Krebs: Antivirales Medikament scheint Mutation nach Stammzelltransplantation zu verursachen

Stammzelltransplantationen führen nicht zu DNA-Veränderungen; das Antivirus-Medikament Ganciclovir scheint dies jedoch zu tun

08.09.2021 Stammzelltransplantationen führen nicht zu Veränderungen in der DNA der Spenderzellen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die wichtige Hinweise auf die Sicherheit dieses Verfahrens liefert.

Die Forscher fanden auch Hinweise darauf, dass ein Antiviren-Medikament DNA-Veränderungen verursachen könnte. In Ausnahmefällen könnte das Medikament sogar zur Entstehung von Krebs beitragen. Um dies weiter zu untersuchen, sind nun weitere Forschungsarbeiten erforderlich.

Die Stammzellentransplantation ist ein wichtiger Teil der Behandlung für einige Kinder mit Leukämie. Die DNA der transplantierten Stammzellen könnte instabil sein – die genauen Auswirkungen der Stammzelltransplantation auf die DNA waren jedoch noch nicht bekannt.

Sicherheit von Knochenmarkstransplantationen

Die Forscher der Van Boxtel-Gruppe am Princess Máxima Center for Pediatric Oncology untersuchten die gesamte DNA der Blutstammzellen von neun Patienten, die sich einer Stammzelltransplantation unterzogen hatten. Sie verglichen die Anzahl der Veränderungen in der DNA dieser Zellen mit derjenigen in Blutstammzellen von gesunden Spendern.

Sie stellten fest, dass die meisten transplantierten Blutstammzellen nicht mehr Mutationen aufwiesen als die von gesunden Spendern. Dies ist ein wichtiger Beleg für die Sicherheit von Stammzelltransplantationen.

Die Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift Cell Stem Cell veröffentlicht und von Geldgebern wie der NWO und dem Europäischen Forschungsrat unterstützt.

Unbekannte ‚Narbe‘ in der DNA

Bei einer kleinen Anzahl von Patienten stieß das Team um Van Boxtel, das ebenfalls zum Oncode Institute gehört, auf ein bestimmtes Muster von Mutationen oder „Narben“ in der DNA, das sie zuvor nicht gesehen hatten. Um diese Narbe weiter zu untersuchen, analysierten sie die Daten von mehr als 3.000 Patienten mit Krebs, der sich ausgebreitet hatte, oder mit Blutkrankheiten mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.

Auf diese Weise entdeckten die Wissenschaftler 9 weitere Patienten mit dieser DNA-Narbe in ihrem Krebs. Die Forscher stellten fest, dass alle diese Patienten mit dem Medikament Ganciclovir behandelt worden waren. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das zur Behandlung schwerer Virusinfektionen bei Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem eingesetzt wird, z. B. bei Patienten, die eine Stammzellentransplantation hinter sich haben. Interessanterweise entdeckte das Team diese DNA-Narbe auch bei Erwachsenen mit soliden Tumoren, die zuvor eine Nierentransplantation erhalten hatten und dann mit Ganciclovir behandelt wurden.

Mutationen in Krebsgenen

Um zu untersuchen, ob Ganciclovir tatsächlich Veränderungen in der DNA verursacht, setzte das Team kultivierte Blutstammzellen im Labor Ganciclovir aus. In diesem Experiment konnten sie tatsächlich feststellen, dass das Medikament die zuvor gefundene Narbe in der DNA verursachte. Ganciclovir führte auch zu Veränderungen in Genen, von denen bekannt ist, dass sie Krebs verursachen.

Anschließend testete das Team ein anderes Antivirenmedikament. Dieses Medikament – Foscarnet – wird auch zur Behandlung von Virusinfektionen nach Stammzelltransplantationen eingesetzt, aber von den meisten Patienten aufgrund von Nebenwirkungen auf die Nieren nicht dauerhaft vertragen. Bei Tests an Zellen im Labor verursachte Foscarnet keine zusätzlichen DNA-Veränderungen oder die DNA-Narbe, die die Forscher bei Ganciclovir festgestellt hatten.

Um die Wirkung von Ganciclovir auf die DNA besser zu verstehen, sind nun weitere Untersuchungen an größeren Patientengruppen und über einen längeren Zeitraum erforderlich.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Cell Stem Celldoi.org/10.1016/j.stem.2021.07.012





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