Lithium bei bipolarer Störung

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesem Medikament

  • März. 2011 Lithium erhöht die Aktivität bestimmter Gehirnregionen bei bipolarer Störung … zum Artikel
  • Jan. 2012 Nebenwirkungen von Lithium bei bipolarer Störung … zum Artikel
  • 20.06.2017 Bipolare Störung – Suizidalität: Lithium im Vergleich zu Valproat … zum Artikel
  • 01.03.2018 Langzeitwirkung: Li-Behandlung bei BAS mit geringstem Risiko für Rehospitalisierung verbunden … zum Artikel
  • Weitere Infos, News zum Wirkstoff Lithium

Lithium erhöht die Aktivität bestimmter Gehirnregionen bei bipolarer Störung

Internationale Forschungen haben bedeutend das Verständnis von Gehirnstrukturdifferenzen bei Menschen mit bipolarer Störung verbessert und wie Lithium – eingeführt in den späten 1940ern und immer noch eine der am wirksamsten Behandlungen – die Gehirnanatomie beeinflusst.

Elf internationale Forschungsgruppen kollaborierten bei einem immensen Forschungsaufwand – veröffentlicht in Biological Psychiatry – um Gehirnscans von Erwachsenen mit bipolarer Störung zu sammeln. Diese Megaanalyse ermöglichte ihnen, die Gehirnstrukturunterschiede zwischen Personen mit bipolarer Störung und gesunden Menschen zu vergleichen.

Diese Studien identifizierten Unterschiede – hauptsächlich Reduktionen – in der Größe von Gehirn-Regionen verbunden mit der Stimmungsregulation bei bipolaren Patienten und lieferten auch Beweise, dass bestimmte Behandlungen bei bipolarer Störung die Masse dieser Gehirn-Regionen wachsen lassen.

Die Gehirnscans ergaben, dass Personen, die an bipolarer Störung litten, ein vergrößertes Volumen des rechten lateral ventricular, linken temporal lobe, und rechten Putamen hatten. Bipolare Patienten, die kein Lithium nahmen, hatten eine Reduktion des zerebralen und hippocampalen Volumens verglichen mit den gesunden Subjekten.

Jedoch zeigten Personen mit bipolarer Störung, die L. nahmen, ein deutlich gesteigertes Volumen des Hippocampus und der Amygdala verglichen mit gesunden Vergleichssubjekten und nicht mit Lithium behandelten Patienten. Eine Reduktion des zerebralen Volumens war auch stark mit der Krankheitsdauer der bipolaren Personen verbunden.

© arznei-news.de – Quelle: Biological Psychiatry, März. 2011

Nebenwirkungen von Lithium bei bipolarer Störung

Gewichtszunahme, Schilddrüsenprobleme

Eine neue medizinische Überprüfung fand heraus, dass Lithium, oft bei der psychischen Störung bipolare Störung (ICD10 F31.0) eingesetzt, zu Gewichtszunahme führen und hohe Raten von Abnormitäten in der Schilddrüse und den Nebenschilddrüsen verursachen kann.

Die Forscher fanden auch einige Zeichen von einer Verbindung zu Hautproblemen oder Haarausfall, nach dem in der Online-Ausgabe vom 20 Jan. von The Lancet veröffentlichten Bericht.

Das Phasenprophylaktikum Lithium ist inzwischen weniger populär als es in den 1970ern und ’80er als Behandlung für bipolare Störung war, “trotzdem ist es wahrscheinlich der wirksamste verfügbare Stimmungsstabilisator”, sagt Dr. Bryan Bruno, geschäftsführender Vorsitzender der Abteilung der Psychiatrie am Lenox Hill Hospital in New York City, der nicht mit der Überprüfung verbunden war, aber mit den Befunden vertraut ist.

Viele mögliche Nebenwirkungen

Lithium hat eine Vielfalt von möglichen Nebenwirkungen, bemerkten die Autoren der Überprüfung, angeführt von Dr. John Geddes von der University of Oxford, Warneford Hospital in Oxford, England. Deren Analyse umfasste 385 Studien.

Die Überprüfung stellte fest, dass Lithium Gewichtszunahme verursachen, leicht die Fähigkeit der Nieren behindern kann, Urin zu konzentrieren, und eine gesteigerte Aktivität der Schilddrüse und der Nebenschilddrüsen verursachen kann.

Geddes und seine Kollegen schlagen vor, dass Ärzte über die möglichen Nebenwirkungen mit den Patienten reden und bei der Testkur auch eine Blutkalziumprobe machen sollen, um nach möglichem Hyperparathyroidismen zu suchen.

Bruno sagte, dass die Information über Hyperparathyroidismen neu ist, und fügte hinzu, dass er wahrscheinlich den relevanten Test häufiger in Auftrag geben wird.

© arznei-news.de – Quelle: The Lancet, Jan. 2012

Bipolare Störung – Suizidalität: Lithium im Vergleich zu Valproat

20.06.2017 Die Suizidalität verringert sich bei Menschen mit Bipolarer Störung während der Lithium-Medikation laut einer umfangreichen Studie des Karolinska Institutet.

Mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung ist von einer Bipolaren Störung betroffen. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch wechselnde Phasen von Depression und Stimmungshochs (Manien).

Phasenprophylaktika

Medikamente mit Lithium und Valproat verhindern manische Phasen und haben stimmungsstabilisierende Effekte (Phasenprophylaktika). Es ist bekannt, dass Menschen mit Bipolarer Störung ein hohes Risiko für Suizid haben, aber ob die Medikamente das Selbstmordrisiko reduzieren können, wurde bislang nicht ausreichend untersucht.

Die Studienbefunde unterstützen nun die Belege, dass eine Lithiumtherapie wirksam gegen Suizidversuche und Selbstmord schützen kann, sagte Professor Paul Lichtenstein im American Journal of Psychiatry. Die Wissenschaftler schätzen, dass mehr als zehn Prozent der versuchten oder abgeschlossenen Selbsttötungen hätten vermieden werden können, wenn diese Personen während des Studienzeitraums kontinuierlich Lithium erhalten hätten.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Göteborg durchgeführt und enthielt mehr als 51.000 Personen mit Bipolarer Störung aus dem schwedischen nationalen Patientenregister über einen Zeitraum von acht Jahren (2006-2013). Während dieser Zeit traten 10.648 Suizid-verknüpfte Fälle auf.

Lithiumsalze vs. Valproat

Alle Teilnehmer der Studie wurden mit sich selbst in Phasen mit und ohne Medikation mit Lithium und Valproat verglichen.

Das Risiko für Selbstmord-bezogene Ereignisse wurde um 14 Prozent reduziert, wenn die Teilnehmer Lithium erhielten, im Vergleich zu denselben Personen, wenn sie kein Lithium erhielten.

Die Studie zeigt auch, dass Valproat, die häufigste Alternative zu Lithium, wahrscheinlich keine Wirkung auf suizidales Verhalten hat.

Die Verschreibung von Lithium-Medikamenten hat sich in den letzten Jahren in Schweden stetig verringert. Paul Lichtenstein glaubt, dass die Ergebnisse der Studie für klinische Entscheidungen von Bedeutung sind.

Wenn ein Arzt versucht, die beste pharmakologische Behandlung für den Patienten zu finden, sollte die anti-suizidale Wirkung von Lithium in Betracht gezogen werden, besonders bei Patienten mit vermuteten Suizidabsichten, sagte Lichtenstein.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Karolinska Institutet, American Journal of Psychiatry – DOI: 10.1176/appi.ajp.2017.16050542; Mai 2017

Langzeitwirkung: Li-Behandlung bei BAS mit geringstem Risiko für Rehospitalisierung verbunden

01.03.2018 Laut einer Studie des Karolinska Institutet haben Menschen mit bipolarer Störung das geringste Risiko für eine Rehospitalisierung, wenn sie mit Lithium behandelt werden.

Lang wirkende Injektionen von Antipsychotika waren ebenfalls wirksam und reduzierten das Risiko einer Rehospitalisierung um 30 Prozent im Vergleich zu ihren oralen Pendants.

Untersuchung der Langzeitwirkungen

Die bipolare affektive Störung (BAS) ist gekennzeichnet durch abwechselnde Phasen von Depression und erhöhter Stimmung (Manie) und wird in der Regel entweder mit stimmungsstabilisierenden oder antipsychotischen Medikamenten behandelt.

Lithium gilt als der wirksamste Stimmungsstabilisator, aber es wurden nur wenige Studien durchgeführt, in denen die Langzeitwirkungen verschiedener Medikamente bei bipolarer Störung verglichen wurden, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt JAMA Psychiatry.

Um herauszufinden, welche Behandlung am effektivsten ist, verglichen die Forscher des Karolinska Institutet das Risiko einer erneuten Aufnahme in ein Krankenhaus bei mehr als 18.000 Patienten in Finnland, die zuvor wegen einer bipolaren affektiven Erkrankung in ein Krankenhaus aufgenommen worden waren.

Jeder Patient wurde als eigene Kontrolle verwendet und während der Phasen mit und ohne Medikament mit sich selbst verglichen.

Li und Antipsychotika-Injektionen am effektivsten

Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von mehr als sieben Jahren war die Lithium-Behandlung mit dem geringsten Risiko einer Rehospitalisierung aufgrund von psychischen oder physischen Erkrankungen verbunden, mit einer Risikoreduktion von etwa 30 Prozent im Vergleich zu Personen ohne Behandlung.

Lang wirkende Injektionen von antipsychotischen Medikamenten waren ebenfalls wirksam. Das Risiko einer erneuten Krankenhausaufnahme war um rund 30 Prozent geringer, wenn Patienten mit lang anhaltenden Injektionen behandelt wurden, als wenn sie dieselben antipsychotischen Medikamente oral erhielten.

Das am häufigsten verschriebene antipsychotische Medikament gegen bipolare Störungen, das in Tablettenform verabreichte Quetiapin (Seroquel), reduzierte das Risiko nur um 7 Prozent.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Karolinska Institutet; JAMA Psychiatry

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