die exekutiven Funktionen bestehen aus einer Reihe von Fähigkeiten, die Kindern helfen, sich im Klassenzimmer und am Arbeitsplatz zu entfalten, einschließlich flexibler, kreativer Problemlösung, der Fähigkeit, sich zu konzentrieren und aufmerksam zu sein, sowie die Fähigkeit zur Selbstkontrolle.

Die Forscher fanden heraus, dass die Leistung der Kinder variierte, je nachdem, ob sie vor der Geburt SSRI-Antidepressiva ausgesetzt waren oder nicht:

Kinder mit SSRI-Exposition hatten bessere exekutive Funktionen im Alter von 12 Jahren, auch nachdem die Stimmung der Mutter während der Schwangerschaft berücksichtigt wurde.

Interessanterweise wurden auch bessere Exekutivfunktionen bei denselben Kindern im Alter von 6 Jahren beobachtet (Weikum et. al 2013).

Angst, Depressivität, verbale Fähigkeiten

Im Alter von 12 Jahren (anders als im Alter von 6 Jahren) gab es trotz Unterschieden hinsichtlich der Antidepressiva-Exposition in der Gebärmutter und Unterschieden bei den exekutiven Funktionen des Kindes keine Variationen hinsichtlich der Stimmungswerte des Kindes (Angst bzw. Depressivität) oder der verbalen Fähigkeit.

Die Befunde zeigen eine erhöhte Ängstlichkeit im Alter von 3 und 6 Jahren an; jedoch konnte diese im Alter von 12 Jahren nicht mehr festgestellt werden. Möglicherweise halfen im Laufe der Zeit die verbesserten kognitiven Fähigkeiten über die Ängstlichkeit hinweg, mutmaßen die Forscher.

Zur Zeit überprüfen die Wissenschaftler diese Ergebnisse in einer größeren Studie (n~=120 Kinder), in der sie die Zusammenhänge zwischen dem Einsatz von Antidepressiva in der Schwangerschaft und Exekutivfunktionen, Stimmung und früher Entwicklung weiter untersuchen können.

Die Behandlung mit antidepressiven Psychopharmaka

Die Auswirkungen der pränatalen Antidepressiva-Exposition sind keine einfache Ursache und Wirkung Effekte, sagt Oberlander. Wenn es darum geht, die langfristigen Auswirkungen der SSRI-Exposition vor der Geburt zu beurteilen, spielen Gene und Familienleben eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung eines Kindes.

Depressionen während der Schwangerschaft und darüber hinaus sind ein großes Gesundheitsproblem für Mütter und ihre Kinder, fügte Dr. Oberlander hinzu. Nicht-Behandlung ist keine Option. Es ist wirklich wichtig, dass schwangere Frauen alle Behandlungsmöglichkeiten mit ihren Ärzten oder Hebammen besprechen.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Pediatric Academic Societies 2018 Meeting

Antidepressiva-Einnahme in der Schwangerschaft mit affektiven Störungen beim Nachwuchs verbunden; kein kausaler Zusammenhang

13.04.2021 Antidepressiva werden in der Regel als Erstlinientherapie bei klinischen Depressionen verabreicht, auch während der Schwangerschaft, entweder zur Vorbeugung des Wiederauftretens einer Depression oder als Akutbehandlung bei erstmalig depressiven Patienten.

Antidepressiva während der Schwangerschaft

Die Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft ist weit verbreitet, und da Antidepressiva die Plazenta und die Blut-Hirn-Schranke passieren, besteht Besorgnis über mögliche Langzeiteffekte einer intrauterinen Antidepressiva-Exposition beim ungeborenen Kind.

Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai untersuchten anhand der dänischen Nationalregister, in denen mehr als 42.000 Einzelkinder, die zwischen 1998 und 2011 geboren wurden, bis zu 18 Jahre lang beobachtet wurden, ob die Exposition gegenüber Antidepressiva im Mutterleib das Risiko für die Entwicklung affektiver Störungen wie Depressionen, bipolaren Störungen und Angststörungen beim Kind erhöht.

In der in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology veröffentlichten Studie schreiben die Wissenschaftler, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft weiterhin Antidepressiva einnahmen, ein höheres Risiko für affektive Störungen hatten als Kinder, deren Mütter die Einnahme von Antidepressiva vor der Schwangerschaft abbrachen.

Um jedoch zu klären, ob die zugrundeliegende Störung, gegen die das Antidepressivum verabreicht wurde, oder das Medikament selbst mit dem Risiko des Kindes, eine affektive Störung zu entwickeln, zusammenhängt, untersuchten sie auch die Auswirkung der väterlichen Antidepressivaeinnahme während der Schwangerschaft und fanden auch hier, dass Kinder von Vätern, die während der Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, ein höheres Risiko für affektive Störungen hatten.

Eher auf die elterliche psychische Erkrankung zurückzuführen

Daher vermutet das Forscherteam, dass der beobachtete Zusammenhang eher auf die elterliche psychische Erkrankung zurückzuführen ist, die dem Antidepressivakonsum zugrundeliegt, als auf einen intrauterinen ( „innerhalb der Gebärmutter“) Effekt.

Ungefähr die Hälfte der Frauen, die vor der Schwangerschaft Antidepressiva einnehmen, entscheiden sich, die Einnahme entweder vor oder während der Schwangerschaft abzubrechen, weil sie sich Sorgen über die negativen Folgen für ihr Kind machen, sagt Studienautorin Anna-Sophie Romel.

Die Studie liefert keine Belege für einen kausalen Zusammenhang zwischen der in-utero Exposition gegenüber Antidepressiva und affektiven Störungen beim Kind. Während also andere Langzeiteffekte der intrauterinen Exposition gegenüber Antidepressiva noch untersucht werden müssen, unterstützt die Arbeit die Fortsetzung der Antidepressiva-Behandlung bei Frauen mit schweren Symptomen oder einem hohen Rückfallrisiko, da eine unbehandelte psychiatrische Erkrankung während der Schwangerschaft negative Folgen für die Gesundheit und Entwicklung des Kindes haben kann.

Frauen und ihre medizinischen Betreuer sollten alle Behandlungsoptionen sorgfältig abwägen und gemeinsam über das beste Vorgehen entscheiden, schließt sie.
© arznei-news.de – Quellenangabe: Neuropsychopharmacology (2021). DOI: 10.1038/s41386-021-01005-6.

Schreiben Sie uns >> hier << über Ihre Erfahrungen und lesen Sie die Erfahrungsberichte zu diesem Medikament.



Schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen mit diesem Medikament. (Bitte keine persönlichen Angaben - wie Name, Anschrift - und aus Lesbarkeitsgründen Komma, Punkt und Absatz machen.)

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren