Medikamente gegen Angstzustände und Depressionen können Delirium nach Operationen auslösen

Das Risiko von präoperativen, auf das zentrale Nervensystem wirkenden Medikamenten für ein Delirium nach einer Hüft- oder Knieoperation

08.12.2021 Ältere Menschen, die das Medikament zur Behandlung von Angstzuständen und Schlaflosigkeit – Nitrazepam – oder Antidepressiva einnehmen, haben einer neuen australischen Studie zufolge ein doppelt so hohes Risiko, nach einer Hüft- oder Knieoperation ein postoperatives Delirium (auch einfach nur Delir genannt) zu erleiden.

Die Forscher der University of South Australia (UniSA) rufen daher ältere Patienten dazu auf, diese Medikamente vor der Operation vorübergehend abzusetzen oder auf sicherere Alternativen umzusteigen.

Die Studie

In einer in der internationalen Fachzeitschrift Drug Safety veröffentlichten Studie untersuchten Wissenschaftler der UniSA die Daten von 10.456 Patienten im Alter von 65 Jahren und älter, die sich in den letzten 20 Jahren einer Knie- oder Hüftoperation unterzogen hatten. Ein Viertel von ihnen (2.614 Personen) hatte nach der Operation ein Delirium erlitten.

Neben Nitrazepam wurden fünf Medikamente, die häufig zur Behandlung von Depressionen und verschiedenen Angststörungen, einschließlich Zwangsstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen, verschrieben werden, mit Delirium in Verbindung gebracht, wenn auch nicht in demselben Ausmaß. Dazu gehörten Mirtazapin, Sertralin, Venlafaxin, Citalopram und Fluvoxamin.

Der leitende Forscher Dr. Gizat Kassie sagt, dass kein Zusammenhang zwischen schmerzlindernden Opioiden und Delir gefunden wurde.

Die Ergebnisse zeigen, dass einige Medikamententypen innerhalb derselben Medikamentenklassen ein höheres Risiko für die Entstehung eines Deliriums nach Operationen aufweisen als andere, und je älter die Patienten sind, desto größer ist das Risiko, sagt er.

Weitere Risikofaktoren

Rauchen, Alkoholkonsum, Mehrfacherkrankungen, Polypharmazie (Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten), männliches Geschlecht, höheres Alter und eingeschränkte kognitive Fähigkeiten erhöhen ebenfalls das Risiko.

Viele dieser Faktoren lassen sich nicht ändern, aber man kann etwas gegen die Einnahme von Medikamenten tun.

Delirium betrifft bis zu 55 Prozent der älteren Patienten, die sich einer Hüftoperation unterziehen, und ist mit einem erhöhten Sterberisiko, verlängerten Krankenhausaufenthalten und kognitivem Abbau verbunden. Die Behandlung von Delirium ist kostspielig und stellt eine enorme Belastung für das Gesundheitssystem, das medizinische Personal und die Familien dar, sagt Kassie.

Eine frühere Studie ergab, dass ältere Menschen, die nach einer Hüftoperation ein Delirium entwickelten, innerhalb eines Jahres eine um 10 Prozent höhere Sterberate aufwiesen als Patienten ohne Delir.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Drug Safety (2021). DOI: 10.1007/s40264-021-01136-1





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