Methylphenidat (Ritalin, Concerta) bei ADHS

Erfahrungen, Erfahrungsberichte zu diesem Medikament

  • April 2011 Methylphenidat für Erwachsene mit ADHS zugelassen … zum Artikel
  • 17.12.2015 Methylphenidat wirksamer bei Erwachsenen mit ADHS als Psychotherapie … zum Artikel
  • 24.11.2017 Neue Verabreichungsform mit verzögerter Freisetzung verbessert ADHS-Symptome am Morgen und die ganztägige Leistungsfähigkeit … zum Artikel
  • Weitere Infos, News zum Medikament Methylphenidat (Ritalin)

Methylphenidat für Erwachsene mit ADHS zugelassen

Die BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, erweiterte am 14.04.2011 die Zulassung einiger Methylphenidat-Medikamente auf die Anwendung bei Erwachsenen. Zuvor war die Anwendung auf Kinder und Jugendliche (ab sechs) begrenzt. Neue Forschungsergebnisse aus klinischen Studien sollen Wirksamkeit und Sicherheit in Hinblick auf die Behandlung von Erwachsenen absichern.

Der Präsident des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger, sagte zu dieser Erweiterung:

“Die Indikationsausweitung bei Methylphenidat für Erwachsene bedeutet für Patientinnen und Patienten mit ADHS eine ganz wesentliche Ausweitung ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Ärztinnen und Ärzte haben jetzt mehr Handlungssicherheit bei der Verordnung, da die Anwendung bei Erwachsenen bisher nur “off-label” möglich war.”

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung) ist eine psychische Krankheit. Die Störung zeigt Symptome wie: Unaufmerksamkeit, überaktivität, Hyperaktivität, Impulsivität. Die Störung beginnt im Kindesalter und bleibt dann häufig bis man erwachsen ist.

Methylphenidat wird oft zusammen mit einer Psychotherapie verabreicht, wenn die Therapiemaßnahme allein nicht erfolgreich war. Mit der Zulassungserweiterung ist können Erwachsene mit einer im Kindes- und Jugendalter angefangenen Methylphenidat-Therapie weiter behandelt werden. Außerdem ist es nun auch möglich, dass Erwachsene eine solche Methylphenidat-Therapie erhalten, wenn bei Ihnen ADHS festgestellt wird.

Grundsätzlich sagt die BfArM auch bei Methylphenidat:
“Wenn Arzneimittel nach der Zulassung in den Verkehr gebracht und von vielen Patientinnen und Patienten angewendet werden, können Nebenwirkungen auftreten, die zuvor im Rahmen klinischer Studien nicht immer erkannt werden können.”

© arznei-news.de – Quelle: BfArM, April 2011

Methylphenidat wirksamer bei Erwachsenen mit ADHS als Psychotherapie

17.12.2015 Laut einer in JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie des Universitätsklinikums Freiburg erwies sich eine Behandlung mit dem Medikamet Methylphenidat wirksamer als ADHS-Gruppentherapie.

In der bislang weltweit größten Studie verglichen die Wissenschaftler die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung mit der Gruppentherapie und der Kombination beider Behandlungsformen.

Mehr als 400 Patienten im Alter von 18-58 erhielten dazu (randomisiert) entweder 22 Sitzungen Gruppen-Psychotherapie (basierend auf kognitiver Verhaltenstherapie) oder 22 Sitzungen unterstützende Einzelgespräche (nicht spezifisch auf ADHS ausgelegt); die Patienten erhielten Methylphenidat oder ein Placebo.

Nach drei Monaten zeigten die Patienten Verbesserungen (Conners Adult ADHD Rating Scale), jedoch gab es keine signifikanten (deutlichen) Unterschiede zwischen der Gruppentherapie und den Einzelsitzungen. Methylphenidat war Placebo deutlich überlegen

Auch nach einem Jahr erwiesen sich die Behandlungseffekte als stabil. Die Analyse zeigte die Überlegenheit des Arzneimittels gegenüber der Placebogabe bei den Patienten der Gruppentherapie. Hinsichtlich Depression gab es keine Unterschiede.

Bei der Clinical Global Impression Scale zeigte sich die Gruppentherapie den individuellen Einzelgesprächen überlegen.

Hinsichtlich des primären Endpunkts (Verbesserung von ADHS) war die Gruppen-Psychotherapie den Einzelgesprächen nicht überlegen, es sei denn, sie wurde mit dem Medikament kombiniert.

Prof. Dr. Mathias Berger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sagt: “Diese große Studie zeigt, dass die hier angewandten psychologischen Behandlungen nicht ausreichend erfolgreich sind, um eine Medikation zu ersetzen.”

© arznei-news.de – Quellenangabe: Universitätsklinikum Freiburg, JAMA Psychiatry; Dez. 2015

Neue Verabreichungsform mit verzögerter Freisetzung verbessert ADHS-Symptome am Morgen und die ganztägige Leistungsfähigkeit

24.11.2017 Eine Phase-3-Studie mit Kindern im Alter von 6-12 Jahren mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hat gezeigt, dass eine verzögerte Freisetzung, langwirkende Verabreichungsform des Stimulans Methylphenidat, wenn am Abend eingenommen, zu einer signifikanten Verbesserung bei ADHS-Symptomen und funktioneller Beeinträchtigung am nächsten Morgen, verglichen mit einem Placebo, führte.

Die Kinder, die das Medikament mit verzögerter Freisetzung einnahmen, mussten nicht auf eine Morgendosis warten, um die Wirkung zu erhalten und profitierten auch von verbesserten Symptomen am späteren Nachmittag und Abend, so die Ergebnisse einer neuen Studie.

Der Artikel mit dem Titel “Effektivität und Sicherheit von HLD200, verzögerte Freisetzung und verlängerte Freisetzung von Methylphenidat bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung” der Forscher Dr. Steven Pliszka von der Universität Texas und Kollegen wurde in der Zeitschrift Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology veröffentlicht.

Die Wirkstoff-Formulierung, die aus zwei Schichten von Microbeads mit einem inneren Arzneimittelkern besteht, verzögert die Freisetzung des Wirkstoffs für 8-10 Stunden und sorgt dann für eine kontrollierte, verlängerte Freisetzung, die für den frühen Morgen bis in den Abend hinein ausgelegt ist.

Das Medikament wurde gut vertragen, wobei die wichtigsten unerwünschten Wirkungen eine Unterdrückung des Appetits und Schlaflosigkeit waren; diese werden auch häufig für andere Verabreichungsformen von Methylphenidat berichtet.

© arznei-news.de – Quellenangabe: Universität Texas; Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology – DOI: 10.1089/cap.2017.0084; Sept. 2017

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